Im ersten Teil des Gesprächs ging es um euren Berufsalltag. Gibt es spezielles Equipment oder andere Dinge, die ihr zum Arbeiten braucht?
Dieter: Sehr unspektakulär. Papier, Bleistift, Radiergummi, nein besser Radiergummis (lacht). An Software setze ich vor allem objektorientierte Environments wie "Pure Data" ein, aber auch algorithmische Programme wie "Openmusic" und diverse FFT-basierte Tools.
Florian: Logic und mein Handy (lacht).
Gunther: Ist bei mir ähnlich, mein G5 und Logic sind das Herzstück. Ein gutes Masterkeyboard, gute Sounds und eine gute Abhöranlage brauche ich natürlich auch. Externe Effektgeräte oder Soundmodule sind weniger geworden, seit es leistungsfähige Rechner gibt. Wichtig ist mir aber mein Flügel, ein akustisches Instrument ist oft besser zum Komponieren der ersten Ideen und Themen. Und Notenpapier, nicht zu vergessen.
Robert: Bei mir ist es fast nur Notenpapier, ein 2B-Bleistift und ein Klavier. Wissen und Klangvorstellung sind in meinen Augen das beste Equipment. Für die grafische Umsetzung benutze ich ein Notensatzprogramm, das die Stimmen mit einem Sampleplayer auch hörbar machen kann.
Welche Tipps habt ihr für den Nachwuchs?
Dieter: Ich halte es für nicht sonderlich ergiebig, in solchen Dingen zu pauschalisieren.
Florian: Vielleicht doch, in einem Wort: Durchhaltevermögen.
Gunther: Naja, wichtig ist, keinen Kopfkrampf zu bekommen. In der Anfangsphase sollten Stücke einen Flow entwickeln, sich quasi von selbst weiterspinnen. Wenn man diesen roten Faden hat, kann man sich an die Kleinarbeit machen. Aber nicht zu früh in zu viele Details gehen, das blockiert nur.
Robert: Es ist halt nicht wie in den Castingshows. Unmittelbar ins große Film- oder Popgeschäft einzusteigen, ist eine Traumvorstellung, die Berufsrealität sieht in den meisten Fällen anders aus. Im weitesten Sinne gut zu sein, handwerklich, halte ich für eine wichtige Voraussetzung, um der eigenen Vorstellung Gestalt geben zu können. Wenn du das kannst, für deine ersten Gehversuche nicht gleich Mondsummen verlangst und dadurch Referenzaufnahmen und Erfahrungen in verschiedenen Bereichen sammelst, dann wird die Umgebung mit den Portemonnaies deine Arbeit mitbekommen. Empfehlungen werden weitergereicht, dein Name spricht sich herum - dann hast du auch etwas zu tun.
Im ersten Teil des Interviews sprechen Florian, Gunther, Dieter und Robert über ihren Arbeitsalltag (siehe weitere Artikel).
Kurzinfo: die Gesprächspartner




Gunther Steudel, Jahrgang 1968, studierte nach ausgiebigen Touren als Keyboarder Komposition in Arnheim und lebt heute in Köln. Zu seinen Referenzen zählen zehn Filme aus der Arte-Reihe "Gesichter Europas" ebenso wie DVD-Werbung für Olympus oder der Four-Site-Festival-Gewinnerfilm "Annabel" (Regie: Jan Haering) (Foto: Dr. H. P. Steudel).
Robert Lingnau, Jahrgang 1973, schrieb sein erstes Stück, "um der Frau, in die ich verknallt war, ein Geschenk zu machen". Später studierte er Bass und Arrangement und komponierte für namhafte Ensembles wie das Metropole Orchestra, die BBC Big Band oder das BuJazzO. Robert lebt und arbeitet in Berlin, wo er unter anderem für das Friedrichstadtpalast-Revuetheater arrangiert. Auch die Wettervorhersage des griechischen Fernsehsenders ET3 öffnet mit seiner Musik (Foto: Christoph Eckelt).
Florian Lüttich, Jahrgang 1975, begann als Schlagzeuger und hatte schon mit Anfang 20 seinen ersten Single-Release als Produzent und Komponist bei einem Major-Label. Heute arbeitet er von München aus unter anderen für Yvonne Catterfeld, B3, McDonald's oder Dallmayr. Auch einige "Wetten, dass...?"-Musikbetten stammen von ihm (Foto: Nico Bergmann).
Dieter Dolezel, Jahrgang 1977, ist nach München zurückgekehrt, nachdem er das Jahr 2007 als Stipendiat der Villa Massimo in Rom verbrachte. Das Stipendium gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für deutsche Künstler. Nach seinem Gitarren- und Kompositionsstudium erhielt er zahlreiche Preise für zeitgenössische Musik. Er komponierte unter anderem für renommierte Interpreten wie die King's Singers oder das Ensemble Modern (Foto: Michael Poganiatz).


