Zum Beispiel Muse. Fans der Band aus England waren bestens informiert im Vorfeld der Veröffentlichung ihrer fünften CD, die im vergangenen Herbst erschienen ist. Diejenigen zumindest, die http://www.twitter.com/ nutzen und als Follower von „muse“ die Kurznachrichten ihrer Lieblingsrocker abonniert haben. Die Tweets (to tweet englisch für zwitschern) erscheinen direkt auf der Homepage oder dem Handy der Nutzer, kostenlos versteht sich. Vor allen anderen Medien war hier etwa zu lesen, dass das Album „The Resistance“ heißen werde, wie die Songtitel lauten, und auf hochgeladenen Bildchen waren die Musiker zu sehen, wie sie Interviews gaben oder im Studio probten. Eine Fest für Fans! Näher waren sie selten dran an ihren Stars, die quasi live aus ihrem Leben berichten.
Wie funktioniert Twitter?
Auf den ersten Blick ist Twitter ein soziales Netzwerk, wie es viele gibt im Internet. Genauer gesagt handelt es sich um eine Plattform für Mikroblogger, Tagebuchschreiber im XXS-Format also. Die besondere Idee besteht nun darin, dass die Mitglieder SMS-ähnliche Kurzmitteilungen veröffentlichen können, die maximal 140 Zeichen lang sind. Im Unterschied zur SMS ist das Textchen nicht nur für einen oder wenige Empfänger bestimmt, deren Mobilnummern man kennt, sondern lesbar für alle, die dem Absender folgen (außer man schickt eine Direct Message an einen ausgewählten User). Ein Follower wird man schnell per Mausklick. Hat man auf diese Weise ein paar Bands, Promis oder schreibfreudige Freunde abonniert, wird man automatisch auf dem Laufenden gehalten, was es Neues bei ihnen gibt. Die persönliche News-Übersicht kann man sich jederzeit auf den Schirm holen, indem man sich am Rechner bei http://www.twitter.com/ einloggt oder auf seinem online-fähigen Handy ein Twitter-Tool installiert hat.
Twittern und twittern lassen
1,8 Millionen User wurden im Juni 2009 in Deutschland registriert, und es werden täglich mehr. Die muntere Zwitscher-Schar lässt sich in aktive und passive Twitter-Nutzer einteilen. Die einen tippen selbst und verwöhnen oder strapazieren ihre Follower mit Wort- und Gedankenfetzen, die man, zum Beispiel vom Handy aus, mit kleinen Schnappschüssen zusätzlich anreichern kann. Diese Web-Reporter der privaten Art berichten live aus dem Urlaub, von Konzerten oder aus dem Alltag. Die Mehrheit aber nutzt den Dienst als News-Quelle und konsumiert statt zu formulieren.
Sinn und Unsinn
Berühmt geworden ist Twitter, das im März 2006 erstmals öffentlich vorgestellt wurde und von einem US-Unternehmen betrieben wird, durch das Gezwitscher von Demi Moore, Lance Armstrong und Barack Obama. In jüngster Zeit wurde der Smalltalk-Dienst verstärkt politisch instrumentalisiert, Mandatsträger plaudern im 140-Zeichen-Rhythmus Interna aus oder betreiben Wahlkampf – angeblich twittert bereits jeder zehnte Bundestagsabgeordnete (oder lässt twittern). Und in Iran nutzen Oppositionelle das Online-Medium, um sich zensurfrei auszutauschen. Und so gilt für Twitter, was im Prinzip für alle Social-Network-Ideen der Marke 2.0 gilt: Wer den Dienst sinnvoll und kreativ nutzt und nicht im Strudel der Banalitäten untergeht, der kann dem Ganzen durchaus einen Mehrwert abgewinnen – und etwaige Zweifel am Zwitschern getrost vergessen.
Twittern leicht gemacht – erste Schritte
- Auf http://www.twitter.com/ unter „Sign Up Now“ kostenlos anmelden
- Unter „Settings“ das eigene Kurzprofil aufpolieren, auf Wunsch mit Bild
- Unter „Find People“ nach Freunden, Schauspielern, Politikern oder Bands suchen (zum Beispiel Barack Obama, Muse etc.). Hinweis: Manchmal muss man sich erst durch eine Reihe von Nachahmern oder Namensvettern durchklicken, bevor man den gewünschten Sender findet.
- Unter „What Are You Doing?“ den eigenen Gedanken freien Lauf lassen und drauflos zwitschern. Dabei stellt man fest: Die 140 Zeichen eines Tweeds sind schnell gefüllt. Hinweis: Ein „#“ vor einem Begriff markiert ein Stichwort (Hashtag), das Themen markiert, die Suche erleichtert und Diskussionen ermöglicht.
- Regelmäßig die eigenen Follower checken und gegebenenfalls unerwünschte Empfänger aussortieren. Es schleichen sich immer wieder Spam-Kandidaten ein.
Literaturtipp:
- „Twitter. Mit 140 Zeichen zum Web 2.0“ von Nicole Simon und Nikolaus Bernhardt, Open Source Press, 2008, 19,90 Euro, www.opensourcepress.de

