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Selten so gedacht – neue Wege der Ideenfindung (Teil 1)

03. März 2010, von  Michael Zirnstein
Jeder findet Ideen auf seine Weise. Dieser dreiteilige Workshop stellt die wichtigsten und einige außergewöhnliche Kreativitätstechniken vor. Dazu gibt es Tipps und Übungen zur Leistungssteigerung der Denkfabrik. Denn von nichts kommt nichts!
Der Inhalt des Workshops als Mindmap.

Der kreative Prozess

 

Gewöhnlich könnte man so einen Kurs beginnen mit einer Definition, wie der von Michael Knieß, der schreibt, der kreative Prozess bestünde aus "Problemformulierung, Informationssammlung, Inkubation, Problemlösungsversuch durch  Informations(um)strukturierung, Frustration, Entspannung, Inspiration, Realisierung, Überprüfung, Auswertung". Dergleichen schenken wir uns. Das Wissenschaftliche kann nachlesen, wer will (Lektürehinweise folgen). Festschreibungen stoppen das Denken! Ebenso absolute Zahlen, die sollte man im kreativen Prozess vermeiden. Es ist ja auch egal, ob es nun je nach Erhebung 80, 100 oder 200 Kreativitätstechniken gibt, deren Ziel es ist, möglichst viele Ideen zu einer Aufgabe zu entwickeln. Viel wichtiger ist es, sie einzusetzen.    

 

Wie fängt man an?

 

"Der Teufel hat weiße, rechteckige Augen." Das schrieb der Münchner Autor Sigi Sommer, dem seine Stadtgeschichten offenbar nicht immer so einfach aus dem Hirnkastl purzelten. Das beste Zaubermittel gegen das einen dämonisch anstarrende weiße Papier ist: Einfach anfangen! Dazu rät Vera F. Birkenbihl: "Schreiben Sie schnell irgendwas hin, es setzt auf jeden Fall etwas in Gang", daran entspinnen sich immer weitere Ideen, sagt die große Lern- und Denk-Trainerin. Und keine Angst vor Blödsinn! Jux und Tollerei sind der Schmierstoff der Denkmaschine. Alles ist erlaubt im Schöpfungsakt! Einerseits.

 

Andererseits ist es oft zu Beginn einfach, eine Grenze zu setzen: Wer zunächst das Ende einer Geschichte hinschreibt, tut sich mit dem Rest leichter, weil das Gehirn automatisch auf dieses Ziel hinarbeitet. Die Methoden des freien Assoziierens werden im zweiten Kursteil behandelt; die Kunst, sich Grenzen zu setzen, um die Kreativität anzukurbeln, im dritten.    

 

Und vorher?

 

Bevor man mit den eigentlichen Kreativitätstechniken beginnt, sollte man den Acker für die Ideen auflockern, düngen und parzellieren. Man kann auch unter Zeitdruck, im Notenstress oder mit einem grollenden Vorgesetzten im Nacken Ideen entwickeln. Hungrig ist man angeblich kreativer als satt (fantastisch, auf was für Ideen der bis zur Halluzination darbende Schriftsteller im Roman "Hunger" von Knut Hamsun kommt!). Manche schlucken bewusstseinserweiternde Drogen. Aber man will ja gesund bleiben und auf lange Sicht Hirnleistung erbringen, deswegen: Es denkt sich am besten, wenn man fit und entspannt ist und sich rundum wohlfühlt – ungestört (Telefon aus!), in einem Raum mit Ausblick, der dem Hirn kurze, inspirierende Erholungspausen bietet. Am besten, das Zimmer ist nur fürs Ideenschmieden da: Im Wohnzimmer lockt der Fernseher, in der Küche bleibt die Ausbeute mager, man selbst wird dick beim Ablenkungs-Naschen. Kreativ-Profis haben sogar zwei Schreibtische: An einem sitzen sie immer, wenn sie fabulieren und Ideen anhäufen, am anderen, wenn sie analysieren, bewerten und ausarbeiten. Und wenn gar nichts geht, wenn der Kopf völlig blockiert oder voll ist, bringt wie bei den Aristoteles und seinen Schülern im antiken Griechenland ein Spaziergang die Gedanken zum Fließen.  

  

Problem erkannt?

 

Zuallererst muss man sich im Klaren darüber sein, was man will. Ein Konditor, dessen Umsatz zurückgeht, könnte sich viele phantasievolle Torten ausdenken – und trotzdem scheitern, weil das Problem ein anderes ist. Er sollte sich immer von einer höheren Warte aus die Grundfrage stellen ("Progressive Abstraktion" nach Geschka): Worum geht es eigentlich? Habe ich alles berücksichtigt? So kommt er darauf, dass die Kunden unzufrieden sind, weil sie unfreundlich bedient werden. Besser also, er überlegt sich mit seinem Theken-Team, wie man den Service verbessert.

 

Mit Mindmaps lassen sich vorab Gedanken-Landkarten von Problemfeldern anlegen. Sie strukturieren – wie die Inhaltsangabe des Workshops (siehe Grafik oben) – das Vorhandene, zeigen Verbindungen auf und erzeugen schon erste Ideen, indem sie durch die grafische Darstellung zusätzliche Hirnabteilungen ins Spiel bringen. So geht man vor: Mitten auf ein Blatt Papier (mindestens Din-A 4) schreibt man das Thema, umkringelt es. Davon gehen, beginnend rechts oben, im Uhrzeigersinn, drei bis sechs Äste mit den einzelnen Unterbereichen ab, die sich zu weiteren Aspekten verzweigen. Nur in Großbuchstaben schreiben. Je mehr Farben und Symbole (Bilder, Pfeile, Fragezeichen) verwendet werden, umso besser. Auch hier ist wichtig: Alles aufschreiben, nichts bewusst weglassen – die Bewertung erfolgt später.

 

Übung: Sie wollen für einen Freund eine Überraschungsparty geben. Wie könnte ein Mindmap aussehen, dass Ihnen bei der Vorbereitung hilft?


Brain-Building

 

Es heißt immer, das Gehirn ist ein Denkmuskel. Trainiere ihn! In jedem Kursteil gibt es einen Work-Out, der das Denken schneller macht, dein Wissensnetz vergrößert oder dein Assoziations- und Kombinationsvermögen steigert. Los geht's.

  1. Zum Aufwärmen: Wie viele Hauptworte, die mit "Schul" beginnen, fallen dir in fünf Minuten ein? Etwa Schulstunde oder Schulung. 30 sind okay, 50 super.
  2. Finden Sie 20 Dinge, die rot und essbar sind.
  3. Ein Kreativitäts-Klassiker: Wofür, außer zum Papierheften, könnte eine Büroklammer noch nützlich sein? Du hast 20 Minuten, bitte nutze sie voll aus.


Der Autor

Michael Zirnstein, Jahrgang 1973, ist Kultur- und Reisereporter bei der Süddeutschen Zeitung. Er gibt Kurse für kreatives und journalistisches Schreiben. Geistig und körperlich fit hält er sich beim Swing-Tanzen, Lesen, Yoga, Schmieden und Gitarrespielen.

 

 

 

 

 

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