Wie sieht dein Berufsalltag aus? Zumindest der Start in den Tag ist bei mir immer gleich: eine Tasse Kaffee und die Lektüre der Online-Ausgaben der Presse (Bild, FAZ, SZ, Spiegel) sowie ein Blick in Facebook und Xing. Danach geht es weiter mit inhaltlicher Arbeit zum aktuellen Job: also Recherche und Briefinggespräche, Schreiben von Moderationen, inhaltliche Vorbereitungen für Dozentur und Coaching, Schreiben von Regie-Abläufen und so weiter. Die Planung meiner Arbeiten nimmt sehr viel Zeit in Anspruch: Reiseplanung, Produktions-Dispositionen, Angebote und Verträge, Rechnungen und Buchhaltung. Das sind meine Arbeitsinhalte an einem normalen Bürotag. Ist alles gut vorbereitet, geht es meist auf Reisen, meine Kunden sitzen in ganz Deutschland verteilt. Vor Ort geht es in die Proben für Veranstaltungen, am Abend heißt es dann auf der Bühne oder vor der Kamera "Guten Abend und herzlich Willkommen zu ..." Oder ich verbringe den Tag mit meinem Kunden in Meetings, Präsentationen und Workshops. Und dann gibt es ja noch die Castings für einen Job. Immer wieder spannend - hingehen und mitmachen.
Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Ein ziemlich umfassendes Pakt hilft für gute Jobs: Freude an der Selbstständigkeit, gute Kommunikationsfähigkeiten, Erfahrung, Sicherheit, Zuverlässigkeit, Neugierde, Flexibilität, Professionalität, Dienstleitungsbereitschaft - um nur einige Punkte zu nennen.
Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Ich habe meinen Beruf unter anderem gewählt, weil er sehr abwechslungsreich ist, ich mich immer in neue Themen und Bereiche einarbeiten kann und mit sehr interessanten Menschen zusammenkomme. Außerdem bietet mir mein Job ein Maximum an Freiheit, neue Dinge auszuprobieren und mich weiterzuentwickeln, neue Geschäftsfelder und Tätigkeitsbereiche anzugehen. Das Positive der Freiheit ist die sonnige Seite und birgt eben auch den Schattenanteil: Selbst nach 15 freien Berufsjahren gibt es keine Sicherheit für Aufträge und Kunden. Ich musste lernen, mit dieser planerischen und wirtschaftlichen Unsicherheit umzugehen. Am Ende des Monats gibt es kein fixes Gehalt, bei Krankheit gibt es keine Lohnfortzahlung, es gibt keine Arbeitsgarantie, und um das Thema Steuer/Finanzamt und Altersvorsorge muss ich mich selbst kümmern. Bezahlten Urlaub gibt es (leider) auch nicht.
Es gab in all den Jahren Monate mit definitiv zu wenigen Kunden und es gab Monate, in denen ich ein ganzes Team hätte beschäftigen können. Als Selbstständiger trage ich die gesamte Verantwortung und das Risiko. Dieser manchmal schwerwiegende Part wird oft von angestellten Aussenstehenden übersehen. "Du kannst doch frei machen, wann du willst" heißt es da oft. In der Theorie stimmt das - am Ende des Jahres gönnen sich Selbstständige meist weniger Urlaubstage als Angestellte. Und krank war ich seit Jahren nicht mehr - alles eine Frage der Einstellung. Dieses Spannungsverhältnis gilt es auszuhalten. Das gelingt mal gut, mal weniger gut.
Wie bist du geworden, was du bist? Ich habe schon zu Schulzeiten angefangen, für verschiedene Tageszeitungen als freier Mitarbeiter zu schreiben und brannte sehr früh für den Journalismus. Nach einigen Jahren Praxiserfahrung bei der Tagespresse habe ich mein Volontariat bei einem privaten Radiosender in NRW absolviert. Im Anschluss hatte ich das Glück, einen der ersten lokalen und privaten Fernsehsender in Deutschland aufzubauen: Hamburg 1 TV. Bei Hamburg 1 habe ich sieben Jahre lang als Redaktionsleiter und Moderator gearbeitet, habe eine tägliche Sendung moderiert und den Bereich TV von der Pike auf gelernt. In dieser Zeit begann auch meine freiberufliche Tätigkeit als Event-Moderator.
Durch eine private Fortbildung kam der Bereich Coaching und Kommunikation in mein Berufsleben. Seit dem Jahre 2000 arbeite ich als Moderations- und Kommunikations-Coach für Unternehmen, für TV-Produktionsfirmen und Fernsehsender. Zeitgleich kam ich eher durch einen Zufall in den Bereich der Event-Regie und ich habe als Regisseur bis heute hauptsächlich Medienpreisverleihungen konzipiert und geleitet. Nach meiner Tätigkeit für das Privatfernsehen habe ich für sechs Jahre in der ARD als Moderator gearbeitet und wurde gebeten, an unterschiedlichen Akademien Vorlesungen zu halten und Dozenturen zu übernehmen. Der Bereich der Video-Produktion ist der jüngste Bereich meiner Arbeit. Für Wirtschaftsunternehmen produziere ich Filmbeiträge, die im Internet oder auf Veranstaltungen präsentiert werden.
Welche Tipps hast du für Einsteiger? Tipp 1: Ich empfehle jedem Newcomer, unbedingt ein Hochschulstudium abzuschließen. Ich selbst bin zwar Mann der Praxis und habe keine Universität besucht. In meiner Berufsgeneration war dies jedoch auch noch gut möglich. Heute würde ich nicht auf ein Studium verzichten. Tipp 2: Moderator ist kein Beruf. Es gibt nur sehr wenige Moderatoren, die von dieser einzigen Tätigkeit leben können. Also gilt es, sich weitere Tätigkeitsfelder zu erschließen: Das kann die Arbeit in einer Redaktion sein oder ganz andere Tätigkeiten. Am Anfang des Monats muss die Miete gezahlt werden, und dieses Geld gilt es jeden Monat zu verdienen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass selbst eine feste Stelle als TV-Moderator irgendwann zu Ende ist, weil das Format eingestellt wird. Wie geht es dann weiter? Ist ein nahtloser Anschluss möglich? Tipp 3: Jeder muss vor eine mögliche Selbstständigkeit die Frage beantworten: Kann ich das unternehmerische Risiko aushalten, oder ist mir meine berufliche Sicherheit wichtiger? Tipp 4: Je mehr praktische Erfahrung man sammeln kann, um so besser wird man in seinem Job. Also: Machen, machen, machen. Das Honorar tritt dabei manchmal in den Hintergrund. Tipp 5: Jede Möglichkeit zu einem Casting wahr nehmen - egal, ob der Job passen könnte oder nicht. Hier geht es in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln, Sicherheit zu bekommen und Kontakte aufzubauen. Und bitte nicht enttäuscht sein, wenn es mal nicht klappt. Von zehn Castings klappen meist neun nicht. Das gehört zum Job dazu. Tipp 6: Das persönliche Netzwerk ist das A und O. Lernt Leute kennen und pflegt die Kontakte!
Markus Tirok, Jahrgang 1971, lebt in Köln und hat sich auf folgende Berufsfelder spezialisiert: Event- und TV-Moderation, Moderations-Coaching, Dozentur, Event-Regie, Video-Produktion und Beratung. An der Akademie Deutsche POP unterrichtet er den Kurs TV-Moderator/in im Bereich Kommunikation am Standort Köln.


