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Auf du und du mit den Stars (Teil 2)

10. Juli 2010, von  Thomas Joppig
Egal ob Hugh Grant, Beth Ditto oder Shakira - Mirjam Weichselbraun hatte sie alle schon vor dem Mikro. Seit sieben Jahren führt die ZDF-Online-Moderatorin Gespräche mit den Gästen von "Wetten, dass...?" Ein Interview über die Kunst des Interviews und Tipps für Einsteiger.
Mirjam Weichselbraun (Fotos: Thomas Joppig, Kruger Media).

Im ersten Teil des Interviews ging es um Stars und die Gespräche mit ihnen. Wie läuft die Vorbereitung bei dir ab?

 

Mirjam: Die Redaktion stellt mir Informationen über den Star und erste Fragevorschläge zur Verfügung. Dann lese ich die Sachen durch, schaue, was mich interessiert und überlege mir den Verlauf des Interviews: Wo steige ich ein? Wo steige ich aus? Was könnte wohin passen? Ich möchte nicht da sitzen und Fragen ablesen, das fänd' ich ganz schade - für mich und für die Interviewpartner. Und ich stelle möglichst offene Fragen, denn die können nicht einfach nur mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden, sondern laden zum Erzählen ein.

 

Manchmal hast du auch Kunstfiguren auf dem Sofa sitzen. Horst Schlämmer zum Beispiel oder Wolfgang und Anneliese. Ist es komisch, einen Menschen zu interviewen und zu wissen, dass sich dahinter eigentlich eine ganz andere Person verbirgt?

 

Mirjam: Bei Horst Schlämmer war das natürlich schwierig, weil ich Hape Kerkeling ganz toll und Horst Schlämmer einfach lustig finde. Aber ich tue so, als wären diese Figuren wirklich echt und versuche auszublenden, wer dahinter steht. Das sind dann einfach diese Kunstfiguren. Vor der Fußball-WM 2006 hab ich auch schon mal die Maskottchen Goleo und Pille interviewt. Das ist dann schon kurios, mit einem Ball und einem Löwen zu plaudern (lacht).

 

Wie gehst du damit um, wenn ein Gespräch einen ganz anderen Verlauf nimmt als erwartet?

 

Mirjam: Solche Situationen, in denen man den ganzen Fragekatalog weglassen kann, sind mir am liebsten. Bei Horst Schlämmer war das zum Beispiel so. Ich finde es toll, wenn sich im Gespräch Themen ergeben, die ich überhaupt nicht auf dem Zettel hatte. Wenn man auf einmal irgendwo landet, ohne dass man zuvor dachte, dass man da hinkommt.

 

Mirjam bei The DomeSpontaneität ist dir also besonders wichtig?

 

Mirjam: Auf jeden Fall! Klar, du braucht vorbereitete Fragen um dich sicher zu fühlen. Und natürlich kannst du das Interview mit genau diesen Fragen auch führen. Aber es wäre schade, wenn auf einmal eine unerwartete Antwort kommt, und du steigst nicht darauf ein. Wenn ein Gespräch in eine ganz andere Richtung läuft, freue ich mich total. Denn wenn zum Beispiel Schauspieler auf Promo-Tour ihren neuen Film vorstellen, wurden viele Fragen einfach schon gestellt. Da ist es nicht einfach, an das Ganze noch einmal anders ranzugehen.

 

Bist du vor deinen Interviews nervös?

 

Mirjam: Immer, besonders vor dem ersten. Ich brauche eine Anwärmphase.

 

Vor welchem Gespräch warst du bislang am aufgeregtesten?

 

Mirjam: Vor dem Interview mit Michail Gorbatschow. Da ging es um ein Thema, in das ich mich erst stark einlesen musste, den Europäischen Gerichtshof, für den er sich eingesetzt hat. Der Mann hat eine Wahnsinns-Geschichte hinter sich und hat Geschichte geschrieben. Da will man einfach besonders gut sein.

 

Du hast schon früh erste Moderationserfahrungen bei "Antenne Tirol" gesammelt. Wie hast du den Berufseinstieg geschafft?

