Schlüpfst du beim Moderieren in eine Rolle?
Joko: Nein. Wenn du als Moderator in eine Rolle fällst, bekommst du das Problem, dass du nicht spontan auf etwas reagieren kannst. Wenn man schon so einen Job ausübt, sollte man auch etwas von sich selber reinstecken. Es ist nicht schlimm, wenn man auch mal ehrlich emotional wird. Es geht beim Moderieren generell darum, du selber zu sein und nicht darum, etwas zu versuchen, wovon du eigentlich gar keinen Plan hast. Man sollte sich nicht zu schnell zu viel zumuten und vergessen, an welchem Punkt man Karriere-technisch steht. Oliver Pocher könnte dir darüber sicherlich eine Menge erzählen. Das Problem an dem Job ist im Vergleich zu anderen Jobs: Wenn es schlecht läuft, bekommt es jeder mit, und nicht nur die Kollegen.
Welche Moderationsfehler lassen sich durch gute Vorbereitung vermeiden?
Joko: Es gibt Typen in der Schule, die lernen für nichts - und schreiben nur Einsen. Und es gibt Typen, die hängen sich voll rein - und schreiben nur Fünfen. Ich bin besser vorbereitet, wenn ich nicht vorbereitet bin, wenngleich ich dann schwimme. Wenn ich total vorbereitet bin, bin ich so sicher in der Sendung, dass ich gar nicht mehr ich selber sein kann. Es gibt in einer Sendung zehn Punkte, die du abarbeiten musst. Du kannst dir entweder nur diese zehn Punkte merken, oder du bereitest zu allen Punkten passende Texte vor. Klaas (Klaas Heufer-Umlauf, Kollege bei MTV, Anm. d. Red.) und ich sind da auch sehr verschieden. Er hat mal gesagt, er sei jemand, der den eckigen Würfel durch das eckige Loch schiebt - und ich dagegen würde den kreisförmigen Würfel durch ein dreieckiges Loch prügeln. Wir gehen sehr unterschiedlich an die Sendungen heran, was auch zeigt, dass es kein klassisches Bild von einem Moderator gibt, weil jeder seine eigene Arbeitsweise hat. Jeder versucht aus dem, was er kann, das Beste zu machen.
Neben "MTV Home" sieht man dich auch als Moderator von "The Dome" oder als Jury-Mitglied in anderen TV-Formaten. Versuchst du gezielt, in verschiedenen Moderationsbereichen stattzufinden?
Joko: Ich bin jetzt 31 Jahr alt, mit Markus Kavka zusammen der Dienstälteste bei MTV. Man muss sich, so schwer es einem auch fällt, mit dem Gedanken anfreunden, dass man nicht ein Leben lang als Moderator bei MTV arbeiten kann. Ab einem gewissen Punkt muss man die Entscheidung fällen, auch mal andere Sachen auszuprobieren. Und auch da gilt, dass man bei seinen Leisten bleiben und nicht aus Torschlusspanik irgendeinen schlechten Job annehmen sollte. Ich gucke, dass ich auch neben MTV meinem Alter entsprechend arbeite. Was "The Dome" betrifft: Ich finde es einfach geil, vor zehntausend Lauten zu stehen. Da kommt dann die Rampensau in mir durch. Mirjam Weichselbraun, mit der ich "The Dome" moderiere, sagt mir vorher immer: Tu mir bitte den Gefallen und fang nicht gleich wieder an, rumzubrüllen! Ich verspreche es ihr jedes Mal, kann es aber nicht kontrollieren.
Würdest du jemandem, der Moderator werden möchte, zu einem Casting als Einstieg raten? Und welche Fähigkeiten muss man für diesen Job grundsätzlich mitbringen?
Joko: Castings sind der klassische Weg, die müssen auch nicht schlimm sein. Selbst große Schauspieler rennen zu Castings, um bei einem Film landen zu können. Es gibt seriöse Castings außerhalb irgendwelcher TV-Shows, und es ist garantiert nicht falsch, da mitzumachen, wenn man einen Traum verwirklichen will. Man darf sich bei den ganzen Castings allerdings nicht selbst überschätzen. Nur weil Freunde einem sagen, dass man etwas super kann, muss es nicht so sein. Man sollte wirklich wissen, worin die eigenen Qualitäten liegen. Ich würde jedem, der Bock darauf hat, ernsthaft raten: Denk darüber nach, ob du das wirklich willst - und ob du das auch wirklich kannst! Schätze deine Qualitäten realistisch ein und denke nicht, dass du dir schon noch die nötigen Fähigkeiten aneignen kannst, wenn es soweit ist.
Man braucht zum Moderieren eine gesunde Portion Exhibitionismus, eine gute Selbsteinschätzung und natürlich Wissen. Letzteres ist das, was viele nicht mit einberechnen: Du bist in einem offenen Medium und kannst ganz schnell der Blöde sein, wenn du komplett bräsig im Kopf bist. Außerdem muss man verstehen, dass dieser Job knochenharte Arbeit bedeuten kann. Es gibt Projekte, da pennst du nach einem 18-stündigen Drehtag drei Stunden lang und hast den nächsten 18-stündigen Drehtag. Dann kannst du nicht jammern und sagen: Ich bin aber so müde! Du musst dann funktionieren, und im Zweifel interessiert sich keiner dafür, wie du dich fühlst.
Im ersten Teil des Interviews spricht Joko über seine Karriere im Fernsehen und erklärt, was seine Arbeit vor und hinter der Kamera ausmacht (siehe weitere Artikel).


