Toby, als guter Mainzer hast du deine erste Bühnenerfahrung bei der Fastnacht gemacht. Wie kam es dazu?
Toby: Ich muss so elf oder zwölf Jahre alt gewesen sein, als meine Eltern mich auf eine Sitzung mitgenommen haben. Ich war sofort fasziniert von dem Konzept – einer spricht, alle hören zu und lachen – und wollte nichts sehnlicher als dort mitmachen. Ein Jahr später war ich schon dabei.
Und wie wird aus einem Karnevalisten ein Comedian?
Toby: Geholfen hat sicher meine Liebe zur Sprache. Ich war schon als Kind wild auf Geschichten und über Gebühr kommunikativ. Ich habe wohl genervt wie Sau (lacht). Dazu kamen Einflüsse wie Heinz Erhardt auf Kassette, natürlich auch Otto Waalkes und später Badesalz. Außerdem habe ich Klarinette, Saxofon und Klavier gelernt und mir selbst noch Gitarre beigebracht, um Mädchen zu beeindrucken. Ein Klavier lässt sich halt schlecht in eine romantische Umgebung transportieren (lacht). Später musste ich als Leadsänger meiner Band Aca & Pella Songs ansagen und Pausen überbrücken, und das möglichst lustig. So bin ich nach und nach zum Stand-Upper geworden, ohne es richtig zu merken. Nach dem Studium stand dann für mich fest, dass ich zumindest probieren wollte, mein Gebabbel zum Beruf zu machen. Ein Jahr hatte ich mir als Testphase gesetzt – ich mache es heute noch.
Was hat dir in dieser Testphase geholfen, den Traum zu verwirklichen?
Toby: Ganz wichtig war meine jahrelange Verbundenheit mit dem Mainzer Unterhaus, dessen Programmchefin Ute Nebel das Risiko eingegangen ist, mich solo zu veranstalten. Das war natürlich ein guter Einstieg ins Kabarettgeschäft. Außerdem hat vor allem "Nightwash" geholfen, das Stand-up-Projekt von Knacki Deuser, das mir professionelle Auftritte und erste TV-Präsenz beschert hat. Im Grunde wächst man bei dieser Kunstform mit seinen Aufgaben – man muss spielen, spielen, spielen.
Wenn du zurückdenkst, welche Tipps kannst du aus dieser Zeit für den Einstieg ins Comedy-Geschäft geben?
Toby: Man sollte es nicht zu sehr forcieren, sondern einfach ein bisschen Fatalismus an den Tag legen. Vor der Arbeit als Vollzeitkomiker liegen oft Jahre der brotlosen Kunst, die einfach so aus Spaß an der Sache entsteht. Wenn dann die Zeichen auf Profistatus stehen, muss man das erkennen und mit Nachdruck und Konsequenz an einem Ruf in der Szene arbeiten.
Und inhaltlich? Wie bringt man Leute zum Lachen, was macht eine gute Pointe aus?
Toby: Gut, mit dem Lustig-sein ist es wie mit Kalbsbries – der eine findet es lecker, der andere zum Kotzen. Ich persönlich mag Pointen, die einem nicht direkt ins Gesicht springen. Wenn ich in zum Beispiel über die philosophische Lehre der Solipsisten rede, ist das erst mal schräg, dafür aber umso ergiebiger. Andererseits, wenn ein Gag auf der Zunge liegt, sollte man ihn auch machen. Nicht nur hochintellektuelle Gedankenspiele, sondern ruhig auch mal deftige Kalauer. Manchmal sind gerade die viel schwerer zu machen als verkopfte Pointen.
Kann man das üben, gibt es so etwas wie das Warm-up für Comedians?
Toby: Es hilft sicher, mit übermäßiger Neugier an die Welt und die Menschen heranzugehen und das, was man da so sieht, immer wieder in Humor zu übersetzen. Ich beobachte bei mir oft auch Wut auf bestimmte Zustände, die dann in komische Kreativität ausartet. Gerade Rückschläge und Traumata sind ein wunderbarer Nährboden. Das, was einem selbst am Peinlichsten ist, kann pointiert erzählt ein echter Knüller werden.
Wie bringst du ein Publikum auf deine Seite? Macht es für dich einen Unterschied, ob du in einer TV-Sendung oder auf der Bühne spielst?
Toby: Fernsehen ist für einen weitgehend unbekannten Künstler sauhart! Man hat drei Minuten, in denen man a) sich selbst vorstellen muss, b) klar machen muss, was man möchte und c) besonders lustig sein muss. Das ist sehr viel Müssen für so wenig Zeit. Hinzu kommt, dass man nie die ganze Bandbreite zeigen kann, sich immer für eine Facette entscheiden muss. TV-Studios haben auch per se eine lachhemmende Wirkung, weil sich die Zuschauer beobachtet fühlen. Das ist Futter für mein eh schon ausgeprägtes Lampenfieber. Im Prinzip mache ich aber im Fernsehen komprimiert das, was ich live auch tue: direkt Vollgas geben und meinem Bock aufs Spielen freien Lauf lassen. Umso toller ist es, wenn der Auftritt funktioniert. Dann interessieren sich plötzlich mehr Menschen für dich, und die Vorstellungen werden voller.
Das mag auch daran liegen, dass du Kabarett und Comedy zusammenbringst. Bereitest du dich auf diese Formate unterschiedlich vor oder lieferst du immer dieselbe Show?
Toby: Mein Programm hat eine große Bandbreite, von Roland Koch bis Goethe. Dadurch kann ich bei den Fernsehhäppchen Material spielen, das am Besten in den Kontext der Sendung passt. In letzter Zeit bin ich aber dazu übergegangen, auch mal gegen den Strom zu spielen, zum Beispiel habe ich bei "TV Total" die Finanzkrise thematisiert, obwohl das eher ein unpolitisches Format ist. Letzten Endes will ich humorvoll unterhalten, hinterfragen, provozieren, nachdenklich machen und manchmal auch ganz bewusst Dinge der verdienten Lächerlichkeit preisgeben – egal auf welcher Bühne.
Zum Abschluss: Wie lauten deine fünf goldenen Regeln für einen gelungenen Auftritt?
Toby: Hosenstall überprüfen. Keine kohlensäure- oder alkoholhaltigen Getränke kurz vor dem Auftritt. Mit Spiel- und Performance-Fehlern offen umgehen. Stichwortliste mit den Programmpunkten in greifbarer Nähe haben. Und: jede Menge Spaß haben!
TV-Tipp: "Mann an Bord", WDR
- die Idee: Tobias Mann empfängt als "Kalauer-Kapitän" auf einem Rheindampfer wechselnde Kabarett- und Comedy-Kollegen.
- die TV-Aufzeichnungen: Karten für das Kabarettschiff unter tickets[at]mannanbord.tv


