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Der Reiz des frühen Ruhms

01. Oktober 2010, von  Nadine Lischick
Mit fünf nahm sie ihre erste Single auf, mit neun sang sie im Weißen Haus, mit zehn im Duett mit Frank Sinatra. Heute ist Nikka Costa 38 Jahre alt und noch immer als Sängerin erfolgreich. Wie es ist, ein Kinderstar zu sein, und was sie ihrer eigenen Tochter mit auf den Weg gibt, erzählt sie im Interview.
Nikka Costa (Fotos: Meeno/Virgin).

Wenn man es genau nimmt, dann hat Nikka Costa ihr neues Album für ihre Tochter gemacht. "Pro*Whoa!" heißt das achte Werk der amerikanischen Sängerin, und den Funk und Soul vom Vorgänger "Pebble To A Pearl" tauscht Costa darauf gegen aufgedrehten Pop mit elektronischen Elementen. "Ich habe mich wohl von der Musik beeinflussen lassen, die meine Tochter Sugar gerne hört", sagt Costa. Und das ist derzeit vor allem eins: Lady Gaga. "Sugar ist besessen von ihr. Wir sitzen im Auto, ich gehe auf der Suche nach einem coolen Indie-Sender die Radiostationen durch und sobald sie einen Akkord hört, dreht sie durch, und ich muss lauter machen", so Costa. "Zwar klinge ich jetzt nicht nach Lady Gaga, aber ich wollte elektronischere Songs machen, die man im Club hören kann und die trotzdem gleichzeitig Tiefe haben. Wenn das auch meiner Tochter gefällt, umso besser!"

 

Costas Tochter ist jetzt vier. Noch ein Jahr, und sie ist so alt wie ihre Mutter, als die ihre Gesangskarriere begann. Gegen Nikka Costa sieht nämlich selbst Justin Bieber im wahrsten Sinne des Wortes alt aus: Mit fünf nahm sie ihre erste Single mit dem hawaiianischen Musiker Don Ho auf, mit neun sang sie im Weißen Haus und mit zehn sowohl ein Duett mit Frank Sinatra als auch vor 300.000 Zuschauern in Chile. "Musik war bei uns zu Hause ständig präsent", erinnert sich die 38 Jahre alte Sängerin, die damals in Europa und Südamerika zum Kinderstar wurde. Zu verdanken hat sie das ihrem Vater, Musikproduzent und Gitarrist Don Costa. Der nahm Costa schon in jungen Jahren mit auf Tour und schrieb schließlich auch Lieder für sie. "Wenn ich auf Tour war, hatte ich einen Privatlehrer", erinnert sich Costa. "Die unterrichten dich nicht nur, sondern sorgen auch dafür, dass man nicht länger als eine bestimmte Stundenzahl arbeitet, Pausen macht und regelmäßige Mahlzeiten hat."   

 

"Ich bereue nichts"

 

Ein streng strukturierter Tagesablauf sei das zwar gewesen, aber wenn man Costa fragt, ob es besser gewesen wäre, wenn ihre Karriere erst später begonnen hätte, antwortet sie bestimmt: "Ich bin nicht der Typ Mensch, der Sachen bereut! Alles, was dir im Leben passiert, jede einzelne Erfahrung, macht dich zu dem, der du bist. Ich bin ziemlich glücklich in meiner Haut, ich habe damals viel gelernt und wäre wohl nicht die Person, die ich jetzt bin, wenn ich diesen verrückten Lebensstil nicht gehabt hätte." Größen wie Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Sly Stone gingen bei den Costas damals ein und aus. "Für Sugar ist es wohl nicht anders", weiß Costa. "Wir haben auch berühmte Freunde. Aber Kindern ist das eh egal. Wenn es Elmo aus der Sesamstraße oder Cinderella wären, das wäre aufregend."

 

Nikka CostaTrotz all der positiven Erinnerungen, weiß Costa aber auch um die Nachteile einer Musikkarriere in jungen Jahren. "Es ist schwer genug, in dem Alter zu wissen, wer du bist. Wenn du unter den Augen von Kritikern stehst, ist es noch schwerer. Es ist in meinen Augen einfach nicht nötig. Wenn Sugar eines Tages Sängerin werden will, dann kann sie das gerne tun, denn ich würde nie ihre Träume unterdrücken. Aber ich würde es sie nicht als Job machen lassen, bis sie mit der High School fertig ist.“

 

Nach der High School hat auch Costa eine kurze Zeit lang darüber nachgedacht, ob sie wirklich in die Fußstapfen ihres Vaters treten und Musikerin werden will. Sie hat fünf Jahre in Australien verbracht, den Produzenten Justin Stanley geheiratet - und dann doch wieder zur Gitarre gegriffen. "Mir fiel nichts ein, was mich genauso sehr interessiert", sagt sie. Mit Stanley hat sie seitdem übrigens jedes Album zusammen aufgenommen - nur dieses Mal hatte er keine Zeit. "Es war unfassbar. Ich meinte ‚Ich bin deine Frau! Hast du Zeit für mein Album, wenn ich mehr Sex mit dir habe?'", erzählt Costa und lacht. "Aber nein! Er hat Eric Clapton produziert, Sheryl Crow ..." Also arbeitete Costa mit dem Produzenten Keefus Green. "Wir haben stets beide in unterschiedlichen Studios gearbeitet und die Song hin und her geschickt. Das funktionierte hervorragend", sagt Costa. "Es ging mir bei diesem Album ums Loslassen. Ich wollte keinen Druck haben, sondern einfach Spaß an der Arbeit." Und den hört man "Pro*Whoa!" definitiv an.


Kurzinfo: Nikka Costa 

 

  • Geboren am 4. Juni 1972 in Tokio als Domenica Costa, aufgewachsen in Los Angeles
  • Durch ihren Vater, Musikproduzent und Gitarrist Don Costa, kommt sie früh in Kontakt mit Musik
  • Im Alter von fünf nimmt Costa mit dem hawaiianischen Sänger Don Ho ihre erste Single auf
  • 1981 wird sie mit dem Song "(Out Here) On My Own" aus dem Musical "Fame" in Europa und Südamerika zum Kinderstar, ihr Debütalbum erscheint
  • 1982 folgt mit "To Love A Child" ein Duett mit ihrem Patenonkel Frank Sinatra
  • Ihr Vater stirbt kurz nach den Aufnahmen ihres zweiten Albums, das 1983 erscheint
  • Nach der High School versucht Costa ihren eigenen Stil zu finden, zieht für fünf Jahre nach Australien, spielt kurze Zeit in verschiedenen Bands, heiratet den australischen Produzenten und Songwriter Justin Stanley und nimmt ihr viertes Soloalbum "Butterfly Rocket" auf, das 1996 in Australien erscheint
  • Das Album "Everybody Get Their Something" im Jahre 2001 ist nach der Single mit Frank Sinatra Costas erste Veröffentlichung in Amerika und markiert ihren Durchbruch dort
  • 2006 bringt Costa ihre Tochter Sugar zur Welt
  • Ihr 2008 erschienenes siebtes Album "Pebble To A Pearl" ist geprägt von Funk und Soul 
  • 2010 gibt Costa sich auf "Pro*Whoa!" poppiger und elektronischer, sie geht mit Pink auf Tour