Umberto Echo machte immer auch eigene Musik - mit Instrumenten und an den Reglern. Vor allem im Dub - der Mutter aller Remixe. Das fing an, als er - zunächst nur aus Spaß für sich - Stücke auseinandernahm und neu zusammensetzte, die auf dem Edel-Jazz-Label Enja erschienen waren. Er kannte den Sohn des Besitzers, und der bestellte, total beeindruckt, gleich drei Remixe für eine Compilation zum 75. Geburtstag des großen Pianisten Abdullah Ibrahim. Die Enja-Leute waren so angetan von Winters Schaffen, dass sie sein erstes eigenes Album herausbringen wollten. Ein Dub-Produzentenalbum – das war einmalig in der Label-Geschichte. Für "Dubtrain" spielte Umberto viele Instrumente und die Elektro-Beats selber ein, er mischte Vorhandenes vieler seiner Favoriten durcheiannder oder lud sich Bekannte und Giganten zu Sessions ein, etwa den Ska-Posaunisten Josh Roseman oder den Reggae-Star Luciano.
Das nächste Umberto-Echo-Album erschien Anfang März 2010 beim Echo-Beach-Label, einem der wichtigsten Dub-Verlage. Es ist eine reine Remix-Platte, wobei der Name "Dub The World" Programm ist: Zusammen mit Label-Boss Nicolai Beverungen sammelte er rares und kurioses Material aus der ganzen Welt ein und schickte es durch seine digitalen und analogen Echo- und Effektgeräte: Katchafire sendeten aus Neuseeland, Dub Spencer & Trance Hill aus der Schweiz, der Pole Rastasize hatte die Rechte an Aufnahmen der Rhythmus-Legenden Sly & Robbie, für "Aufstehn" von Seeed hatte er schnell das Okay von Peter Fox, nur für die Genehmigung vom Label musste er ein "kafkaeskes" Verfahren überstehen. Die Stereo MCs, mit denen er als Tonmann der Vorband auf Tour war, lehnten seine erste Version von "City Lights Dub" ab, die viel experimentellere zweite winkten sie durch. Das größte Kuriosum ist "Ye Gou Shan Dub" von Jiang Lang, einem Dub-Freak in China. Was für ein Karneval, den Umberto daraus bastelte: eine Kirmes-Orgel wechselt sich ab mit Dschungelaffen, Surf-Gitarre, Akkordeon-Schunkelei, elektronischen Gimmicks und Mandarin-Kampfrufen. Eine wahre Dub-Schatzkiste, diese Album. Für den Fan. Aber kein Geschäft für den Künstler. "Da verdient kein Mensch einen Cent daran." Doch seine Vision ist jetzt vertont, "und außerdem ist es gut, wenn man sich als Produzent einen Namen macht". Durch das Projekt haben ihn die Franzosen Dub Inc. mit der Produktion ihres nächsten Albums beauftragt. Erst einmal ist aber Umberto Echos dritte eigene Platte bei Enja an der Reihe - oder alles geschieht wieder irgendwie gleichzeitig.
Der Sound von Umberto Echo
Viele Kollegen erkennen die Klangsignatur von Umberto Echo sofort. Umso erstaunlicher, weil der mit immer anderem Equipment arbeitet. Das fing an, als er sich beim Karrierestart aus Kostengründen Zeiten in diversen Studios zusammenstückelte. Später mietete er sich für Produktionen bewusst in verschiedenen und außerdem zu großen Studios ein, um zu üben und zu testen. "Ich war ja nie irgendwo Assistent." ´
Heute sammelt er Studios wie andere Gitarren – jedes hat andere Analoggeräte, Pulte, Boxen, jeder Raum klingt anders. "Dub The World" mischte er in Berlin (Dorian Gray), München (Magus & Fool) und New York (The Maids Room). "Ich fahre voll ab auf diese Geräte, wenn ich sie zur Verfügung habe": sündteure Outboards, Equalizer, das legendäre Roland Space-Echo, Kompressoren, Neve-Vorverstärker aus den frühen Siebzigern - jedes Teil mehr wert als alle Geräte seines eigenen Studios zu Hause ("Wenn das abbrennt, habe ich alles mit 5000 Euro wieder zusammen.") Und doch bearbeitete er einige Stücke absichtlich mit "Logic" am Heim-Computer (etwa "I Do Voodoo" mit Lee Perry) - um das "Nerd-tum in den Tontechnikerforen ad absurdum zu führen".
Umberto Echos Charakteristik entsteht anders: "Ich habe immer sehr konkrete Vorstellungen. Mein Sound ist sauber, aufgeräumt, man kann alle Details wahrnehmen." Das erkennt man, egal ob er Rock, Punk oder Jazz veredelt, wie bei Quadro Nuevo, denen durchaus Dub-Effekte in den nostalgischen Klang einschleust: Mal ein dezenter Phaser, mal ein Echo, oder da wandert eine Bassklarinette im Break von links nach rechts und spielt dort weiter. "Unscheinbar, aber das ändert die ganze Perspektive." Am liebsten mischt Umerto Echo immer noch Reggae-, Dub- und Dancehall-Acts - authentisch, egal ob nach den großen alten Vorbildern oder neuen wie Seeed. Und da gibt es nicht viele Toningenieure, die sich diesen speziellen Sound meistern.



