Seine tägliche Motivation sei es, etwas zu bewegen und Ziele zu erreichen. Seine Devise: "Schauen, dass man immer mit im Spiel ist." In der Tätigkeit als selbstständiger Musik-Tausendsassa müsse man alle Facetten kennen: Im Studio dabei sein, auf Promotion-Tour, auf Tournee sowieso. "Das A und O ist das Rundum-Paket", sagt der Vertriebsexperte, der sich im Laufe der Jahre auch zum Marketing-, Management- und Label-Profi entwickelt und dabei viele Leute kennengelernt hat. "Mein Netzwerk ist mein Kapital." Kontakte müsse man nimmermüde pflegen, rät er.
In der Zusammenarbeit mit jungen Musikern folgt er dem Prinzip: "Alles, was im kreativen Bereich liegt, sollte der Künstler übernehmen. Um den Rest kümmere ich mich." Also die richtigen Leute zusammenbringen, Kontakte herstellen, Rechtliches beachten, Geld verdienen. Oft gehe er in Vorleistung, wenn ihn ein Newcomer begeistert. "Ich sage dann zu ihm: ,Mir gefällt, was du machst, lass uns eine Zeit lang zusammen arbeiten.' Ohne Vertrag, nur Handshake", erklärt Tarara. Gelinge es beispielsweise, die Aufnahmen eines Musikers an ein Label zu verkaufen, erst dann werde abgerechnet und auf Wunsch ein Management- oder Beratungsvertrag abgeschlossen.
"Vieles in meinem Beruf kannst du nicht lernen"
Aus Rainer Tarara ist ein gefragter Musikmanager geworden, dabei sei eben das nie sein Ziel gewesen. Es habe sich ergeben, sagt er und erklärt: "Im Management verdienst du eigentlich kein Geld. Das klappt erst, wenn du jemanden hast, der schon etwas ist." Musiker wie die Toten Hosen zum Beispiel. Mit der Düsseldorfer Rockband hat der Nordrheinwestfale in den neunziger Jahren höchst erfolgreich zusammengearbeitet. In Hollow Skais Biografie "Die Toten Hosen" bedanken sich Campino & Co. wortwörtlich "für zehn Jahre Nervenstärke" bei Tarara. "Vieles in meinem Beruf kannst du nicht lernen", sagt der 59-Jährige, der im Gespräch stets neugierig nachfragt und alles ganz genau wissen möchte. Wichtig seien Offenheit, Respekt und Leidenschaft für Musik jeder Art - ob Punk oder Schlager. Ein Instrument beherrsche er selbst nicht, räumt er ein. "Ich bin ein guter Fußballer, aber kein Musiker."
In der Musikbranche kennt er sich trotzdem bestens aus. Seine Kontakte zu den Major-Labels können buchstäblich Gold wert sein. Auf die Frage, wie sich seiner Meinung nach die Chancen für Newcomer verändert hätten, an einen Plattenvertrag zu kommen, überlegt Tarara keine Sekunde und antwortet: "Es ist so schwer wie immer." Die "goldenen Achtziger und Neunziger" seien zwar vorbei, "da wurde wahnsinnig viel Geld verdient und nicht so auf die Mark geschaut wie heute auf den Euro." Aber wer Talent, Hartnäckigkeit und Glück habe, könne auch heute noch Großes erreichen, wenngleich es kein Patentrezept gebe. "Das A und O ist Präsenz auf der Bühne und Authentizität", sagt er. "Jeder muss sich zu 150 Prozent mit dem identifizieren, was er tut, und sein Ding durchziehen. Ob Indie- oder Major-Label, man muss Türen eintreten."
An der Tür neben Rainer Tararas Büro hängt ein Schild. Es erinnert daran, was außerdem noch wichtig ist: Selbstbewusstsein. Wenn schon die Rezepte für eine Karriere als Musiker oder Musikmanager nicht feststehen, so doch wenigstens eine essentielle Zutat, nämlich Optimismus. Auf dem Schild steht: "Jeder ist ein Künstler."
Rainer wird gewinnen: Tararas Karriere
Rainer Tarara wird in Gütersloh geboren, wo er nach Volks- und Handelsschule bei Ariola eine Ausbildung zum Industrie-Kaufmann absolviert. Danach studiert er BWL in Dortmund. Mehr als 20 Jahre lang ist er als Vertriebsexperte bei den großen Labels tätig, schraubt die Verkaufszahlen bei Ariola, BMG, Virgin und Emi nach oben. Tarara kümmert sich zunächst um Schlagerinterpreten wie Peter Alexander, Nicki und Rex Gildo, später legt er sich für Popstars wie U2 und Billy Idol ins Zeug. 1999 macht sich der Kaufmann erstmals selbstständig und trägt im Management-Team der Toten Hosen zum zunehmenden Erfolg der Punkrocker bei. 2000 ist er einer der Gründer des Dienstleistungsunternehmens Alive. Ein Jahr später bringt er sein Know-how als Vertriebschef bei Universal ein, wo er unter anderen den No Angels zum Senkrechtstart verhilft. 2003 macht er sich erneut selbstständig, arbeitet zunächst in Berlin, später in München. In der Münchner Szene hat er sich den Ruf erarbeitet, als "Music Angel" den Nachwuchs zu fördern. Seine Kontakte zur Musikindustrie sind ihm dabei hilfreich. Rainer Tarara ist Manager, Unternehmensberater, Verleger und Produzent, unter anderen arbeitet er mit Interpreten und Partnern wie Betty Blitzkrieg und Rough Trade zusammen. 2008 gründet er sein eigenes Label "3010 Records", auf dem zum Beispiel das virtuose Klassik-Hip-Hop-Kollektiv Eins hoch 6 seine Werke veröffentlicht (aktuelles Album "Rettet Deutschland").


