Eddie, als wir uns das letzte Mal trafen, haben wir uns darüber unterhalten, dass du nie singst, weil du es nicht kannst. Auf dem neuen Album mit Art Brut tust du es nun doch, wie kam das?
Eddie: (lacht) Ich versuche es, ja. Das liegt an unserem Produzenten Frank Black, mit dem wir schon unser vorheriges Album aufgenommen haben. Er hat es schon damals gewollt. Nachdem wir die ersten Songs für "Brilliant! Tragic!" aufgenommen hatten, schickte er eines Tages alle anderen aus der Band nach Hause. Erst hatte ich ein bisschen Angst, was er wohl mit mir vor hatte. Dann sagte er: Eddie, du singst jetzt! Aber es war echt nett. Er hat mir das Singen praktisch beigebracht, indem er mir die Songs vorgesungen hat und ich dann nachgesungen habe. Es war toll zu lernen, dass meine Stimme auch ein Instrument und nicht nur zum Reden da ist.
Wie haben deine Bandkollegen reagiert?
Eddie: Ich habe es Ihnen in der Nacht noch präsentiert, und sie waren begeistert. Es klingt wie eine neue Band! Als ich es selbst das erste Mal hörte, konnte ich fast nicht glauben, dass das ich sein soll.
Hattest du das Gefühl, es ist für Art Brut an der Zeit, dass du dich neu erfindest?
Eddie: Ich weiß nicht, nein. Wir machen einfach das, was uns in den Sinn kommt. Wir haben mit Art Brut keinen Masterplan. Es war einfach an der Zeit zu singen.
Auch auf anderer Ebene gehst du dieses Mal neue Wege: Über die Homepage "Pledge Music", bei der Fans direkt in ihre Lieblingsbands investieren können, bietest du verschiedene Fan-Pakete an, um Tourneen in Ländern zu finanzieren, in denen ihr bisher nicht gespielt habt.
Eddie: Genau. "Pledge Music" hat uns schon ein paar Mal vorher angesprochen, aber wir haben immer nein gesagt, weil wir uns nicht sicher waren. Inzwischen denke ich, dass Pledge ein tolles Konzept ist. So wie die Musikindustrie mittlerweile dasteht, ist es eine gute Alternative zu Plattenfirmen, durch die Bands mit Hilfe ihrer Fans Alben finanzieren können.
Eine Alternative, die immer mehr Bands in Anspruch nehmen.
Eddie: Ja, selbst Gruppen, von denen man nicht denken würde, dass sie es nötig haben. Juliana Hatfield, Gang Of Four und sogar The Subways zum Beispiel. Die Band The Indelicates hat übrigens ganz ähnliche Sachen ohne Pledge gemacht. Sie haben Dinge wie Privatkonzerte über Ihre Homepage verkauft. Simon von den Indelicates sollte meiner Meinung nach ein Musikbusiness gründen, wo er Newcomern Tipps für ihre Karriere und Homepage gibt.
Was wäre dein Rat an jungen Bands?
Eddie: Das Beste an Pledge ist, dass man dadurch sein Album finanzieren kann. Also ist es für neue Bands wichtig, Musik online zu haben, die die Leute hören können. Wenn die Songs den Leuten gefallen, dann investieren sie vielleicht auch ihr Geld, damit sie den Song eines Tages auf einem Album kaufen können.
Mit Art Brut verkaufst du über Pledge keine Alben, sondern Karaoke-Abende, Privatkonzerte und von dir gemalte Bilder. Wie kamst du auf die Idee?
Eddie: Es fragten uns einfach ständig Leute, ob wir nicht bei ihnen zu Hause spielen könnten! Ich mag die Idee, nur irgendwie muss man so etwas ja auch organisieren. Über Pledge lässt sich das machen. Und Fan von speziell designten Postern und T-Shirts bin ich sowieso. Am besten allerdings haben wir die Art-Brut-Fußball Sets verkauft, die wir uns in Anlehnung an den Song "Martin Kemp Welch Five A-Side Football Rules" ausgedacht haben. Das hat mich gewundert, denn wir sind ja nicht Oasis. In der Zukunft schreibe ich wohl mehr Songs über Fußball.
Auf welche Aktion freust du dich am meisten?
Eddie: Der Karaoke-Abend wird bestimmt lustig. Ich lerne gerne neue Leute kennen und bin außerdem ziemlich neugierig. Also bei Fremden Leuten die Plattensammlung durchzustöbern oder ihre Tapete zu begutachten, macht mir Spaß.
À propros Tapeten: Du selbst bist gerade umgezogen und wohnst neuerdings in Berlin.
Eddie: Ja, seit Januar wohne ich in Neukölln. Ich mochte Berlin schon immer und hatte nach zehn Jahren in London einfach die Nase voll. Als meine Freundin Dyan beschloss, von Amerika nach Europa zu ziehen, wollte ich einfach nicht in London bleiben, sondern irgendwo hin, wo es schöner ist. Berlin ist toll, es ist so viel grüner als London. Außerdem schmeckt das Bier hier besser.
Besser als das englische Bier?
Eddie: Oh ja! Ich mochte Bier früher nie, aber jetzt schon. Englisches Bier schmeckt furchtbar. Ich trinke Bier nur in Deutschland!
Kurzinfo: Eddie Argos und Art Brut
- Eddie Argos wurde am 25. Oktober 1979 in Weymouth, England, geboren
- 2003 gründete er gemeinsam mit Ian Catskilkin, Freddy Feedback und Mikey Breyer die Band Art Brut, wenig später stieß Jasper Future zur Band
- Nach ersten Singles im Jahr 2004 erschien 2005 ihr Debütalbum "Bang, Bang, Rock'n'Roll". Die Singles "Emily Kane" und "My Little Brother" wurden auch in Deutschland zu Indie-Disco-Hits
- 2006 erschien mit "It's A Bit Complicated" der Nachfolger, 2008 folgte "Art Brut vs. Satan", das von dem Pixies-Sänger Frank Black produziert wurde
- 2010 startete Eddie Argos zusammen mit seiner Freundin Dyan Valdes, sonst Keyboarderin bei der amerikanischen Band The Blood Arm, das Projekt Everybody Was In The French Resistance Now! Für das Album "Fixin' The Charts" nahmen die zwei sich Songs von Michael Jackson bis Kanye West vor und schrieben darauf jeweils eine Art Antwort
- Eddie Argos malt außerdem leidenschaftlich gerne. Für jedes Konzert, das er mit Everybody Was In The French Resistance Now! gespielt hat, hat er eine handgemalte Postkarte designt. Außerdem ist er dabei, zu jedem Art Brut Song ein Bild zu malen.
- http://the-eddie-argos-resource.blogspot.com - über sein Blog sind die Bilder, Postkarten und andere Kunstwerke erhältlich
- Im Mai 2011 erschien das Art-Brut-Album "Brilliant! Tragic" bei Cooking Vinyl


