Im ersten Teil des Gesprächs haben wir unter anderem den Retro-Sound von Selig thematisiert. Wie siehst du die technische Entwicklung der vergangenen Jahre, Stichwort Digitalisierung?
Franz Plasa: Ich finde Technik, ehrlich gesagt, uninteressant. Dir nützt Technik nichts, wenn du keine Ahnung und keine Vision hast. Am Ende der analogen Zeit wusste ich, was man mit Bändern erreichen kann. Das wusste ich auch beim Creator (Sequenzerprogramm, Vorgänger von Apple Logic, A. d. Red.), ich konnte editierten, bis der Arzt kommt. Heute kannst du digital sowieso alles erreichen. Die Kunst besteht darin, sich zu disziplinieren. Es ist immer zielbezogen – wenn ich was erreichen will, muss ich mich fragen, mit welcher Technik geht das am Besten?
Inzwischen arbeitest du quasi auch als A&R, baust neue Bands auf. Wie kommen die an dich, und wie geht es dann weiter?
Franz: Ich höre viele Demos. Wenn ich denke, daraus könnte was wachsen, kommt die Band ins Studio, wir produzieren zwei, drei Lieder komplett fertig. Um die fünftausend Euro sollte die Band mitbringen, damit man Essen, Trinken und ein bisschen Tontechnik bezahlen kann. Die meisten schweben schon nach der Vorproduktion auf einer Wolke, weil sie diese Studiostrukturen erleben und nie gedacht hätten, dass man soviel aus ihrer Musik noch rausholen kann.
Wie machst du das: Etwas aus einer Band rausholen?
Franz: Ich weiß nur, dass ich mich nie vorbereite. Oft läuft es so, dass wir ein Leadsheet machen und alles aufbauen, und dann setze ich mich erstmal mit der Gitarre dazu und wir entwickeln den Song. Ich muss mitspielen, damit ich weiß wo ich bin. Wir basteln daran, spielen gemeinsam, und am Ende des Tages haben wir einen Song, den wir grob aufnehmen. Dann schicke ich alle nach Hause und nehme den Schlagzeuger darüber auf, differenziert, detailverliebt, timingverliebt. Und dann die anderen Spuren, bis es im Kasten ist.
Wie geht es für diese Bands dann weiter?
Franz: In den letzten Jahren habe ich sechs, sieben Bands komplett produziert, von null bis jetzt. Wir überlegen jetzt, ob wir dafür selbst ein Team zusammenstellen. Ist vielleicht besser, das Geld für die guten Promoter aufzutreiben, als hinterher der Plattenfirma 70 Prozent abzutreten. Am Anfang bist du stark im Risiko, das kann 150.000 Euro kosten, aber manchmal schaffst du's mit 5.000, wenn du das Richtige machst.
Was hast du selbst im Rückblick richtig gemacht, wie erklärst du dir deinen Erfolg?
Franz: Ich wollte unbewusst immer der Beste sein, das war im Sport schon so. Das hat mich sicher weit gebracht – Energie zu haben, wenn man eine Vision hat, dann an die Details immer wieder neu ranzugehen, sozusagen mit unterschiedlicher Brennweite. Ich habe immer eine ganz bestimmte Vorstellung, wie etwas klingen soll. Man muss das auch ab und zu mal hinterfragen, also Musik auch bewusst hören, und neuen Sachen nicht nur mit Ablehnung begegnen. Aber das Wichtigste ist für mich: Man soll in sich reinhorchen. Ich glaube ganz ehrlich, wenn man das tut, was man wirklich will, ist man viel näher am Erfolg, als man glaubt.
Hast du darüber hinaus einen besonderen Tipp für Nachwuchs-Produzenten?
Franz: (überlegt lange) Fleiß.
Im ersten Teil des Interviews spricht Franz Plasa über seine Arbeit als Musiker und Produzent und blickt zurück, wie er Selig zum Erfolg verholfen hat (siehe weitere Artikel).



