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Jobcheck (10): Label-Inhaber

08. Juni 2011, von  musicsupporter
Im zehnten Teil unserer Serie über spannende Kreativberufe gibt Jörg Tresp Einblicke in den Alltag als Label-Betreiber und Musik-Manager. Neben dem Gespür für neue Künstler komme es bei ihm auf Flexibilität, Timing, Selbst- und Zeitmanagement sowie Leidenschaft für das an, was man tut.
Folgt seiner Leidenschaft für Musik: der Label-Betreiber Jörg Tresp.

Wie sieht dein Berufsalltag aus? Natürlich ist jeder Tag unterschiedlich und dennoch von einer Sache geprägt: Musik. Der Hauptteil meiner Arbeit findet am Computer und am Schreibtisch statt. Ich höre tagein, tagaus Musik, weil es zu meiner Arbeit gehört und Spaß macht. Daneben unterrichte ich bei der Deutschen POP in Hamburg die Kurse "Projektmanager" und "Exekutiver Produzent". Jeder Tag besteht aber auch aus strategischen Überlegungen zu meinen Künstlern, Timings, Meetings mit Promotern und Künstlern sowie meiner Promotion- und Marketingarbeit für Sony, wo ich als freier Projekt-/Produktmanager verschiedene internationale Künstler aufbaue. Gerne gestalte ich meinen Arbeitstag flexibel. Ich liebe es, am Schreibtisch zu arbeiten - verrückt, oder? Freitag ist mein "visionärer Tag", an dem ich mir Zeit für Ideen und Visionen nehme.

 

Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Tatsächlich kommt es neben dem Gespür für neue Künstler vor allem auf Eigenschaften an, die ich versuche, im Projektmanagement zu vermitteln, also Kreativität, Selbst- und Zeitmanagement, Flexibilität und vor allem Leidenschaft für das, was man tut. Natürlich entwickelt sich Kreativität auch aus einer gewissen Erfahrung heraus. Dabei spielt auch Timing eine große Rolle. Auch muss man genau wissen, wo man mit einem Künstler hinmöchte, ob das realistisch ist und was dafür eventuell noch fehlt. Das alles ist unerlässlich für den Job, wenngleich man in der Musikbranche immer wieder überrascht wird. Die Planbarkeit ist hier nicht so ausgeprägt wie in anderen Branchen.

 

Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Eine Sonnenseite ist für mich die schwierige Planbarkeit, aber besonders natürlich die Emotionalisierung, mit der man es zu tun hat, weil man eben nicht Lebensmittel oder andere Produkte betreut und vermarktet, sondern Künstler und Bands. Diese haben meist andere Ansprüche, Stärken und Schwächen, Charaktere und Meinungen. Spaß ist dabei ein wichtiger Faktor, der die Schattenseiten zum Teil wieder aufwiegen kann. Zu den Schattenseiten gehören die meist geringen Verdienstmöglichkeiten und die Tatsache, dass die Künstler, die man selbst am liebsten mag, selten über ein Nischendasein hinauskommen. Gerade bei uns ist es recht illusorisch, qualitativ hochwertige Künstler aufzubauen, so dass sie davon leben können. Meine liebsten Bands wie The Shins, Death Cab For Cutie, Modest Mouse, Band Of Horses etc. fristen hier aber nun mal höchstens ein besseres Nischendasein, wohingegen sie in den USA von ihrer Kunst sehr gut leben können.

 

Wie bist du geworden was du bist? Meine Leidenschaft für Musik war schon immer sehr groß. Ich neigte zu einer gewissen "Nerdigkeit" und gab einen Großteil meines Geldes dafür ausgab. Während des Studiums fuhr ich mit einem Kumpel im Bus zur Uni und wir sprachen darüber, was wir denn so machen wollten. Er fragte mich, warum ich nicht meiner Leidenschaft nachgehe und es mal mit der Musikbranche versuche. Ehrlich gesagt, war ich bisher noch nie auf die Idee gekommen, und so war dieser Anstoß ein sehr wichtiger für mich, dem dann mit einem Praktikum der erste Schritt folgte. Mein Studium habe ich trotzdem beendet, was für meine Musikbusiness-Karriere auch nicht hinderlich war.

 

Welche Tipps hast du für Einsteiger? Erst einmal sollte man genau in sich hineinhören, was man wirklich möchte, wo die Interessen und Leidenschaften liegen und welche Einschränkungen und Entbehrungen dieser Weg vielleicht bedeuten könnte. Es schadet nicht, ein paar Leute zu kontaktieren, die in der Branche tätig sind, um herauszufinden, welche Fähigkeiten wirklich verlangt werden und ob einem so etwas liegen könnte. Viele folgen zu wenig ihren Leidenschaften. Häufig wird zu sehr in die Breite gedacht, finde ich. Statt sich auf eine Branche zu konzentrieren und diesen Weg mit aller Intensität zu verfolgen, hält man sich alle Wege offen.


Jörg Tresp, Jahrgang 1970, ist Betreiber des Labels DevilDuck Records und Betreiber von DevilDuck Management. Daneben ist er freier Produktmanager für Sony Music. An der Akademie Deutsche POP unterrichtet Jörg im Fachbereich Management die Kurse "Projektmanager" und "Exekutiver Produzent" am Standort Hamburg.