Deutsche POP - Ausbildung in Musik und Medien
musicsupporter.de  »  Musik  »  Artikel – Tipps vom Boss

Tipps vom Boss

06. Dezember 2011, von  Nadine Lischick
Sie wurden einzigartig, indem sie fremde Songs coverten: Längst haben sich The BossHoss als eine der erfolgreichsten deutschen Bands etabliert - auch mit eigenen Liedern. Im Interview spricht "Boss Burns" über den individuellen Stil, die neue CD und "The Voice Of Germany".
Klingen gut, meistens mit Hut: The BossHoss (Fotos: Erik Weiss/Universal).

Als Alec "Boss Burns" Völkel und Sascha "Hoss Power" Vollmer 2004 gemeinsam anfingen, Charthits im Country-Stil zu covern, sollte das eigentlich nur ein Party-Spaß sein. Mittlerweile sind The BossHoss eine der erfolgreichsten Bands Deutschlands. Derzeit sitzen die beiden in der Jury der Casting-Show "The Voice Of Germany". Wie man den Schritt von der Cover-Band zum ernstzunehmenden Künstler mit Eigen-Kompositionen schafft und was man als Newcomer sonst noch wissen muss, verrät Boss im Interview.
 

Als ihr 2004 angefangen habt, auf Privatpartys zu spielen, hättet ihr da gedacht, dass es so gut ankommt, Charthits in der Country-Version zu spielen?

 

Boss: Nein! Wir haben die Band auch nicht gegründet, weil wir auf kommerziellen Erfolg aus waren. Wir kannten uns schon ein paar Jahre durch unsere anderen Bands, und weil wir gerne mal was zusammen machen wollten, kamen wir auf die Idee, das Country-Ding auszuprobieren. Dass das mal eine ernstzunehmende Band und eine jetzt schon sechs Alben dauernde Karriere wird, hätten wir nicht gedacht.

 

Sind Coverversionen unterbewertet? Immerhin haben von Elvis bis zu den Beatles früher fast alle so angefangen.

 

Boss: Ich finde es blöd, dass viele das so abstempeln. Klar kommt es immer drauf an, wie man es macht. Wir sagen auch immer, wir interpretieren die Songs auf unsere Art, wir covern sie nicht eins zu eins. Denn das ist langweilig, keine Frage.

 

Ist covern ein guter Weg um als neue Band anzufangen?

 

Boss: Nein, nicht unbedingt. Wenn man früh anfängt, Musik zu machen, ist das natürlich der beste Weg sich auszuprobieren und warm zu werden mit der Art Musik, die man selber gerne spielen würde. Aber generell würde ich jedem empfehlen, den eigenen Stil so früh wie möglich zu finden und zu prägen.

 

Aktuelle CDIhr habt das bei eurem zweiten Album umgesetzt, das zur Hälfte aus Eigenkompositionen bestand. Wie schafft man es, die Fans dabei mitzunehmen?

 

Boss: Ein Rezept gibt es da nicht. Wir haben uns nach unserem ersten Album die Frage gestellt, wie es weitergehen soll. Bleibt man bei Coversongs, dann ist das Ganze wahrscheinlich relativ schnell tot genudelt und langweilig, denn noch mal 15 Country-Cover - nur eben andere -, das braucht kein Mensch. Der Witz ist dann weg.

 

Zumal es in Deutschland sehr viele Cover-Bands gibt. Da sind The Baseballs, Texas Lightning.

 

Boss: Ja. Am Anfang ist das alles frisch und neu. Aber wenn man einen Witz zehnmal erzählt, lacht irgendwann auch keiner mehr drüber. Da wir vorher schon viele Jahre Musik in anderen Bands gemacht und eigene Songs geschrieben haben, war für uns klar, dass wir schnell selber kreativ sein wollen, wenn wir mit der Band weitermachen. Der Sound und das Gefühl, was rüberkommt, sind aber geblieben. Das hat zum Glück ganz gut funktioniert. Aber wir suchen nach wie vor mit jedem Album eine neue Herausforderung.

 

Was war bei eurem aktuellen Album "Liberty Of Action" die Herausforderung?

