Wie sieht deine Geschäftsidee aus? Für unser Projekt "All The World's A Page" drucken wir bekannte Bücher auf 70 mal 100 Zentimeter große Plakate. Die Idee kam mir 2009. Ich lese leidenschaftlich gerne, stand damals vor meinem Bücherregal und habe den Buchrücken von "Ulysses" von James Joyce angeschaut. Dieses Buch nimmt im Regal ziemlich viel Platz ein, und da habe ich mich gefragt, wie lang es wohl tatsächlich ist. Das Medium Plakat schien mir geeignet zu sein, diese Frage zu beantworten. Meine Kollegen bei "Blotto Design" haben diese Idee dann sofort ernst genommen, und so haben wir gemeinsam beschlossen, Höhepunkte der Weltliteratur auf Poster zu drucken und zu verkaufen. Mittlerweile haben wir mehr als 15 verschiedene Poster veröffentlicht, darunter auch die Bibel mit mehr als 800.000 Wörtern und einer Schriftgröße von unter zwei Punkt. Seitdem glauben wir, dass wir sämtliche Texte der Weltliteratur auf einem Poster unterbringen können. Das Buch "Ulysses" allerdings konnten wir bisher noch nicht drucken, denn darauf ist noch ein Copyright. Das läuft aber im Januar nächsten Jahres ab, und dann wollen wir das auf jeden Fall nachholen.
Welche Ziele verfolgst du damit? Unsere Ziele entfalten sich nach und nach, mit jeder kleinen Entscheidung, die wir fällen. Anfang des Jahres zum Beispiel haben wir eine kleine Ausstellung gehabt. Das war also ein kurzfristiges Ziel. Langfristige Ziele haben wir derzeit aber nicht, bei uns herrscht eher eine permanente Entwicklung und ein Ausweiten unserer Idee.
Wie unterscheidest du dich von der Konkurrenz? "All The World's A Page" ist eine Mischung aus Kunst, Design und Grafik-Projekt. Kunst von Grafik-Designern wirkt manchmal etwas unbeholfen, aber ich glaube, dass wir ein gutes Mittelding gefunden haben. Außerdem ist unser Projekt im Grunde die Materialisierung einer ziemlich skurrilen Idee. Das ist auch ein Wagnis. Normalerweise werden Marktforschungen gemacht und daraufhin werden dann Produkte entwickelt. Wir haben diese Idee aus unseren eigenen Interessen entwickelt und schließlich einen Markt entdeckt.
Was hast du vorher gemacht? Ich habe eine ziemlich geradlinige Biographie. Von 1993 bis 1996 habe ich in meiner Heimat England, in Portsmouth, Communication Design studiert. Anschließend bin ich nach Berlin gezogen. Dort habe ich zunächst freiberuflich gearbeitet, bis ich 2000 bei "Blotto Design" eingestiegen bin. Heute bin ich dort einer von vier Firmeninhabern.
Was treibt dich an? Ursprünglich war es persönliche Neugierde für das Typografische, aber mittlerweile steckt auch eine gewisse Spielfreude dahinter. Denn "All The World's A Page" ist ein Spiel mit der Rezeption von Texten und mit den Technologien ihrer Reproduktion. Die Texte, die wir verwenden, werden im Internet umsonst als E-Books angeboten. Wir haben also das genommen, was das zukünftige digitale Zeitalter füttern soll, es aber in die Print-Ära zurückgeholt. Doch gleichzeitig wäre diese Print-Form ohne die digitalen Technologien von heute undenkbar.
Ian Warner kam 1996 aus seiner Heimat England nach Berlin. 2000 stieg er als Partner bei dem Berliner Gestaltungsbüro "Blotto Design" ein. "All The World's A Page" ist als Marke von "Blotto Design" zu verstehen. Die Weltliteratur-Poster gibt es auf www.all-the-worlds-a-page.com zu sehen und zu kaufen.
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