Deutsche POP - Ausbildung in Musik und Medien
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Jobcheck (12): Musikmanager

23. August 2011, von  musicsupporter
Im zwölften Teil unserer Serie über spannende Kreativberufe gibt Oliver Alexander Einblicke in den Alltag als selbstständiger Musikmanager und -verleger. Er freut sich über die vielen eigenen Gestaltungsmöglichkeiten und sagt: "In der Medienbranche benötigt man Begeisterungsfähigkeit."
Alles selbst und das ständig: Oliver Alexander.

Wie sieht dein Berufsalltag aus? Seit 2004 bin ich selbstständig und gehe mehreren Tätigkeiten nach. Ich betreibe zwei Musikverlagseditionen, One Louder und Two Louder, und ich bin Gesellschafter der Donnerwetter Musik GmbH. Außerdem berate ich eine Firma, die eine 3D-animierte Fernsehserie ("VIPO") für Kinder produziert. Hier vermarkte ich weltweit TV-, DVD- und Merchandising-Lizenzen und bin zudem der Supervisor für das israelische Animationsstudio. Last not least unterrichte ich einmal pro Woche an der Deutschen POP. Langweilig wird es also nicht, und trotz gelegentlicher Routine gibt es jeden Tag eine neue unbekannte Variante, die gelöst werden muss. Korrespondenz erfolgt per E-Mail, Telefon, verstärkt über Skype und natürlich auch im persönlichen Kontakt. Der Alltag ist von einem gewissen Allround-Aspekt geprägt: Neben den kreativen Tätigkeit muss ich mich oft auch um Verträge und Lizenzabrechnungen kümmern - auch das kann Spaß machen. Selten endet der Tag um 18 Uhr, öfter durchaus erst gegen 23 Uhr. 

 

Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Kommunikationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, Erfahrung, Loyalität, Engagement, Beharrlichkeit, Flexibilität und vieles mehr. In der Medienbranche benötigt man Begeisterungsfähigkeit, da mit Musik und Film Emotionen transportiert werden. Künstler sind meist recht empfindsam, somit muss man Einfühlungsvermögen mitbringen. Auch die Fähigkeit, sich in den Standpunkt anderer zu versetzen, halte ich für sehr wichtig - das gilt sowohl für Vertragsverhandlungen als auch für kreative Diskussionen.

 

Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Als Festangestellter in den Neunzigern hatte ich 30 Tage Urlaub, mitsamt Urlaubsvertretung, und das Gehalt wurde am Monatsende automatisch überwiesen. Aktuell leiste ich mir zehn Tage Urlaub, in der Zeit bleibt die meiste Arbeit liegen, und am Monatsende kommt nicht automatisch das Gehalt auf das Konto. Grundsätzlich jammern wir in Deutschland aber auf sehr hohem Niveau, und hierbei will ich mich nicht anschließen. Ich habe beruflich viele eigene Gestaltungsmöglichkeiten, bin mein eigener Chef und muss mir fast nichts vorschreiben lassen. Als Beispiel im Musikverlag: Ich alleine kann entscheiden, mit welchen Bands ich zusammenarbeiten will. Eine Sonnenseite ist dann, wenn die Acts, für die ich anfangs zum Teil ausgelacht wurde, auch noch Erfolg haben! Eine Schattenseite wäre, wenn Bands, auf die ich selber total stehe und viel Herzblut daran hängt, entweder keine größere Akzeptanz beim Publikum finden oder sich sogar auflösen.

 

Wie bist du geworden, was du bist? Als 13-Jähriger bekam ich eine grüne BASF-Kassette geschenkt mit "Let there be rock" von AC/DC und "Highway Star" von Deep Purple. Das war der Auslöser. Ich sammelte dann Schallplatten, jobbte als DJ und in Plattenläden. Ganz regulär studierte ich BWL und war dann anfangs in den Neunzigern Produktmanager bei BMG - das war ein toller Einstieg. Es folgten mehrere Jobwechsel mit zwei oder drei eher schwierigen Jahren und schließlich die Erkenntnis, mich auf eigene Füße stellen zu wollen. Dies habe ich bisher nicht bereut.

 

Welche Tipps hast du für Einsteiger? Seine Partner immer fair behandeln - die Branche ist sehr klein. Sich nicht zu schade sein, Dinge von der Pieke auf zu machen - nur so lernt man richtig und kann Details besser beurteilen oder delegieren. Mut haben, auch ungewöhnliche Dinge zu tun - und dann mit einer gewissen Konsequenz dranbleiben. Trotz hohem Engagement Misserfolge nicht immer persönlich nehmen. Sich nicht vor administrativen Tätigkeiten scheuen: Abrechnungen, Verträge und selbst Steuererklärungen gehören einfach dazu, und man muss sich einarbeiten, um seinen eigenen Job vollumfänglich ausüben zu können und zu verstehen.


Oliver Alexander, Jahrgang 1965, ist selbstständiger Musikmanager und -verleger. Er arbeitet in Unterföhring, Kelheim und München. An der Akademie Deutsche POP unterrichtet er den Kurs Exekutiver Produzent im Bereich Management am Standort München.