Im ersten Teil haben wir uns einen groben Überblick über Mastering verschafft: Wir haben uns angeschaut, was Mastering ist und wozu man es benötigt. Heute steigen wir etwas tiefer in die Materie ein und zeigen auf, was in einem Mastering-Studio eigentlich passiert.
Ein Angebot der Mastering-Studios ist das Überführen analoger Zuspieler ins Digitale. Das ist notwendig, da die wenigsten noch alte Abspielgeräte besitzen. Die meisten Studios bieten daher eine Vielzahl von analogen Geräten an, darunter Bandmaschinen oder Plattenspieler. Das Material wird hochauflösend digitalisiert und dann am PC bearbeitet. Dieser Schritt wird meist als Restaurierung aufgeführt. Dabei werden Knackser, Rauschen und andere ungewollte Störgeräusche entfernt. Zum Schluss wird das Material auf das neue Zielmedium gebracht, was wohl immer noch sehr oft die CD ist. Für die CD muss weiterhin die Dynamik eingeschränkt werden, da der Dynamikumfang von analogen Bändern um einiges höher ist als die der CD. Dies muss behutsam geschehen, da das Material bei einer zu starken Dynamikeinschränkung anfängt zu pumpen oder die Musik an Spannung verliert. Dabei sind die geschulten Ohren erfahrener Mastering-Ingenieure gefragt.
Die Mischung muss auf jeder Anlage gut klingen
Der wohl wichtigste Teil der Arbeit besteht in der Klangbearbeitung. Der Ingenieur muss darauf achten, dass die Mischung auf jeder Anlage gut klingt, selbst auf kleinen Radioweckern oder im Autoradio. Der Klang kann so angepasst werden, dass selbst bei den kleinsten Boxen nicht als zu viel verloren geht. Weiterhin dürfen natürlich keine hörbaren Fehler im Mix enthalten sein. Knacken oder andere Störgeräusche können schnell vom Tontechniker überhört worden sein und werden beim genauen Hören vom Mastering-Ingenieur entfernt. Wichtig ist auch das Anpassen der Lautstärke der einzelnen Tracks oder unter Umständen sogar in einem Track selbst - damit das ganze Album auch absolut stimmig ist und nichts unangenehm auffällt. Weiterhin wird der Klang an das gewünschte Genre angepasst. Jedes Genre hat einen spezifischen Klang. Der Klang wird mit Hilfe von bestimmten Equalizern nachbearbeitet, um wie auch bei der Lautstärke einen stimmigen Gesamteindruck zu erhalten. Wichtig ist auch das Setzen von Pausen. Diese müssen je nach gewünschter Dramaturgie länger oder kürzer sein. Teilweise darf es keine hörbare Pause geben, trotzdem muss der Anfang eines neuen Titels so gekennzeichnet werden, dass dieser einen vernünftigen Einstieg hat. Wenn es nötig wird, muss auch die Stereobasisbreite bearbeitet werden, um diese unter Umständen zu erweitern. Auch das nachträgliche Zumischen von Hall ist möglich, wird aber nur selten genutzt. Das Wichtigste ist und bleibt die Schaffung des perfekten Gesamtklanges und genau dieses Ziel verfolgt ein Mastering-Ingenieur.
Nach den klanglichen Bearbeitungsschritten werden die sogenannten PQ-Daten editiert. Das sind zum Beispiel Track-Informationen oder Index-Daten, die eine CD oder eine Datei enthält. Darin gespeichert sind zum Beispiel die Namen des Interpreten und des jeweiligen Titels der CD. Diese werden in neueren CD-Playern im Display angezeigt. Zusätzlich kann man über die PQ-Daten den Kopierschutz einstellen oder der CD die Identifikations-Nummer namens ISRC geben. Das steht für "International Standard Recording Code" und wird vom Label vergeben. Zusätzlich werden alle Informationen vom Mastering-Studio nochmal in Textform an das Presswerk geschickt.
Ab ins Presswerk
Am Ende wird das Material für das Zielmedium codiert. Also in das Endformat gewandelt, um es dann an das Presswerk zu liefern. Im Presswerk wird das Material je nach Auflage gebrannt oder gepresst. Unter 500 Stück lohnt sich die Pressung meist nicht, wofür Kopierroboter zum Einsatz kommen. Diese vervielfältigen die gewünschte Auflage meistens innerhalb eines Tages. Bei einer größeren Auflage wird die CD richtig gepresst. Dies ist ein sehr aufwändiger und komplexer Prozess. Allein den Master herzustellen, bedarf mehrerer chemischer Arbeitsschritte. Ein fertiger Master jedoch hält nur ein paar zehntausend Pressungen aus, danach muss ein neuer Master angefertigt werden. Somit müssen für größere Auflagen ausreichend Master hergestellt werden und das kostet natürlich viel Geld. Wenn es eure CD bis zur Pressung geschafft hat, dann ist der Weg in die CD-Player nicht mehr weit.
Im ersten Teil des Workshops geht es um die Frage, worum es beim Mastering eigentlich geht, wie sich der zugehörige Berufsstand entwickelt hat und worauf es bei dieser Disziplin ankommt (siehe weitere Artikel).
Der Autor

André Klar, geboren 1987, lebt in Leipzig und betreibt seit 2009 das Unternehmen Depth of Sound, das sich auf hochwertige Sound-Design-Dienstleistungen spezialisiert hat. Vor der Selbstständigkeit arbeitete er im Tonstudio verstärkt an Werbespots und Jingles. Während des Tontechnik-Studiums spezialisierte er sich auf die Wirkung von Musik und Klängen. Das gipfelte in seinem Fachbuch Musik und Emotionen. Zusätzlich betreibt er aktuell den Sound-Design-Blog Klangdieb.



