Als die Mitschüler davon träumten, Popstar zu werden, und zur Gitarre griffen, fühlte Philipp Winter eine andere Berufung im Musikgeschäft: Toningenieur wollte er werden, schon mit 14. Heute, mit 29, ist er ein Meister seines Fachs. Der Münchner hat den Sound von hunderten Konzerten und gut 80 Alben veredelt. Als Produzent und Band-Flüsterer bringt sich der Multiinstrumentalist auch künstlerisch ein. Und unter seinem Pseudonym Umberto Echo schafft und mixt er eigene Musik, die nicht nur anspruchsvolle Kollegen beeindruckt, sondern die ihn in Dub- und Reggae-Kreisen selbst zum Pop-Star gemacht hat.
Neulich hat Umberto Echo wieder ein Buch von Umberto Eco gelesen. Jetzt möchte der Münchner seinem italienischen Namenspatron endlich einmal eine Platte von sich schicken. Was da wohl von Eco über Echo zurückschallt? "Ihm könnte gefallen, was ich mache. Er ist ein Sammler von Skurilitäten wie ich", sagt Umberto Echo alias Philipp Winter selbstbewusst. Wenn der Schriftsteller Eco Zitate aus der Literatur hortet und zu einem neuen - seinem - Werk verarbeitet, dann zitiert auch der Münchner Tonmeister aus Songs und Sounds und fügt sie zu etwas Neuem. Das Infoblatt zu seinem aktuellen Album "Dub The World" ergänzt: Umberto Eco sei ein weltbekannter Autor, Hermeneutiker und Multiwissenschaftler, der gemessen am kreativen Ausstoß mindestens vier Arme und zwei Gehirne habe. "Umberto Echo – und das wissen nur Liebhaber von Reggae-, Jazz- und Dub-Musik - ist ein Münchner (Musik-)Autor, (Dub-)Professor, (Klang-) Hermeneutiker und Multiinstrumentalist und hat ebenfalls mindestens zwei Gehirne und acht Arme." Was jeder nachprüfen kann, der ihn am Mischpult werkeln sieht.
Philipp Winter meistert stets vieles gleichzeitig. Klavier lernte er mit fünf, mit sieben kam Gitarre dazu, später E-Gitarre und E-Bass. Auf dem Weg zum Rockstar kam ihm etwas dazwischen. Ein Lehrer seines Gymnasiums mischte mit anderen Schülern recht professionell den Ton bei Schulfesten und -konzerten. Philipp, 13 Jahre alt, schaute fasziniert zu, und als er dann bei einem Info-Ausflug ins Arbeitsamt einen Film über Toningenieure sah, wusste er: "Das will ich mal werden." Noch während der Schulzeit mischt er Live-Gigs - und wieder passierte vieles gleichzeitig: Er bekam bezahlte Jobs; studierte fünf Jahre lang an der LMU München Musikwissenschaft; lernte derweil Rüdiger Veith kennen, den Besitzer der Dorian Gray Studios in Eichenau und Inhaber der Music Support Group, und besuchte den allerersten Tontechniker- und Tonmeisterkurs von 2000 bis 2001 in dessen Akademie Deutsche POP. Zu seinen praktischen Erfahrungen kamen hier Tipps von Profis dazu. Und er lernte das nötige theoretische Grundwissen: "Nur so entwickelt man die Filigranität, die einen hochwertigen Tontechniker auszeichnet", sagt Winter. Außerdem vermittelte ihm Veith Aufträge als freier Tochtechniker: "Er hat mich ins kalte Wasser geschmissen."
Sein Betätigungsfeld wuchs und wuchs. Besonders im Reggae-Kreisen, wo er befreundete Bands wie Jamaram oder Jahcoustix (die bald berühmt werden sollten) gut klingen lässt. Bei den umschwärmten Jamaram war Umberto Echo gerade zum vierten Mal für das ganze Paket zuständig gewesen: Aufnahme, Abmischen, Produktion, also technischer, künstlerischer und menschlicher Beistand ("Jameleon" erschien Ende März auf GLM Impulso). Eine seiner ersten Produktionsarbeiten war das Album "Mocca Flor" der mehrfach mit dem Jazz-Award ausgezeichneten Tango-Kammermusiker Quadro Nuevo. Winter ist ein Band-Flüsterer für alle Gelegenheiten. Mal - wie beim Songwriter Phil Vetter - steht er mit Rat zur Seite und mischt ab, was der Künstler selber zu Hause aufgenommen hat. Mal ist er voll eingebunden, greift beim Arrangieren ein, bringt eigene Ideen etwa für Gitarrenriffs ins Spiel oder greift im Textbau ein: "Hey, da ist ein Wort zu viel. Sag's doch so."
Wie Umberto Echos eigene Musik klingt und wie sein jüngstes Album entstanden ist, darum geht es im zweiten Teil des Porträts (siehe weitere Artikel).



