Erwachsenwerden, das ist bekanntlich gar nicht so einfach. Noch schwieriger allerdings ist es, wenn einem die Welt dabei zuschaut. Luke Pritchard, der Sänger der britischen Band The Kooks, kann das nur bestätigen. "Ich war 18 als wir unseren ersten Plattenvertrag unterschrieben haben, unser Gitarrist Hugh war 16", sagt Pritchard. "Das ist ganz schön jung, um plötzlich ein so verrücktes Leben zu führen und bringt einen ganz schön durcheinander. Du verpasst all das, was deine Freunde tun und hast keine Verbindung mehr zu den Leuten um dich herum. Das ist schon eine komische Existenz."
Mit dem zweiten Album kam die Krise
Als The Kooks 2006 ihr Debütalbum "Inside In/Inside Out" veröffentlichten, ging alles ganz schnell. Noch im gleichen Jahr bekamen sie den MTV Europe Music Award für die beste Band Großbritanniens, ihr Album ging zwei Millionen Mal über die Ladentische und The Kooks tourten um den ganzen Globus. Doch mit dem zweiten Album kam - wie bei so vielen Bands - die Krise. Noch während der Aufnahmen verließ der Bassist Max Rafferty aufgrund von Drogenproblemen die Band. Wegen eines schmerzenden Nervs in seinem Arm musste wenig später auch noch der Schlagzeuger Paul Garred ersetzt werden. "Wir hatten definitiv eine beschissene Zeit", gibt Pritchard zu. "Hugh und ich haben zwar nie darüber nachgedacht, die Band aufzulösen, aber zwischendurch hatten wir schon das Gefühl, alles fällt auseinander."
The Kooks brauchten dringend eine Pause. "Es war wichtig, etwas Freiheit zurück zu gewinnen", sagt Pritchard. "Wenn du eine Band gründest, willst du bloß spielen, spielen und spielen. Doch nach fünf oder sechs Jahren war das bei uns nicht mehr so. Wir haben die Musik kurzzeitig aus den Augen verloren. Und wenn das passiert, dann hast du ein Problem." Deshalb nahmen The Kooks sich Zeit, um zu leben, sich zu verlieben und all die Dinge zu tun, die Menschen in ihrem Alter eben tun. "Das ist sicher einer der Gründe, warum wir wieder unsere Richtung gefunden haben", so Pritchard. Der andere Grund heißt Tony Hoffer. Er hat schon die ersten beiden Alben der Band produziert, und als Pritchard ihn nach einem gescheiterten Versuch mit dem Produzent Jim Abbiss für "Junk Of The Heart" ins Boot holte, klappte es auch wieder mit dem Songschreiben. "Tony hat mir geholfen, all das Gewicht von meinen Schultern zu nehmen", so Pritchard. "Er hat mein Selbstvertrauen wieder aufgebaut, und ich begann wieder, die Musik zu genießen."
"Die Musik sollte einen leiten, nichts anderes"
Die fällt auf "Junk Of The Heart" nun ziemlich abwechslungsreich aus. Da sind verspielte, für The Kooks typische Nummern wie "Junk Of The Heart" (Happy) oder "Eskimo Kiss"; "Petulia" hat mit seinen Streichern und der Akustikgitarre einen Folk-Touch und "F**k Off The World" oder "Rosie" klingen nach den Siebzigern. "Unser zweites Album war etwas überstürzt", sagt Pritchard. ",Junk Of The Heart' ist wohlüberlegter. Es ist wie ein Wendepunkt für uns." Denn vor diesem Album, erklärt Pritchard, habe er sich viele Gedanken gemacht. "Was ich da eigentlich mache und ob es von Bedeutung ist. Das hat vielleicht auch etwas mit erwachsen werden zu tun", sagt er. "Mittlerweile fühle mich insgesamt etwas geerdeter und habe an der Musik wieder mehr Spaß."
Aber wie sorgt man dafür, dass man diesen Spaß gar nicht erst verliert? Kann man dieses Tief, das The Kooks nach ihrem Erfolg durchlebt haben, vermeiden? "Jeder verarbeitet so etwas anders", sagt Pritchard. "Aber das wichtigste ist, dass man sich selbst treu bleibt. Die Musik sollte einen leiten, nichts anderes. Das ist der Fehler, den wir gemacht haben. Unser neues Album symbolisiert für mich aber, von all dem wegzukommen."
Kurzinfo: The Kooks
- Die vier Mitglieder der Kooks treffen sich 2003 während ihres Studiums am Brighton Institute of Modern Music. 2004 gründen sie gemeinsam eine Band. Der Name The Kooks stammt von einem Lied von David Bowie
- Nur drei Monate nach ihrer Gründung unterschreiben die vier einen Plattenvertrag. Danach gehen sie mit Bands wie The Thrills und The Subways auf Tour
- Im Juni 2005 nehmen sie ihr Debütalbum "Inside In/Inside Out" auf, das 2006 erscheint und sich zwei Millionen Mal verkauft
- The Kooks bekommen daraufhin diverse Preise, unter anderem den MTV Europe Music Award als beste Band Großbritanniens und den Brit Award als bester Newcomer.
- Während der Aufnahmen zu ihrem zweiten Album verlässt Bassist der Max Rafferty im Januar 2008 die Band
- Drei Monate später erscheint ihr zweites Album "Konk", das auf Platz 1 in den britischen Charts einsteigt
- Ende 2009 muss der Schlagzeuger Paul Garred die Band wegen einem Problem mit einem Nerv in seinem Arm verlassen. Bei den Aufnahmen an "Junk Of The Heart" hat er allerdings wieder mitgewirkt
- "Junk Of The Heart" erscheint im September 2011


