hdpk - Hochschule der populären Künste FH
musicsupporter.de  »  Musik  »  Artikel – Jobcheck (11): Sängerin

Jobcheck (11): Sängerin

13. Juli 2011, von  musicsupporter
Im elften Teil unserer Serie über spannende Kreativberufe gibt Ellen Schneider Einblicke in den Alltag als Sängerin. Die Kölnerin tritt solo oder im Trio auf und gibt ihr Wissen als Vocal Coach weiter. In ihrem Job komme es auf die Fähigkeit an, sich selbst zu mögen, außerdem auf Fleiß und Kreativität.
Ellen Schneider bei der Arbeit.

Wie sieht dein Berufsalltag aus? In meinem Berufsleben kombiniere ich die Arbeit auf der Bühne mit der Arbeit mit Gesangsschülern und leichter Bürotätigkeit. Außerdem mache ich noch Musik mit Kindern. Was die Jobs als Sängerin angeht, kann jeder Tag etwas Neues bringen: Mit meinem akustischen Trio AILEEN und Band spiele ich auf vielen Events. Das kann bedeuten, dass wir gestern in einem Restaurant, heute auf einem Firmenevent, morgen auf einer Hochzeit Musik machen. In diesem Kontext bin ich in erster Linie Dienstleisterin: Ich akquiriere Kunden, mache Werbung, schreibe Angebote. Und dann werden wir hoffentlich gebucht. Als Solosängerin geht es auch um Studiojobs, oder ich helfe mal anderen Bands aus. Damit das Ergebnis auf der Bühne stimmt, kommen Proben mit der Band hinzu und das Üben für mich alleine. Wenn ich Zeit und die nötige Ruhe habe, schreibe ich eigene Songs und arbeite an meinem Soloprogramm. Die Kombination aus Allem macht meinen Job so spannend für mich, da ich mit vielen Menschen zu tun habe und immer mal wieder woanders bin.

 

Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Auf die Fähigkeit, sich selbst zu mögen. Außerdem auf Kommunikationsstärke, Fleiß, Ausdauer und Kreativität.

 

Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Sonnenseiten sind die ständige Musik auf den Ohren, auf der Bühne zu stehen, die Arbeit mit Menschen, gut gefunden zu werden, der Applaus und Erfolge im Unterricht zu erzielen. Wenn ein Schüler strahlend Danke sagt, dann weiß ich, dass ich gute Arbeit geleistet habe und ihn weitergebracht habe. Das freut mich selbstverständlich immer! Schattenseiten klingt so negativ. Sicherlich gibt es Tage, an denen ich weniger motiviert bin als an anderen - wer kennt das nicht? Dann kann es tatsächlich anstrengend sein zu singen, weil der Gesang so viel Körpereinsatz bedarf. Außerdem muss man fürs Singen fit sein, da wir ja mit dem körpereigenen Instrument arbeiten. Dazu gehört auch ein starker Rücken, eine ausgewogene Körperspannung und so weiter. Es kann schon mal nerven, diszipliniert auf sich und seine Gesundheit zu achten. Andere Aspekte beziehe ich eher auf das freiberufliche Arbeiten allgemein als spezifisch auf meinen Job als Sängerin: Die Zahlungsmoral einiger Auftraggeber, das Nicht-Kommunizieren vieler Menschen, sprich: Ab- oder Zusagen, Antworten auf Anfragen, Reaktionen auf Demo-Material.

 

Wie bist du geworden, was du bist? Ich habe tatsächlich schon als Kind viel und gerne gesungen. Damals noch ohne großes Ziel. Aber das Grundgefühl zum Gesang konnte ich früh entwickeln, weil meine Eltern eine Affinität zum Gesang hatten und zuhause viel gesungen wurde. Ich war als Jugendliche in zwei Chören (unter anderem Gospel). Später habe ich neben meinem geisteswissenschaftlichen Studium mit meiner privaten Gesangsausbildung begonnen, die mir schon lange vorschwebte. Ich habe angefangen in Bands zu singen, habe mir selber Auftritte mit einem Pianisten organisiert und ab und zu kleine Studiojobs übernommen. Lange bevor ich zu Ende studiert hatte, stand für mich fest, dass ich freiberuflich als Sängerin arbeiten möchte. Durch die Bewältigung einer Stimmkrise konnte ich noch mal große Schritte nach vorne machen, da ich wiederum an gute Lehrer geraten bin und viel (über mich) gelernt habe. Die Auftritte nahmen langsam zu, ich habe viel geübt und immer mehr Erfahrung gesammelt. Nach Beendigung meines Studiums habe ich Fortbildungen absolviert (SLS, EVTS) und natürlich im Laufe der ganzen Jahre viele Workshops besucht. Momentan plane ich meine Ausbildung zur Chorleiterin.

 

Welche Tipps hast du für Einsteiger? Meine erste Gesangslehrerin hat einmal zu mir gesagt: "Wenn Du das wirklich willst, hilft nur eins: Immer weiter machen!" Das kann ich nur so weitergeben.


Ellen Schneider, Jahrgang 1980, lebt und arbeitet als freiberufliche Sängerin und Gesangslehrerin in Köln. An der Akademie Deutsche POP unterrichtet sie Vocal Coaching am Standort Köln.