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Schreiben lernen mit Tommy Jaud (2)

12. August 2011, von  Bernhard Blöchl
Tommy Jaud ist Comedy-Schriftsteller - und einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren der vergangenen Jahre. Welche Hürden er zum ersten Roman überwinden musste und was er jungen Autoren empfiehlt, verrät er zweiten Teil des Interviews zum Kinostart von "Resturlaub".
Tommy Jauds Debütroman von 2004: "Vollidiot" (Fotos: Fischer Verlage, Friedemann Meyer).

Herr Jaud, Sie haben bereits mehrere Bestseller vorgelegt. Was raten Sie jungen Autoren, die in Ihrem Genre Fuß fassen möchten?
 
Jaud: Den eigenen Stil zu finden und niemanden zu kopieren. Und vielleicht nicht einfach loszuschreiben, sondern sich einen Plan zu machen auf mindestens einer Seite: Anfang, Mitte, Ende - wie denn die Geschichte geht und wer da mitspielt, wer die Figuren sind. Das Ganze also vernünftig vorzubereiten. Sonst schreibt man sich - und das ist vielen schon so gegangen - gegen die berühmte 30-Seiten-Wand. Bis dahin darf man ja alles, man haut die ganzen Ideen rein. Aber dann geht es nicht weiter mit der Handlung und den Figuren. Man weiß nicht, wohin sie wollen, man kennt das Ende nicht. 
 
Abgesehen von Ihrer Erfahrung beim Schreiben fürs Fernsehen - wie und wann haben Sie das Romanhandwerk gelernt?
 
Jaud: Ich würde jetzt nicht behaupten wollen, ich sei ein ausgewiesener Kenner des Romanhandwerks. Die eine oder andere dramaturgische Regel beachte ich natürlich schon, auch wenn ich mich da eher an Filmdramaturgie orientiere. Ich gehe zum Beispiel meist mitten rein in die Szene - später rein und früher raus. Damit mir so etwas nicht passiert wie: Es war einer jener Tage, an denen es schrecklich regnete in München und ich nicht wusste, ob ich noch zum Biometzger gehen sollte. Sondern bei mir steht der halt gleich beim Biometzger und sagt: "Das Fleisch ist grau und Sie sind ein Betrüger!"
 
Haben Sie Bücher gelesen, wie man einen Roman schreibt?
 
Jaud: Ja, aber ich habe es nie weit geschafft. Besorgt habe ich sie mir aber. Moment, stehen sie mir gerade gegenüber im Regal? "Office für Mac", "Adobe Photoshop", "Europa vor dem Crash" - äh, nein. Aber ich habe zwei, drei Bücher gelesen und war auf einem Filmseminar. Ich bin immer der, der sich am schnellsten langweilt. Ich komme ja vom Sketch, vom One-Liner, bei Harald Schmidt und "Ladykracher". Da habe ich gelernt, worüber die Leute bei kleinen Sachen lachen.

 

Am Anfang habe ich meine Kapitel auch als Sketche gesehen, die irgendwie zusammenhalten. Bei "Vollidiot“ war das schwer: Eigentlich wollte ich die kurzen Sachen schreiben, aber der Verlag hat gesagt: Nein, da machst du schon einen Roman. Ich war sehr skeptisch, ich konnte doch jetzt keinen Roman schreiben! Ich hatte ein paar Kurzgeschichten, das schon, aber einen Roman? Sie sagten dann: Ist ok, mach deine Sketche, aber achte darauf, dass das Ganze Anfang, Mitte und Ende hat. Erst Wochen später hab ich gemerkt, dass wir dann ja irgendwie doch wieder beim Roman waren.

 

Tommy JaudWie kamen Sie mit Ihrem Debütroman an Ihren Verlag, den Fischer-Verlag, der gleich ein großer Publikumsverlag war?
 
Jaud: Der Verlag war so schlau und kam nach Köln, und zwar nicht nur wegen mir, sondern wegen der "Ladykracher"-Autoren. Da hat der Fischer-Verlag sich gedacht: Da schauen wir mal, wer lustige Sachen fürs Fernsehen schreibt, der kann das vielleicht auch fürs Buch. Wir haben dann Kaffee getrunken und zack - ich hatte natürlich schon was in der Schublade gehabt.
 
Glück gehabt!
 
Jaud: Schon, ja. Sonst wäre ich einer von tausenden gewesen, die ein paar witzige Kurzgeschichten hatten. Ich hatte natürlich auch das Glück, schon eine gewisse Prominenz zu haben, weil ich "Ladykracher"-Headwriter war und eng mit Anke Engelke gearbeitet habe.
 
Deshalb verbindet man auch Ihre Roman noch immer mit Comedy. Wie kommen Sie klar mit dem Etikett "Comedy-Roman"?
 
Jaud: Das würde ich mir ja selber draufkleben! Ich bin Comedy-Autor. Vielleicht, wenn ich mal ein Buch schreiben würde, das nicht lustig ist, dann würde ich das "Comedy" weglassen. Aber nicht, weil das ein schlechterer Autor wäre, sondern es ist nun mal derzeit das Genre, in dem ich mich bewege. Ob das mal melodramatisch wird, wage ich zu bezweifeln. Aber ich würde nur ungern beim Comedy-Autor stehenbleiben. Mal schauen, in welche Richtung es mich beim nächsten Buch treibt. Jetzt noch mal so etwas zu schreiben wie "Resturlaub" - das wäre supereinfach! Der Verlag würde sich auch freuen über "Hummeldumm 2". Wahrscheinlich würde es sich sogar verkaufen. Aber ich würde mich sehr schämen! Und ich selber würde wahrscheinlich am schnellsten gelangweilt sein.

 

Und das möchte niemand. Danke für das Gespräch. Es war alles andere als langweilig.


Wie sich die Arbeit beim Romanschreiben vom Drehbuchschreiben unterscheidet, erklärt Tommy Jaud im ersten Teil des Interviews (siehe weitere Artikel). 


Kurzinfo: Tommy Jaud

  • geboren im Juli 1970 in Schweinfurt
  • Germanistik-Studium in Bamberg (abgebrochen)
  • Umzug nach Köln
  • Ende neunziger Jahre: Jobs beim Fernsehen, unter anderem als Headwriter der "Sat.1-Wochenshow", Creative Producer von Anke Engelkes Sendung "Ladykracher"
  • 2004: Romandebüt mit Vollidiot
  • 2006: Zweiter Roman Resturlaub
  • 2007: Dritter Roman Millionär
  • 2007: "Vollidiot" kommt ins Kino (mit Oliver Pocher; Regisseur: Tobi Baumann)
  • 2010: Vierter Roman Hummeldumm (alle vier Bücher werden Bestseller und verkaufen sich insgesamt mehr als vier Millionen Mal)
  • 2011: "Resturlaub" kommt ins Kino (mit Maximilian Brückner; Regisseur: Gregor Schnitzler)