Deutsche POP - Ausbildung in Musik und Medien
musicsupporter.de  »  Kommunikation  »  Artikel – Jobcheck (3): Sprechtrainerin

Jobcheck (3): Sprechtrainerin

24. November 2010, von  musicsupporter
Im dritten Teil unserer Serie über spannende Kreativberufe gibt Monika Hein Einblicke in den Alltag als Sprechtrainerin und Sprecherin. Die Arbeit der Phonetikerin und Pädagogin ist nah am Menschen. Einsteigern rät sie, neugierig, offen und flexibel zu bleiben, genau hinzuhören und immer dranzubleiben.
Monika Hein bei der Arbeit (Foto: Romanus Fuhrmann).

Wie sieht dein Berufsalltag aus? Das Wort "Alltag" passt eigentlich nicht zu meinem Beruf. Jeder Tag bringt neue, spannende Aufgaben mit sich. Ich unterrichte ganz unterschiedliche Menschen - mal sind es Lehrkräfte, mal Anwälte, Dolmetscher, Schauspieler, Sprecher oder Moderatoren. Je nach Berufsgruppe ergeben sich ganz unterschiedliche Aufgabenstellungen. Darum ist jeder Tag anders. Heute habe ich zum Beispiel einen längeren Duo-Unterricht für zwei Schauspielerinnen gegeben, danach habe ich Telefonate für die Akquise geführt und später ging ich in mein Studio, um einen Vokabeltrainer für einen Kunden einzusprechen. Morgen sieht das alles wieder ganz anders aus - das erfährt man oft erst recht spontan. Und zwischendurch ruft vielleicht noch ein Synchronstudio an. Ich jongliere mit Einzelstunden, Tagesseminaren, Sprecheraufträgen. Und natürlich soll auch immer etwas Zeit für meine Familie übrig sein. Das ist alles sehr lebendig und macht großen Spaß!

 

Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Es kommt auf die Fähigkeit an, sich auf jede neue Situation und jeden neuen Kunden/Schüler/Regisseur einlassen zu können. Es gibt hier keine Routine, jeder Mensch ist anders und bringt neue Aufgaben mit. Ich lerne mit jedem Schüler und mit jedem Sprecherjob dazu - dafür braucht man eine große Portion Wachsamkeit und die Offenheit, auch mal umzudenken. So ist das einfach, wenn man mit Menschen arbeitet - es gibt da kein allgemeingültiges Rezept. Die Arbeit entsteht immer wieder neu. Auch als Sprecherin brauche ich diese Offenheit. Häufig kennt man die Texte nicht, wenn man ins Studio kommt. Offenheit, Flexibilität, gute Ohren - all das ist wichtig für meinen Beruf.


Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Es ist wahnsinnig spannend, mit Menschen zu arbeiten. Ich freue mich daran, wenn Dinge funktionieren, wenn meine Schüler etwas über sich und ihre Stimme und Sprechweise  entdecken. Das gibt sehr viel Kraft. Auch knifflige Aufgaben inspirieren mich, gleichzeitig kann es sehr ermüdend werden, wenn man sich viel mit anderen Menschen beschäftigt. Es kann im Lehrberuf passieren, dass man vor lauter Unterricht sich selbst aus dem Blick verliert. Ich hatte eine Phase, zu der ich etwa 80 Schüler in unterschiedlichen Einrichtungen betreut habe. Diese Phase hat mich sehr erschöpft. Ich versuche heutzutage, besser mit meinen Kräften zu haushalten.

 

Wie bist du geworden, was du bist? Ich habe in Hamburg eine Ausbildung zur Musical-Darstellerin begonnen, dann habe ich Phonetik und Pädagogik studiert, und relativ früh angefangen zu unterrichten. Ich habe zwei Jahre lang mit Kindern gearbeitet, bevor ich wieder in Richtung Bühne wollte. Ich habe dann jahrelang Schauspieler im Sprechen ausgebildet und parallel weiter an meinem eigenen Sprechen gearbeitet. Und ich bin gespannt, was noch so kommt. Nach meiner Promotion schaue ich mich gerade nach der nächsten Weiterbildung um - man lernt nie aus!

 

Welche Tipps hast du für Einsteiger? Für den Sprecherberuf: Neugierde, Offenheit, Hinhören! Als Sprecher muss man immer dranbleiben. Immer wieder neue Demos anfertigen, sich weiterentwickeln. Unterricht nehmen. Das ist nötig, um in diesem Beruf zu bestehen oder erst einmal, um hineinzukommen und arbeiten zu können. Es ist schwierig, wenn man früh sagt: "So, jetzt bin ich fertig ausgebildet!". In diesem kreativen Bereich ist man eigentlich nie fertig, die Stimme kann so viele Facetten haben. Bleibt dran!


Monika Hein, Jahrgang 1974, ist freiberufliche Sprechtrainerin und Sprecherin. An der Akademie Deutsche POP unterrichtet sie am Standort Hamburg Sprecher-Kurse im Fachbereich Kommunikation.