Den Anekdoten von Karsten Jahnke könnte man ewig lauschen. "Ein Konzert, das ich nie vergessen werde, war das Esbjörn Svensson Trio an meinem Geburtstag in der Musikhalle", erinnert er sich. "Da ist die Band im Stau steckengeblieben, konnte kaum Soundcheck machen, und trotzdem war es ein außergewöhnliches Konzert. Oder The Cure im Stadtpark. Da kam ein Regenguss runter, das war wie ein Weltuntergang. Die hoch toupierten Haare und die schwarze Schminke der Besucher saßen danach nicht mehr so gut."
Mit elf Mark Gewinn fing alles an
Von solchen Geschichten hat der 73-jährige Hamburger viele auf Lager. Schließlich veranstaltet er seit mehr als 50 Jahren Konzerte. "Karsten Jahnke Konzertdirektion" heißt seine Firma, die sowohl als Tournee-Veranstalter als auch als örtlicher Veranstalter agiert und mittlerweile auf 600 bis 1000 Konzerte pro Jahr kommt.
Dabei fing bei Jahnke alles als Hobby an. Sein erstes Konzert veranstaltete der gelernte Im- und Export-Kaufmann 1959, als er noch Lehrling war. Ein Jazz-Band-Ball in einer Gaststätte in Sasel. Gewinn: elf Mark. "Elf Mark waren damals viel Geld, mein letztes Lehrlings-Gehalt war 45 Mark", erinnert er sich. Allerdings lief es nicht immer so gut. "Bei meinem ersten richtigen Konzert mit Franz Josef Degenhardt habe ich 800 Mark verloren", so Jahnke. "Das war aber auch eine gute Schule, denn damals habe ich als Angestellter 400 Mark verdient. Also habe ich mit einem Konzert zwei Monatsgehälter verloren."
Deals per Handschlag
Trotzdem machte Jahnke unermüdlich weiter. Zehn Jahre lang organisierte er in seiner Freizeit nebenberuflich Konzerte. "Mein großes Glück war, dass ich damals die Gruppe Insterburg & Co entdeckt habe. Das ist heutzutage kaum noch vorstellbar. Wir haben zehn Jahre lang mindestens 100 Konzerte pro Jahr gemacht, alle immer ausverkauft." 1972 entschied er sich schließlich, sein Hobby allen Sicherheitsbedürfnissen zum Trotz zu seinem Beruf zu machen und gründete die "Karsten Jahnke Konzertdirektion". Mittlerweile beschäftigt er 25 Angestellte, die ihm dabei helfen, immer wieder neue Trends und Bands aufzuspüren. Sich auf seinen Erfolgen auszuruhen, kommt für Jahnke nicht in Frage. "Das wäre mir zu langweilig", sagt er. Mit Festivals wie dem Newcomer-Festival "Reeperbahn Festival" oder dem Jazz-Event "Überjazz Festival" geht er deswegen noch heute neue Wege und gleichzeitig neue Wagnisse ein.
Seinen alten Werten allerdings ist Karsten Jahnke bis heute treu geblieben. Jahnke steht zu seinen Künstlern. Mit Heinz Rudolf Kunze zum Beispiel machte er fünf Tourneen in Folge Verlust - doch dann veröffentlichte Kunze "Dein ist mein ganzes Herz", und Jahnke holte all das verlorene Geld mit einer Tour wieder rein. Seine Deals derweil macht der Hanseat, wenn möglich, nach wie vor am liebsten per Handschlag statt per Vertrag. Ob er einen Künstler unter Vertrag nimmt oder nicht, darüber lässt er häufig seinen Bauch entscheiden. "Mein Bauchgefühl trügt mich eigentlich nicht", sagt er. "Das ist schon wichtig. Ohne Bauchgefühl geht es glaube ich schief."
Ohne kaufmännische Qualitäten aber auch. Ein guter Musikgeschmack alleine reicht nicht, wenn man Veranstalter werden will. "Man muss auch ein absolut exzellenter Kaufmann sein", so Jahnke. "Denn woran viele Leute scheitern, ist, dass sie nicht kalkulieren können. Das ist gefährlich. Denn heutzutage braucht man rund fünf Gewinn-Touren um einen Flop egalisieren zu können." Eine fundierte Ausbildung ist also wichtig. "Man kann heute ja Kulturmanagement studieren, dass ist schon eine gute Ausbildung", so Jahnke. "Wenn man dann noch ein Praktikum bei einem Veranstalter oder in einer Kulturinstitution macht, dürfte man das Rüstzeug haben, um sich selbstständig zu machen." Allerdings ist das in Jahnkes Augen heute schwerer als zu seiner Zeit. "Als ich angefangen habe, gab es längst nicht so viele Veranstalter wie heute", sagt er. "Aber es gibt genügend Nischen. Einige Gruppen kennen selbst erfahrene Veranstalter nicht, und wenn ein Neuling so eine Band entdeckt, die viele Leute zieht, dann hat er Chancen. Wenn man eine Idee hat, dann kann man sich durchaus selbstständig machen. Aber man braucht einen langen Atem."
Kurzinfo: Karten Jahnke Konzertdirektion
- Die Liste der von der Karsten Jahnke Konzertdirektion organisierten Konzerte ist lang: Superstars wie Peter Gabriel, Elton John, Pink Floyd, Neil Young, Bruce Springsteen, Bob Dylan, Supertramp, U2, James Brown, Sting, Tina Turner, Joe Cocker, Barry White aber auch neue Bands wie The Strokes, The White Stripes, The Hives, The Libertines oder Foo Fighters gehören im Bereich Rock/Pop dazu
- Außerdem veranstaltet er zahlreiche Jazz-Konzerte sowie Projekte wie die JAZZ-Nights, bei denen er die besten zeitgenössischen Jazzmusiker in die attraktivsten Hallen des Landes bringt
- Das "Stadtpark Open R", die Open-Air-Saison im Hamburger Stadtpark, wird ebenfalls im Hause Jahnke betreut
- Und auch Festivals veranstaltet Jahnke seit einigen Jahren: Das Überjazz-Festival, das Elbjazz-Festival und das Reeperbahn-Festival bestechen durch innovative Konzepte
- Das Reeperbahn-Festival ist vor allem auf Newcomer ausgelegt. Etwa 180 Bands spielen hier an drei Tagen in verschiedenen Clubs auf der und um die Reeperbahn in Hamburg. Das Konzept ist an das bekannte Showcase-Festival "South By Southwest" in Austin, Texas angelehnt und findet jeweils am letzten September-Wochenende statt.


