Als Roman Fischer das Licht der Welt erblickte, muss eine Gitarre oder ein Klavier in der Nähe gewesen sein. Dem geborenen Bayern wurde Musik in die Wiege gelegt, wie man so schön sagt. Seine Mutter leitete eine Musikschule, sein Vater war Geiger beim Bayerischen Rundfunk. Musik spielte bei den Fischers immer eine große Rolle. Dass er selbst auch Musiker werden wollte, wusste Roman schon als Teenager. "Wobei ich nicht glaube, dass das zwangsläufig etwas damit zu tun hat, dass meine Eltern Musiker sind", erzählt er. "Mein Bruder zum Beispiel macht keine Musik. Aber es ist definitiv so, dass es mir von zuhause mitgegeben wurde." Mit sieben schon lernte Fischer Klavier und Geige, mit zwölf dann Schlagzeug und Gitarre. Mit 15 schrieb er die ersten eigenen Songs. "Es war natürlich leichter für mich", erinnert er sich. "Wir hatten ein Klavier zuhause, ich konnte also von klein an Musik machen. Es war von meinen Eltern aus kein Muss - aber so etwas Ähnliches. Es wurde schon von mir erwartet, dass ich in sehr frühem Alter ein oder zwei Instrumente lerne um auch die Tradition meiner Eltern weiterzuführen."
"Musik war mein Ventil"
Und irgendwie war es auch eine Art Notwendigkeit für Fischer. Schließlich lebte er auf dem Dorf. "In Lindach wohnen vielleicht 3.000 oder 4.000 Menschen, die nächste Stadt ist weit weg", sagt er. "Ich konnte nicht raus und in dem Alter, in dem andere vielleicht ihre ersten Erfahrungen mit Mädchen sammeln, war ich zuhause. Natürlich habe ich auch andere Sachen gemacht wie Skateboard fahren oder zeichnen, aber Musik war mein Ventil. Damals habe das verflucht, aber im Nachhinein sehe ich, was mir das gebracht hat.“
Allerdings. Schließlich gilt Fischer inzwischen als Deutschlands Songwriter-Wunderkind. Nachdem er mit 17 nach Augsburg zog, wo Marc Liebscher, der Manager der Sportfreunde Stiller, ihn unter seine Fittiche nahm, spielte er sein erstes Album "Bigger Than Now" komplett selbst ein. Auf dem Nachfolger "Personare" von 2006 überraschte er mit anspruchsvollen Klavierkompositionen, nachdenklichen Texten und Falsett-Gesang. Und trotzdem oder gerade deshalb fiel ihm die Arbeit an seinem selbstbetitelten, dritten Album zunächst schwer. "Ich wollte irgendwie immer beweisen, was ich kann", so Fischer. Der Fluch seines Talents, seines Musikerumfelds. "Ich habe in meinem sozialen Umfeld fast nur Musiker, die einen hohen Anspruch haben. Das sind meine besten Freunde, aber gleichzeitig meine größten Kritiker. Und ich will natürlich Musik machen, die auch meinen Freunden gefällt. Deswegen fiel es mir schwer, bei diesem Album loszulassen."
Der Song "Let Go" drückt genau das aus. Es geht ums Loslassen, darum, Sachen nicht zu verkopft anzugehen. Sein Produzent Patrick Berger, mit dem zusammen Fischer das Album in Stockholm aufgenommen hat, habe ihn dazu ermutigt, genau das zu tun und auch Stücke wie "All Night All Day" zu machen - eine Elektro-Nummer im Stil von DAF, bei der Fischer Deutsch und Englisch singt. Überhaupt halten sich Elektro- und Klavier-Stücke auf "Roman Fischer" die Waage. Was nicht nur daran liegt, dass Fischer sich zum ersten Mal auf Teamarbeit eingelassen hat, sondern auch an seinem Umzug nach Berlin. "Ich will nicht sagen, ich repräsentiere Berlin, denn das würde ich mir nie zumuten", erklärt er, "aber das Album hätte ganz anders geklungen, hätte ich nicht in Berlin gelebt. Es ist auf eine Art kurz, was für die Schnelllebigkeit der Stadt steht, es ist sehr abwechslungsreich und bunt. Berlin hat mir eine Art Leichtigkeit gegeben."
"Ich bin ein Glückskind"
Die hört man seinem Album definitiv an. Mit Leichtigkeit nämlich stellt Fischer darauf schließlich doch ein weiteres Mal sein Talent unter Beweis. Dass einen Talent alleine allerdings nicht zwingend ans Ziel bringt, weiß Fischer auch. Man braucht genauso eine Portion Glück. "Ich bin ein Glückskind", grinst er. "Aber ich arbeite auch sehr viel und hart für die Dinge, die mir etwas bedeuten, denn ich glaube an das Sprichwort, dass Glück dir nichts bringt, wenn du nicht darauf vorbereitet bist. Ich bin sicher, dass jeder von uns die Möglichkeit hat, Glück zu erfahren. Manche Leute sagen, es ist Zufall, andere sagen es ist Schicksal - irgendwo dazwischen wird die Antwort liegen."
Kurzinfo: Roman Fischer
- geboren 1985 in Lindach, Bayern
- Mit sieben lernt er Klavier und Geige, mit zwölf dann Schlagzeug und Gitarre.
- Derweil besucht er die Haupt- und Realschule und später die Kunstfachoberschule
- Mit 15 schreibt er die ersten eigenen Songs
- 2002 Umzug nach Augsburg, Fischer lebt mit in einer WG mit Oliver Gottwald von der Band Anajo und lernt Marc Liebscher, den Manager der Band Sportfreunde Stiller kennen
- 2003 erscheint seine erste EP "Outtakes" bei Liebschers Label Blickpunkt Pop
- 2004 folgt sein Debütalbum "Bigger Than Now"
- Er geht mit Bands wie Tomte, Sportfreunde Stiller, Miles und Anajo auf Tour
- 2006 erscheint sein zweites Album "Personare"
- Der Musikexpress kürt das Album zur "Platte des Monats", Kritiker vergleichen ihn mit Radiohead, Coldplay, Placebo oder Muse
- Im Juli 2010 erscheint nach vier Jahren der Nachfolger "Roman Fischer"



