Deutsche POP - Ausbildung in Musik und Medien
musicsupporter.de  »  Ton  »  Artikel – Der Mix macht's - Klangtipps für Anfänger (Teil 2)

Der Mix macht's - Klangtipps für Anfänger (Teil 2)

30. August 2011, von  André Klar
Jede Band sucht den perfekten Sound. Erst wird an den Songs gefeilt, dann wird aufgenommen, später kommt das Mixing. Was man dabei beachten muss, erfahrt ihr in unserem Workshop. Im zweiten und letzten Teil geht es um die Themen Equalizer, Hall und Effekte.
Auch an den Reglern gibt es Regeln (Fotos: phanlop88, anankkml / FreeDigitalPhotos.net).

Im zweiten Teil des Workshops schauen wir uns an, wie man seine Aufnahmen sinnvoll mit dem EQ bearbeitet. Dann werden wir die Räumlichkeit ausbauen, indem wir auf einen Hall zurückgreifen. Darüber hinaus behandeln wir noch über ein paar wichtige Effekte für einen guten Mixdown.  

 

Equalizer

 

Zunächst sollten wir klären, was ein EQ beziehungsweise ein Equalizer ist. Es handelt sich dabei um ein Gerät oder Plug-In, das zum Bearbeiten der Frequenzen eines Signal verwendet wird. In der Tontechnik spricht man auch von der Entzerrung eines Signals. Grundlegend gibt es zwei Arten von Equalizern: den Grafischen, der eher im Live-Bereich seinen Einsatz hat, und den Parametrischen, der eine genauere Bearbeitung zulässt und seinen Platz vor allem im Studio hat.

 

Wir befassen uns an dieser Stelle, für die Bearbeitung eurer Aufnahmen, mit dem parametrischen EQ. Dieser kommt in der Regel mit drei Parametern, also Bearbeitungsmöglichkeiten, daher. Als erstes wird die zu bearbeitende Frequenz eingestellt, um diese danach in der Lautstärke abzusenken oder anzuheben. Der dritte Regler erlaubt dann noch die Bandbreite des zu bearbeitenden Bereichs einzustellen. Es gibt zwei grundlegende Möglichkeiten, den EQ einzusetzen. Zum einen für die Bearbeitung einzelner Spuren, die so eher bereinigt werden, und zum anderen die Anwendung auf einer Spurgruppe oder der gesamten Summe, die dadurch vor allem im Gesamtsound angepasst wird. 

 

Hall

 

Das Hallgerät gibt es inzwischen meist als Plug-In für den Rechner. Ursprünglich wurde es mechanisch in einem Gerät erzeugt, wie dem Federhall. Heutzutage steckt selbst in einem Rack-Hallgerät ein Prozessor zur Berechnung drin. Mit dem Hall wird ein Raum simuliert, um deine Band auf der Platte in einer bestimmten akustischen Situation darzustellen. Es gibt verschiedene Hallberechnungsmöglichkeiten. Die wohl am interessanteste Möglichkeit ist der Faltungshall, der seine Berechnungen aus den Parametern eines echten Raumes bezieht. Dabei wird zum Beispiel in einer Kirche eine Impulsantwort aufgenommen. Dieses Signal rechnet der Faltungshall um, und so kann jedes beliebige Signal aus dieser Kirche erschallen. Natürlich müsst ihr die Aufnahmen nicht selbst machen. In jedem guten Plug-In sind unzählige Räume vorinstalliert, bei denen ihr euch nur noch bedienen müsst.

 

Richtig mischenWenn ihr nun euer Signal mit Hall versehen wollt, solltet ihr ein paar Dinge beachten. Euer Signal wird als dry bezeichnet, also trocken. Das rein generierte Hallsignal als wet, also feucht. Ihr solltet beide Signale immer trennen, also jedem eine eigene Spur geben, damit ihr das richtige Mischungsverhältnis selbst bestimmen könnt (und das vor allem auch später noch). Dafür schickt ihr euer trockenes Signal per Bus an einen Aux-Kanal. Auf diesem Aux-Kanal öffnet ihr euren Hall. Je nachdem, wie laut das Signal nun an den Bus geschickt wird, ertönt es auch im Raum. Den Hall könnt ihr nun individuell über den Aux-Kanal anpassen.

 

Effekte

 

Eigentlich ist das ein zu großes Thema für einen kleinen Workshop wie den unseren. Ein paar wichtige Effektgeräte sollten wir uns dennoch näher ansehen. Das wichtigste Effektgeräte für den Mix sind wohl die Dynamics. In diese Kategorie fällt der Kompressor, Limiter, Expander und das Noisegate. Prinzipiell ist die Funktionsweise die, die Dynamik des Signals zu verändern. Für euch ist hier vor allem der Kompressor wichtig. Dieser schränkt die Dynamik des Signals ein, staucht also die Dynamic zusammen. Leisere Passagen werden somit lauter, und der Durchschnittspegel wird angepasst. Man kann einen Kompressor aber auch für Effekte nutzen, wie dem Erzeugen einer sehr druckvollen Bassdrum. Im elektronischen Bereich geht kaum etwas ohne den Einsatz eines Kompressors.

 

Viel Effekthascherei kann man auch mit einem Delay erreichen, also einem Echo. Die meisten von euch (vor allem die Gitarristen) sollten Delays bereits kennen. Gern werden sie für die E-Gitarre als Bodentreter benutzt. Besonders in der elektronischen Musik kommen sie zum Einsatz. Der Effekt kommt ursprünglich aus der Natur und macht sich durch akustische Wiederholungen bemerkbar. Diese verändern aber gleichzeitig den Klang des Signals, das dadurch eine sehr interessante Klangfarbe erhält. Man sollte hier noch kurz festhalten, dass Delay-Zeiten, also die Wiederholung, unter 30ms nur den Klang eines Signals verändern und noch nicht separat wahrnehmbar sind. Aber am Besten bekommt man das durch Ausprobieren heraus.

 

Ein weiterer Effekt, der mit Dopplungen arbeitet, ist der Chorus. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um den Chorus eines Gesangs, der simuliert wird. Also eine Gruppe von mehreren Sängern. Kopien des original Signals werden verzögert und dabei verstimmt und moduliert. Dieser Effekt war ursprünglich für den Gesang gedacht, wird aber auch gern bei anderen Instrumenten, wie der Gitarre eingesetzt. Der Effekt klingt im Einsatz warm und fügt dem Signal eine größere Breite zu.

 

Fazit und Tipp

 

Zum Abschluss noch ein Tipp: Am meisten lernt ihr durch Experimente. Also traut euch, Neues auszuprobieren und umzusetzen. Und steht am Ende dazu. Musik ist vieles, vor allem aber keine Wissenschaft, sondern eure Art, euch auszudrücken und Spaß zu haben.


Im ersten Teil unseres Workshops geht es um die Vorbereitung beim Recording, um Lautstärke und Panorama (siehe weitere Artikel).


Der Autor

André Klar, geboren 1987, lebt in Leipzig und betreibt seit 2009 das Unternehmen Depth of Sound, das sich auf hochwertige Sound-Design-Dienstleistungen spezialisiert hat. Vor der Selbstständigkeit arbeitete er im Tonstudio verstärkt an Werbespots und Jingles. Während des Tontechnik-Studiums spezialisierte er sich auf die Wirkung von Musik und Klängen. Das gipfelte in seinem Fachbuch Musik und Emotionen. Zusätzlich betreibt er aktuell den Sound-Design-Blog Klangdieb.

Professional Audio