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Das Heranwachsen der Killerpilze (2)

22. März 2010, von  Bernhard Blöchl
Aus der Schülerband aus Dillingen sind rockende Kleinunternehmer geworden. Mit eigenem Label und ihrer bis dato härtesten Platte proben die Killerpilze das Erwachsensein. Im zweiten Teil des Interviews gibt Jo Halbig Tipps für Newcomer-Bands.
Rockende Killerpilze (Fotos: Universal, C. Bunnemann).

Nicht viele Bands haben so früh so großen Erfolg wie ihr. Welche Tipps hast du für junge Musiker, die nebenbei auch noch zur Schule gehen oder eine ähnliche Doppelbelastung haben, wie ihr sie immer hattet?

 

Jo: Man muss schon sehr belastbar sein. Wir hatten das Glück, dass wir uns in der Schule nie schwer getan haben und uns gut durchschlagen konnten. Man muss auf vieles verzichten. Ich habe zum Beispiel nie Zeit, mit meinen Kumpels ein Bayern-Spiel anzuschauen, oder am Abend mal was trinken zu gehen. Das ist die Schattenseite, ganz klar. Das heißt aber nicht, dass man für den Erfolg sein normales Leben komplett vergessen muss. Aber es ist schon alles sehr zeitintensiv. Andererseits muss man sagen: Dadurch, dass wir immer eine Doppelbelastung hatten, erst die Schule, jetzt der Zivildienst, ist es so, dass man immer auf dem Boden der Tatsachen bleibt. Denn egal, wie das Wochenende war, egal ob du vor 10.000 Leuten gespielt hast, du musst am Montag um viertel vor sieben deine Arbeit machen.

 

Welche Rolle haben eure Eltern in eurer Bandgeschichte gespielt?

 

Jo: Es war immer ihre Bedingung, dass wir die Schule zu Ende machen müssen. Zwischenzeitlich gab es Phasen, wo ich am verzweifeln war. Ich bin zu meiner Mama gerannt und hab sie gebeten: Bitte, bitte lass mich mit der Schule aufhören, ich schaff das alles nicht mehr. Sie sagte dann nur: Das war die Bedingung. Im Nachhinein bin ich froh und dankbar, dass ich es durchgezogen habe.

 

Welche Tipps habt ihr für junge Newcomer-Bands, um voranzukommen?

 

Jo: Bei uns war das Geheimnis das viele Live-Spielen. Wir haben wahnsinnig viele Konzerte gespielt und hatten das Glück, dass irgendwann mal einer vor der Bühne stand, der auch was mit Musik zu tun hatte und für uns eine weitere Tür aufgestoßen hat. Natürlich gehört auch Glück dazu. Wir wissen, dass wir sehr großes Glück hatten, dafür sind wir auch sehr dankbar. Und man braucht Leute, gerade wenn man so jung ist wie wir, die einen unterstützen. Eltern, die einen zu Auftritten fahren, Gönner, die sagen: Bei mir könnt ihr die CD für 1.000 statt für 7.000 Euro produzieren oder jemanden, der sich um Auftritte kümmert. Wichtig ist auch, dass man durch das Internet die Fans sehr an sich binden und aktiv teilhaben lassen kann. Das sollte man auf jeden Fall so gut wie möglich nutzen. Die Fans sind eh das Wichtigste. Bei unserer ersten CD, die gar nicht offiziell erschienen ist, sondern nur im kleinen Kreis, haben wir unsere Fans gebeten, dass sie die Platte mit zehn Euro vorfinanzieren, damit wir die CD produzieren können. Dafür bekommen sie die Scheibe unterschrieben und als allererste. Dieses Konzept ist damals schon aufgegangen. Die Fan-Bindung ist das A und O. 

 

KillerpilzeWas habt ihr noch gemacht, um voranzukommen?

 

Jo: Ich muss gestehen, ich habe damals einen Artikel verfasst und drunter geschrieben: Süddeutsche Zeitung. Den habe ich an alle Veranstalter verschickt, um Aufmerksamkeit zu bekommen für die Band.

 

Ganz schön dreist ...

 

Jo: Wir waren damals 13, und ich hab mir gedacht: Selbst wenn mich jemand erwischt, kann mir keiner was tun.

 

Was stand in dem gefälschten Artikel denn drin?

 

Jo: Killerpilze, die neuen Sportfreunde Stiller: jung, spritzig und gut. Zitat Süddeutsche Zeitung (lacht). Das kam im lokalen Bereich ziemlich gut an, und so haben wir uns die ersten Auftritte ergaunert und uns ziemlich schnell einen Namen erspielt.


Im ersten Teil des Interviews erzählen die Killerpilze von ihrer neuen Selbstständigkeit und den Doppelbelastungen, die damit einhergehen.

Kurzinfo: Killerpilze

  • Killerpilze sind: Johannes "Jo" Halbig (Gesang, Gitarre), Fabian "Fabi" Halbig (Schlagzeug), Maximilian "Mäx" Schlichter (Gitarre, Gesang und Bass)
  • gegründet 2002 als Schülerband in Dillingen an der Donau; ursprünglich zu viert
  • 2003-2005: erste Songs, erste Nachwuchspreise, viele Live-Konzerte
  • 2005: Major-Deal mit Universal
  • 2006: erstes Album "Invasion der Killerpilze" mit der Single "Richtig scheiße"
  • 2007: zweites Album "Mit Pauken und Raketen" mit der Single "Lieb mich hass mich"
  • 2009: Trennung von Universal und Gründung von Killerpilze Records/Südpol Records
  • 2010: drittes Album "Lautonom" mit der Single "Drei"