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Der Irrtum über Ruhm

15. November 2010, von  Nadine Lischick
Er hatte großen Erfolg - und plötzlich keine Lust mehr. Nun meldet sich Badly Drawn Boy mit neuen Songs zurück. Im Interview erklärt der Brite, wie schwierig es sein kann, sich als Künstler der öffentlichen Kritik zu stellen und wie junge Musiker mit ihren Talenten umgehen sollten.
Einmal Slacker, immer Slacker: Damon Gough alias Badly Drawn Boy (Fotos: PGM).

Dein letztes Album ist vier Jahre her. Es hieß, du hättest eine Schreibblockade gehabt?

 

Badly Drawn Boy: Nein. Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht, was das ist. So etwas hatte ich noch nie, dass mir keine Songs einfielen. Ich könnte jederzeit einen schreiben - aber ich hatte einfach keine Lust. Ich hatte genug davon, Musik zu machen und nicht die Anerkennung zu bekommen, die ich verdiene. Außerdem haben wir unser Haus umgebaut, womit ich acht Monate beschäftigt war. Wir haben die Küche komplett renoviert - also hatte ich keinen Ort, um Songs zu schreiben, denn ich besitze kein Büro, sondern schreibe normalerweise in der Küche.

 

Was meinst du damit, dass du nicht die Anerkennung bekommen hast, die du verdienst?

 

Badly Drawn Boy: Die Leute reden immer noch über mein erstes Album oder den Soundtrack zu "About A Boy". Ich habe das Gefühl, die letzten zwei oder drei Alben hätte keiner wahrgenommen. Dabei sind die mindestens genauso gut wie mein erstes Album. Ich halte das nicht mal für so besonders gut. Eigentlich hätte "Born In The UK" ein Hitalbum werden müssen. Nach der Tour dazu habe ich mich gefragt, was das alles überhaupt soll. Wenn dieses Album nicht läuft, was soll ich dann noch tun? Ich war einfach desillusioniert.

 

Klingt nach einem frustrierenden Zustand.

 

Badly Drawn Boy: Ja, nachdem wir unsere Küche renoviert hatten, verging eine Woche nach der anderen, in der ich dachte "ich muss wieder Songs schreiben und ins Studio gehen". Aber ich konnte mich einfach nicht aufraffen. Das ist, wie wenn man lange nicht mit einem Freund gesprochen hat: Es wird schwerer und schwerer, sich wieder zu unterhalten, je länger man nicht gesprochen hat. Der Grund, warum ich doch wieder ins Studio ging, war, dass ich letztes Jahr gefragt wurde, ob ich einen Soundtrack schreiben könnte.

 

Das war der Soundtrack zum TV-Film "The Fattest Man In Britain". Hat die Arbeit daran deine Musik zur Liebe neu erweckt?

 

Badly Drawn Boy: Ich war anfangs echt nervös, weil ich so lange nicht im Studio gewesen war. Aber es dauerte keine zehn Minuten, und ich war wieder in meinem Element. Danach war mir klar, dass ich es nie wieder so weit kommen lassen will. Deswegen habe ich mich auch entschieden, jetzt eine Trilogie zu veröffentlichen und schnell viele Songs zu schreiben. Denn es wäre eine Verschwendung von Talent. Ich habe noch viel zu bieten mit meiner Musik. Aber es ist eben manchmal schwer, seine Musik zu veröffentlichen und der Kritik auszusetzen - vor allem, wenn die Songs sehr persönlich sind.

 

Badly Drawn BoyWas rätst du jungen Bands, wie man mit Kritik umgeht und sein Selbstbewusstsein behält?

 

Badly Drawn Boy: Das wichtigste ist, dass man selbst mit dem zufrieden ist, was man tut. Aber manchmal passieren schon komische Dinge. Irgendwann saß ich mal in einer Bar in Manchester, jemand kam auf mich zu und sagte: "Ich mag deine Musik zwar nicht, aber ist der Platz neben dir noch frei?". Das ist der Nachteil vom Berühmtsein: Es öffnet dir die Augen, wie die Leute sind, weil man extrem viele Menschen trifft und erkannt wird. Es kann dein Leben ganz schön verzerren. Deswegen mag ich Shows wie "X-Factor" nicht. Diese Kids werden über Nacht ins Rampenlicht geworfen. Ich meine, schau dir an, was aus Susan Boyle wurde: Sie hatte einen Nervenzusammenbruch.

 

Die Schattenseite des Ruhms ...

 

Badly Drawn Boy: Ich bin fast froh, dass es passiert ist. Sie tut mir leid, aber es beweist, dass man so etwas mit Menschen einfach nicht machen kann. Die Obsession in Bezug auf Ruhm ist in den letzten Jahren außer Kontrolle geraten. Die Kids wollen alle berühmt werden, das ist wirklich traurig. Jeder sollte mit den Talenten, die er hat, glücklich sein, ob das nun Mathe, Englisch, Literatur oder Musik ist. Man sollte das tun, was man gut kann. Wenn man damit erfolgreich wird - umso besser. Aber Ruhm um des Ruhmes willen ergibt keinen Sinn.

 

Dein aktuelles Album ist das erste einer Trilogie mit dem Titel "It's What I'm Thinking". Kannst du schon verraten, wie die anderen zwei Teile der Trilogie klingen werden?

 

Badly Drawn Boy: Nein, denn ich habe noch keine Ahnung! Das ist das schöne an dem Titel: Es gibt kein wirkliches Thema. All diese Songs sind einfach meine Gedanken.


Kurzinfo: Damon Gough alias Badly Drawn Boy

 

  • Geboren am 2. Oktober 1969 in Dunstable, Bedfordshire als Damon Gough
  • Nach seinem Umzug nach Manchester gibt er sich 1995 den Künstlernamen Badly Drawn Boy, benannt nach einem Charakter in der TV-Show "Sam And His Magic Ball"
  • In Manchester lernt er Andy Votel kennen, mit dem er das Label Twisted Nerve Records gründet, auf dem er 1997 seine erste, auf 500 Kopien limitierte EP "EP1" veröffentlicht
  • Im Juni 2000 erscheint sein Debütalbum "The Hour Of Bewilderbeast", für das Gough mit dem begehrten britischen Mercury Music Prize ausgezeichnet wird
  • 2002 komponierte Gough den Soundtrack für den Hugh-Grant-Film "About A Boy" nach der Romanvorlage von Nick Hornby
  • An seine frühen Erfolge kann Badly Drawn Boy mit seinen kommenden zwei Alben "Have You Fed The Fish" und "One Plus One Is One" nicht anknüpfen
  • "Born In The U.K.", das 2006 erscheint, dreht sich um das Aufwachsen in England. Danach könnt Gough sich eine Pause.
  • Drei Jahre später meldet er sich mit dem Soundtrack für den britischen TV-Film "The Fattest Man in Britain" zurück.
  • 2010 erscheint mit "It's What I'm Thinking" der erste Teil einer geplanten Platten-Trilogie; im November tourt Badly Drawn Boy durch Deutschland (Termine unter http://www.badlydrawnboy.co.uk/)