 

Boss: Wir wollen uns mit jedem Album weiterentwickeln, deswegen versuchen wir stets, möglichst viele verschiedene Musikstile zu erkunden. Und dieses Mal haben wir noch mehr gewagt. "Live It Up" zum Beispiel erinnert an Cypress Hill, und "My Country" ist unsere eigene, englische Version von Rammsteins "Mein Land". Aber der Fokus liegt ganz klar auf den eigenen Songs. Covern tun wir nur noch aus Leidenschaft und nicht mehr als Konzept.

 

Ihr seid während der Albumaufnahmen nach Texas gereist. Inwiefern hat euch diese Reise musikalisch beeinflusst?

 

Boss: Der Spirit, den man da aufsaugt, ist einfach sehr besonders. Das war ein lang gehegter Traum von uns, wir wollten immer mal in den Staaten touren. Und Texas passt halt wie die Faust aufs Auge. Wir haben Clubshows in Austin, San Antonio und Houston gespielt und währenddessen noch ein Video und eine Dokumentation gedreht.

 

The BossHossHat den Texanern eure Musik gefallen?

 

Boss: Das kam super an! Am Anfang haben wir gedacht, die ziehen uns bestimmt die Ohren lang, weil sie sich nicht von ein paar Deutschen erklären lassen wollen, was Country ist. Aber die waren sehr offen, interessiert und fanden das glaube ich ganz erfrischend. Wir hatten da auf jeden Fall einen Exotenbonus!


Seit November läuft auf Pro7 und Sat.1 die Castingshow "The Voice Of Germany". Ihr sitzt dort mit Nena, Xavier Naidoo und Rea Garvey in der Jury.

 

Boss: Eigentlich sind wir keine Freunde von Castingshows. Aber diese hat ein ganz anderes Konzept. So sitzen wir anfangs mit dem Rücken zu den Kandidaten, so dass es wirklich nur um die Stimme geht. Bei "The Voice Of Germany" ist es nicht so, dass die Leute, die nichts können, für den Unter-Haltungsfaktor sorgen. Und wir nennen uns auch nicht Jury, sondern Coaches, weil wir mit den Kandidaten wirklich über Wochen hart und intensiv arbeiten. Das hat schon eine andere Qualität. Es sind viele Leute dabei, die seit Jahren Musik machen und die an normalen Castingshows nie teilnehmen würden.

 

Habt ihr lange mit euch gerungen, ob ihr mitmachen wollt?

 

Boss: Ja, denn eigentlich sind Castingshows Schuld daran, dass die Musikbranche so schnelllebig geworden ist. Wir haben uns lange damit beschäftigt, aber das Konzept hat uns am Ende überzeugt. Und es war super spannend, mal mit anderen Leuten zu arbeiten und Erfahrungen weiterzugeben.

 

Was ist der wertvollste Rat, den ihr einem jungen Musiker geben könnt?

 

Boss: Bleib du selbst! Auf sich selber hören und dran bleiben, immer fleißig üben, das ist wichtig. Außerdem vermitteln die meisten Castingshows immer, dass man da einfach hingeht und Popstar wird. Aber so funktioniert das nicht. Man muss schon die Ochsentour machen und auch mal vor drei Leuten spielen. Den Frust muss man mitnehmen. Dann weiß man genau, warum man das alles macht und dann nehmen die Leute es einem auch ab.


Kurzinfo: The BossHoss

  • 2004 beginnen Alec "Boss" Völkel und Sascha "Hoss" Vollmer gemeinsam Charthits im Country-Stil zu covern und auf Partys von Freunden zu spielen. Ende 2004 unterschreiben sie ihren Plattenvertrag
  • Im Mai 2005 erscheint ihr Debütalbums "Internashville Urban Hymns", das auf Platz 11 der deutschen Charts einsteigt
  • Nur ein Jahr später erscheint der Nachfolger "Rodeo Radio", der zur Hälfte Eigenkompositionen enthält. Sowohl für ihr Debütalbum als auch den Nachfolger bekommen The BossHoss in diesem Jahr eine goldene Schallplatte
  • 2007 erscheint das dritte BossHoss-Album "Stallion Battalion"
  • 2009 folgt das Album "Do or Die", und The BossHoss spielen beim Wacken-Open-Air, dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt
  • 2010 erscheint ihr fünftes Album "Low Voltage", im November 2011 folgt mit "Liberty Of Action" Album Nummer sechs
  • Seit November 2011 sitzen Alec "Boss Burns" Völkel und Sascha "Hoss Power" Vollmer in der Jury der Casting-Show "The Voice Of Germany"