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Jedem sein kaiserliches Album

08. Juli 2011, von  Nadine Lischick
Die Kaiser Chiefs gehen kreative Wege: Statt ihr neues Album im klassischen Sinne auf den Markt zu bringen, sollen die Fans der Rockband selbst entscheiden, was sie hören wollen. Die Briten fügen damit der Liste innovativer Vermarktungsideen eine weitere hinzu.
Sind ihre eigenen Chefs: die Kaiser Chiefs (Fotos: Danny North/Universal).

Eigentlich ist es ganz einfach: "Das ist jetzt unser viertes Album, wir wollten es nicht auf dem gleichen, routinierten Weg veröffentlichen", sagt Andrew "Whitey" White, der Gitarrist der Kaiser Chiefs. Für ihr neues Album "The Future Is Medieval" hat die britische Rockband sich deshalb eine neue Vermarktungs-Strategie ausgedacht, mit der sie sich das Internet clever zu Nutzen macht. Auf www.kaiserchiefs.com können Fans sich ihre individuelle Version des Albums selbst zusammenstellen.

 

Die Idee sei dem Sänger Ricky Wilson gekommen, als er vor gut einem Jahr mit einem Freund im Urlaub war. Im Pub beklagte er das Leid, dass schon lange bevor man als Band heutzutage eine CD veröffentlicht, Musik im Internet auftaucht. In schlechterer Qualität natürlich, und ohne das dazugehörige Paket um Artwork und Booklet. "So wie Musik heute konsumiert wird, ist sie doch fast wertlos", findet Nick "Peanut“ Baines, der Keyboarder, der genau wie der Rest der Band sofort begeistert von Wilsons Idee war. "Wir wollten nicht, dass unsere Songs in irgendeinem MP3 Ordner landen und dann nie wieder gehört werden. Ein selbst designtes Album hingegen hören sich die Leute mit Sicherheit an."  

 

PlattencoverGut ein Jahr hat das Quintett an der Umsetzung der Idee gefeilt. "Du glaubst gar nicht, wie viel Arbeit das alles war!", sagt Peanut. Schließlich haben die Kaiser Chiefs extra eine Homepage programmieren lassen, auf der Fans nun 20 neue Songs je eine Minute lang Probehören können, um sich daraus für 7,50 Pfund ihre persönlichen zehn Favoriten auszusuchen. Sobald die Tracklist fertig ist, geht es ans Gestalten des Covers. "Zu jedem Song gehört ein Symbol", erklärt Whitey. Zum Beispiel ein Teddybär mit Knarre, eine Telefonzelle oder Schmetterlinge. "Je nachdem, welche Songs sie ausgewählt haben, können die Leute daraus dann ihr Artwork basteln. Bis jetzt sind dabei schon wirklich coole Cover heraus gekommen."

 

Auf den Spuren von Radiohead und Nine Inch Nails

 

Doch damit nicht genug. Die fertige, individuelle Version ist für andere Fans nicht nur sichtbar, sondern man kann sie auch weiterverkaufen. "Dann gehen 6,50 Pfund an uns und ein Pfund an die Person, die das Album kreiert hat", so Whitey. "Wer seine Version eine Millionen Mal verkauft, kriegt also eine Million Pfund von uns." Den Vorwurf, mit ihrem neuen Konzept zu viel kreative Verantwortung in die Hände der Fans zu legen, weisen die Kaiser Chiefs bestimmt zurück. "Früher in den Fünfzigern, als Rock'n'Roll erfunden wurden, gab es doch auch keine Regeln, was man darf und was man nicht darf", so Whitey. "Wir wollten einfach etwas machen, das sowohl für uns als auch unsere Fans inspirierend ist."
 

Kaiser ChiefsDabei sind die Kaiser Chiefs nicht die ersten, die ihr Album auf ungewöhnlichem Wege über das Internet veröffentlichen. Den Anfang machten Radiohead: Als sie 2007 über ihre Internetseite das Album "In Rainbows" veröffentlichten, konnten Fans selbst bestimmen, was sie dafür zahlen wollen. Laut einer Internet-Umfrage waren das im Schnitt vier Pfund. Nine Inch Nails derweil wollten gar kein Geld, sie verschenkten 2008 ihr Album "The Slip". Kaum eine Band hat seitdem nicht mindestens einen Song als kostenlosen MP3 angeboten. Die Idee der Kaiser Chiefs, den Fans die Entscheidung zu überlassen, wie sie sich ihr Album wünschen, ist allerdings neu. "Ganz egal, ob man unsere Musik mag oder nicht", ist sich Peanut deshalb sicher, "niemand kann ignorieren, dass wir hier etwas wirklich Neues probiert haben. Vielleicht geht es in die Hose, und in ein paar Wochen redet keiner mehr drüber, aber wir haben es wenigstens probiert."

 

Dieses Gefühl, etwas Neues zu schaffen, schlug sich bei den Aufnahmen schließlich auch musikalisch nieder. Weil die Kaiser Chiefs sich an keinem starren Albumkonzept orientieren mussten, sind die 20 Songs stilistisch vielseitig. Neben der mit Streichern veredelten Akustik-Ballade "If You Will Have Me" gibt es das Synthie-lastige "Heard It Break", das countryeske "Cousin In The Bronx", aber auch Kaiser Chiefs typische Mitsing-Nummern wie "Dead Or In Serious Trouble". Auch die Kaiser Chiefs haben aus den 20 Tracks übrigens ihre eigene Version von "The Future Is Medieval" zusammengestellt, die seit dem 1. Juli als CD erhältlich ist. Ein demokratischer Abstimmungsprozess, der gar nicht so einfach war. "Die Songs sind einfach alle gut", grinst Peanut.


Kurzinfo: Kaiser Chiefs

 

  • 1997 beginnen Ricky Wilson, Nick Hodgson und Andrew White unter dem Namen Ruston Parva gemeinsam Musik zu machen. Später stoßen Simon Rix und Nick Baines dazu, die Band wird in Parva umbenannt und veröffentlicht ein Album.
  • Als sich nach ihr damaliges Label auflöst, beschließen die fünf es unter einem neuen Namen mit neuen Songs zu versuchen, sie gründen 2003 die Kaiser Chiefs, benannt nach einem Fußballclub in Südafrika
  • 2005 erscheint ihr Debütalbum "Employment", mit dem sie Platz 2 in den britischen Charts erreichen und für den begehrten Mercury Prize nominiert werden.
  • Im August 2006 erscheint das Buch "A Record Of Employment", das ihren Weg von der Band ohne Plattenvertrag bis zum Triumph bei den Brit Awards dokumentiert. Dort gewinnen die Kaiser Chiefs in dem Jahr in den Kategorien "Beste Britische Band",  "Beste Rockband" und "Bester Newcomer".
  • 2007 erscheint mit "Yours Truly, Angry Mob" das zweite Album der Band, das trotz gemischten Rezensionen Platz 1 der britischen und Platz 45 der Billboard Charts erreicht.
  • 2008 folgt das dritte Album "Off With Their Heads" sowie eine Live-DVD, aufgezeichnet vor 40.000 Zuschauern
  • Am 3. Juni 2011 geht die neue Internetseite der Kaiser Chiefs online, auf der Fans sich ihre eigene Version des neuen Albums "The Future Is Medieval" zusammenstellen können. Seit dem 1. Juli ist die bandeigene Version des Albums im Laden erhältlich.