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Lolitas neues Leben (Teil 2)

16. April 2011, von  Bernhard Blöchl
Am Anfang war "Das Spiel" und das Lolita-Image. Sieben Jahre später hat sich Annett Louisan als seriöse Pop-Chanteuse etabliert. Im zweiten Teil des Interviews gibt die Hamburger Sängerin Tipps für Nachwuchssänger und warnt vor Fallen im Musikgeschäft.
Annett Louisan 2011 (Fotos: Jim Rakete).

Deine Alben kommen meist wie persönliche Tagebücher daher. Man hört sie und ahnt sofort, wie's dir geht, in welcher Lebensphase du bist. Würdest du dem zustimmen? Wie wichtig ist dir Offenheit und Authentizität?

 

Annett: Ich bewahre mich noch davor, einen Seelenstrip hinzulegen. Nichts ist schlimmer, als wenn ich das Gefühl habe, die Leute hören meine Lieder und denken: Oh Gott, so viel wollte ich gar nicht wissen. Das geht mir nämlich oft so bei anderen. Aber natürlich sind sie nah bei mir. Das sind einfach kleine Zeitdokumente. Ich bin jemand, der gut loslassen kann. Es gibt Musiker, die jahrelang an einem Album arbeiten und immer wieder die Songs verändern, weil sie nicht mehr zufrieden sind. Ich glaube, das liegt daran, dass sie sich jahrelang Zeit lassen. Natürlich: Wenn ich einen Song so lange liegen lasse und die Zeit schreitet voran, dann stimmt das irgendwann nicht mehr mit dir überein. Darum denke ich: Ich lasse los und mache lieber etwas Neues. Ich nehme das mit, was ich daraus gelernt habe. Und wenn man Glück hat, schafft man etwas Zeitloses, was dann zum Werk wird und durch Zeit und Raum rollt. Aber das kann man vorher nicht wissen - und auch nicht planen.

 

Eine so beeindruckende Karriere wie die deine kann man auch nicht planen. Welche Tipps hast du für junge Sängerinnen und Sänger, die mit dem Singen Geld verdienen wollen?

 

Annett: Für mich war es sehr wichtig zu erkennen, dass man natürlich sein Handwerk lernen muss - genauso wie in der Malerei. Das fängt damit an, dass man versucht, andere Sängerinnen nachzuahmen und sich an denen zu messen. Aber wichtig ist es, irgendwann seine eigene Stimme zu finden. Herauszufinden, wo klingt meine Stimme besonders schön? Sich einfach nicht unter Druck zu setzen, immer alles zu zeigen. Es geht um das Lied und nicht darum, dass der Sänger zeigt, was er kann.

 

Aktuelle CD In meiner MitteWas hältst du von Casting-Shows?

 

Annett: Ich kann mir das nicht mehr reinziehen, weil ich zu sehr hinter die Kulissen blicken kann. Und das deprimiert mich total! Da sind einige so tolle junge Leute dabei, die gar nicht wissen, dass sie eigentlich sich ihre Karriere verbauen. Weil ihr Gesicht verbrennt und sie benutzt werden für ein Fernsehformat, das sehr erfolgreich ist. Das unter Umständen nur kurz aufflammt für sie und ihre Gesangskarriere. Ich hätte das in dem Alter auch noch nicht gewusst. Da denkt man sich: Wow, das geht ja ab! Das Show-Business ist immer noch für viele diese blinkende, funkelnde Kugel!

 

Vor welchen Fallen im Musikgeschäft kannst du noch warnen?

 

Annett: Man darf sich nicht zu sehr reinreden lassen. Man muss sich seine Lehrer genau aussuchen. Denn ich hab meine auch gebraucht – unbedingt! In den letzten sieben Jahren hab ich so viel gelernt und kann - sofern es hoffentlich weitergeht - irgendwann auch etwas erzählen. Trotzdem weiß man selbst - wenn man ein gutes Verhältnis zu sich selbst hat -, was für einen richtig ist. Man sollte nie auf irgendetwas hinproduzieren oder einem Trend hinterherjagen - das funktioniert nicht. Niemals! Das kann man nicht planen, das berührt einen nicht. Musik kommt von woanders her. 


Im ersten Teil des Interviews spricht Annett Louisan über die Trennung von Frank Ramond und neue Inspirationen in New York (siehe weitere Artikel).


Kurzinfo: Annett Louisan

  • geboren 1977 in Havelberg, Sachsen-Anhalt
  • als Teenager Umzug nach Hamburg und Studium an der Kunsthochschule, Jobs als Studiomusikerin
  • 2004: Der Skandal-Hit "Das Spiel" bringt Annett Louisan in die Charts und ins Rampenlicht
  • 2004: Das Debüt-Album "Bohème" erscheint und erreicht Doppel-Platin
  • 2005: Das Album "Unausgesprochen" erscheint und erreicht Platin
  • 2007: Das Album "Das optimale Leben" erscheint und erreicht Platin
  • 2008: Das Album "Teilzeithippie" erscheint und erreicht Platin 
  • 2010: Trennung von ihrem langjährigen musikalischen Partner Frank Ramond
  • 2011: Das Album "In meiner Mitte" erscheint und steigt direkt auf Platz 2 der Charts