Im ersten Teil des Interviews haben wir über mögliche Problemfelder und wertvolle Ratgeber gesprochen. Sie veröffentlichen viel und in hohem Tempo, zuletzt erschienen die Bücher "Fehlermeldung: Der Mann und seine Krisen", "Das Gegenteil von oben" und nun "Feindesland", der neue Hartmut-und-ich-Roman. Wie ist Ihre Herangehensweise an ein neues Buchprojekt, und was inspiriert Sie?
Uschmann: Das hohe Tempo erklärt sich in meinem Fall tatsächlich dadurch, dass auf den Büchern im Grunde Oliver Uschmann & Sylvia Witt draufstehen müsste. Wir haben einen Kreativhaushalt mit großem Output und sind beide Getriebene. Wir entwerfen erst die Figuren und den Plot, dann die wichtigsten Schlüsselgelenke und dann nach und nach die Szenen. Richtig runtergeschrieben wird erst, wenn das Gerüst steht. Feste Zeiten gibt's nicht, nur manisches Durcharbeiten, wenn der Abgabetermin naht. Inspiration kommt aus allem: Beobachtungen, Zeitgeschehen, Erinnerungen. Es gibt nichts, was wir nicht verwursten.
Welche Schriftsteller empfehlen Sie, deren Worte inspirierend auf Sie gewirkt haben?
Uschmann: In alphabetischer Reihenfolge: Douglas Adams, Sven Amtsberg, Franz Kafka, Björn Kern, Benjamin Maack, Thomas Mann, Terry Pratchett, Sven Regener, Michael Weins.
Wahrscheinlich träumt jeder Journalist davon, irgendwann einen Roman zu schreiben. Wann ist man Ihrer Meinung reif dafür, und wie kann man erkennen, ob man zum Romanautor geeignet ist?
Uschmann: Man ist reif, wenn man es schafft, den ungebremsten Strom aus Ideen und Emotionen, der aus einem herausplatzt, in eine durchdachte Form zu bringen und zu bändigen. Im Grunde, wie man es macht, wenn man 60 Minuten Interviewmaterial und 1000 Gedanken zu einer Platte hat, aber vom Chefredakteur nur 3500 Zeichen bekommt, um sie auszudrücken. Plot, Charaktere, Pointen, Metaphorik – man darf die Garage brechend voll mit Zeug haben, aber dann muss man eben konzentriert bauen, eine Technik finden. Zorn, Verzweiflung, Feuer und Hysterie sind wichtig, aber in dem Moment, wo man daraus ein Buch baut, muss man mit Hitzkopf zugleich kühl konstruieren können.
Wie findet man einen Verlag, der zu einem passt? Vor welchen Fallen warnen Sie?
Uschmann: Die Buchmessen besuchen und genau schauen, welcher Verlag welche Art von Literatur verlegt. Bei jedem Verlag, der mit "Autoren gesucht!" oder "Wir machen Ihr Buch!" wirbt, sofort die Beine in die Hand nehmen und laufen. Laufen, laufen, laufen! Diese Zuschussverlage verlangen hohe Druckkostenzuschüsse, können außer der Herstellung selbst pressetechnisch nichts weiter für das Buch tun und haben ein mieses Image. Falls kein seriöser Publikums- oder guter Independent-Verlag das Manuskript haben will, sind Book on Demand oder die Gründung eines eigenen Miniverlages die bessere Wahl. Am besten nicht direkt die Verlage bemustern, sondern erst mal versuchen, eine Literaturagentur zu finden, die einen professionell vertritt. Diese Agenturen geben einem auch bei Ablehnung eher mal tatsächlich Feedback. Auch unter ihnen gibt es allerdings schwarze Schafe. Seriös sind die, die kein Geld im Voraus nehmen, sondern erst im Erfolgsfall eine Provision.
Welche Pläne haben Sie für die nahe Zukunft?
Uschmann: Im Sommer erscheint zum einen mit "Feindesland. Hartmut und ich in Berlin" der bislang härteste, böseste und zugleich emotional mitnehmendste Roman der Hui-Reihe. Parallel dazu findet von 20. Mai an im Kulturgut Nottbeck in Oelde die Ausstellung "Ab ins Buch!" statt. Dort werden wir die Hui-Welt, die man im Internet bereits als interaktive WG und detailreiche Spieleseite besuchen kann, physisch aufbauen. Es wird eine umtriebige Post-Pop-Welt, ein kleiner Themenpark. Geschrieben wird 2010 an den Nachfolgern von allem. Live bespielt wird wie immer jeder Club, der nicht rechtzeitig die Türen zumacht.
Im ersten Teil des Interviews gibt Oliver Uschmann Tipps zum Schreiben und erklärt mögliche Problemfelder (siehe weitere Artikel).
Kurzinfo: Oliver Uschmann
- geboren 1977 in Wesel am Niederrhein
- 1986 bis 1996: erste Romanmanuskripte im Wohnwagen der Großmutter
- 1998 bis 2002: Studium der Literatur, Linguistik und Anglistik in Bochum
- erste Berufserfahrung als: Getränkelieferant, Packer bei UPS, Werbetexter, Herausgeber, Kulturveranstalter, Rocksänger, Lehrbeauftragter
- 2005: erster Roman "Hartmut und ich", Erfindung der Hui-Welt um eine skurrile WG
- Autor und Redakteur der Zeitschriften Visions und Galore
- seit 2007: freiberuflicher Journalist, Schriftsteller, Dozent und Berater
- 2008: Literatur-Förderpreis NRW
- Uschmann lebt mit seiner Frau Sylvia Witt in Ascheberg im Münsterland, wo sie gemeinsam die Online-Galerie "Haus der Künste" betreiben und an Büchern arbeiten
- 2010: "Ab ins Buch!", interaktive Hartmut-und-ich-WG-Ausstellung, Kulturgut Haus Nottbeck, Museum für Westfälische Literatur, Oelde-Stromberg (20.5. bis 1.8.)
Zum Werk - eine Auswahl
- "Hartmut und ich", 2005, Fischer Verlag
- "Voll beschäftigt. Ein Hartmut-und-ich-Roman", 2006, Fischer Verlag
- "Wandelgermanen. Hartmut und ich stehen im Wald", 2007, Fischer Verlag
- "Murp! Hartmut und ich verzetteln sich", 2008, Scherz-Verlag
- "Fehlermeldung: Der Mann und seine Krisen", 2009, Gütersloher Verlagshaus
- "Das Gegenteil von oben", 2009, Script 5
- "Feindesland. Hartmut und ich in Berlin", 2010, Scherz-Verlag