 

Mirjam: Ich hab mit einem Praktikum beim Radio begonnen, dort dann danach in verschiedenen Resorts gearbeitet und so einen ganz guten Einblick in die Radioarbeit bekommen. Das war der Anfang.

 

Welche Tipps hast du für Berufseinsteiger, die gern erste Moderationserfahrungen sammeln möchten?
 

Mirjam: Ich glaube es ist immer gut, sich nicht nur auf die Moderation zu konzentrieren sondern sich einen generellen Einblick von diesem Beruf machen, Redaktionsarbeit gehört dazu. Und: Selber schreiben! Nur vorlesen, was andere schreiben, ist langweilig. Man sollte einen eigenen Stil haben, den zu finden ist, zumindest für mich, die größte Herausforderung.

 

Du bist Gastgeberin bei "The Dome", hast vor ein paar Monaten eine Operngala moderiert, singst in einem Musical und spielst in Fernsehfilmen mit. Wandlungsfähigkeit scheint dir sehr wichtig zu sein.

 

Mirjam: Ich will mich selbst nicht festlegen und ich sehe nicht ein, warum ich mich vor anderen festlegen soll. Wenn es danach ginge, dürfte ich zum Beispiel nicht schauspielern, weil es oft skeptisch beäugt wird, dass immer mehr Moderatoren in Filmen und Serien mitspielen. Ich habe gecheckt, dass ich die letzte sein sollte, die sich irgendwelche Steine in den Weg legt. Wenn sich Türen öffnen, wie zum Beispiel zum Theater, bleibe ich nicht zögernd an der Schwelle stehen. Manchmal fragen mich Leute, wo ich mich in fünf Jahren sehe. Dabei weiß ich nicht mal, was ich nächstes Jahr mache. Das find ich spannend und angsteinflößend zugleich.

 

Willst du gern der Online-Redaktion von "Wetten, dass...?" auch weiterhin die Treue halten, auch wenn sich inzwischen viele andere Türen geöffnet haben?

 

Mirjam: Auf jeden Fall. Ich mag den Job echt viel zu gerne, um ihn aufzugeben. Vor ein paar Monaten konnte ich einmal nicht dabei sein, weil ich einen Theaterauftritt hatte.  Das war ein komisches Gefühl. An dem Tag war ich richtig traurig.


Im ersten Teil des Interviews spricht Mirjam Weichselbraun über Stars und die Kunst des Interviews (siehe weitere Artikel).

Kurzinfo: Mirjam Weichselbraun

 

Mirjam Weichselbraun, 28, stammt aus Innsbruck. Erste Moderationserfahrungen sammelte sie von 1998 an bei Radio Antenne Tirol. 2000 wurde sie zum "Bravo Girl des Jahres" und moderierte erstmals bei TV Tirol und Viva plus. Zwei Jahre später wechselte sie als Moderatorin zu MTV. 2005 war sie erstmals als Gastgeberin der Sendung "Dancing Stars" zu erleben, dem österreichischen Pendant zu "Let's Dance". In Deutschland moderierte sie ein Jahr später an der Seite von Wayne Carpendale die RTL-Show "Dancing on Ice".

Als Schauspielerin konnte man sie bislang unter anderem in der ProSieben-Märchenstunde und im TV-Film "Die Rosenkönigin" erleben, wo sie an der Seite Maximilian Schell spielte. 2008 wurde sie mit der Goldenen Romy, dem wichtigsten Fernsehpreis Österreichs, als beliebteste Talk- und Showmasterin ausgezeichnet. 2009 war Mirjam Weichselbraun mit dem Film "Hangtime" auch auf der Kinoleinwand zu erleben. Zudem feierte sie 2009 ihr Musical-Debüt in dem Stück "Manche mögen's heiß" in den Wiener Kammerspielen. Mirjam Weichselbraun ist regelmäßig als Gastgeberin der RTL-II-Chartshow "The Dome" zu erleben. Anfang des Jahres moderierte sie zudem die Klassiksendung "Die schönste Oper aller Zeiten" an der Seite von Star-Geiger Daniel Hope. Bei "Wetten, dass...?" ist sie seit sieben Jahren als Onlinemoderatorin zu erleben.