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Anziehende Grafiken

21. August 2010, von  Friedrich Rößler
Die Designer von "Yack Fou" haben keinen Businessplan, keine Corporate Identity und kaum Ahnung von Mode. Aber sie haben Erfolg, viele Ideen und ein gutes Medium: das T-Shirt - oder "tragbare Grafik", wie Tobias Herrmann und Martin Krusche dazu sagen. Eine inspirierende Erfolgsgeschichte.
Black Sweater Dress von "Yack Fou" (Fotos: Martin Krusche).

Entkommen unmöglich. Ob im Club, in der S-Bahn oder auf der Straße - sie sind überall. Die urbane Brust präsentiert sich individuell gestaltet. Knallbunte T-Shirts scheinen den öffentlichen Raum mehr zu prägen als Streetart oder Graffiti. Ob illustrativ oder grafisch, ob pfiffig, witzig oder frech designt - eines haben sie alle gemeinsam: Sie befinden sich jenseits der Massenware. Das bedruckte T-Shirt evolutionierte zum Medium, fungiert als tragbare Grafik und schwingt sich zum Lieblingsobjekt in der Designerszene auf.

 

"Wir bewahren uns die Freiheit, selbst zu bestimmen, was wir gestalterisch gut finden und was wir machen wollen. Nur dadurch wird das Produkt auch richtig gut, und die passende Kundschaft findet sich automatisch." Das behauptet Martin Krusche vom Berliner Design-Label "Yack Fou". Mit seinem Kumpel und Partner Tobias Herrmann scheint sich da jemand eine Prämisse gesetzt zu haben, die ihm gestalterische Freiheiten lässt und sich auszahlt. Dabei sehen sich "Yack Fou" überhaupt nicht als Modeexperten.

 

Heute bezeichnen sie ihre Idee als Schnapsidee. Eine, die sie ernsthaft verfolgt haben. Völlig neu war diese in den frühen Nullerjahren zwar nicht unbedingt, als beide während ihres Studiums einfach loslegten. Doch der Erfolg stellte sich nicht durch das Vorhaben an sich ein, mal eben ein paar T-Shirts zu bedrucken, sondern dadurch, dass "Yack Fou" für einen bestimmten und unverwechselbaren Stil stehen. "Den finden anscheinend einige Leute gut. Deshalb haben wir uns den erhalten und machen das, was uns gefällt und passen genau darauf auf, nur das zu machen, was auch unser Stil ist", betonen beide.   

 

Martin und TobiasNiemals glauben, dass du einzigartig bist

 

Waren bis 2003 eher Markenartikel und Fan-Shirts populär, so konkurrieren heute unzählige Stile und Grafiken miteinander. Die Jungs von "YackFou" werden gern in die Rock'n'Roll-Surfer-Style-Schublade gesteckt, sie selbst sprechen von zwei verschiedenen Stilen, die sich bei "Yack Fou" vereinen. Martin bringt das Illustrative, Tobi das Grafische mit ein, so dass eine unbewusste durchgehende Struktur im Werk der beiden zu erkennen ist. Wie bei einem Künstler verhalte sich das, der besitze auch einen bestimmten Pinsel-Duktus, ergänzt Martin. 

 

Ihre Wurzeln haben beide im Street-Art- und Comic-Bereich. Geplant sei das zwar nicht gewesen. Aber gerade die Art, wie sie die Farben verwenden oder die Typografie entwerfen, macht ihren unverkennbaren Stil aus. Trotzdem sollte man nach Ansicht des Duos einen Fehler unbedingt vermeiden, wenn man sich als Designer selbstständig macht: "Niemals glauben, dass du einzigartig bist."

 

Außerdem solle jeder mit der Illusion abschließen, Grafiker oder Designer zu werden, nur weil man es will. Ein gelungenes Design lässt sich laut "YackFou" durch die Mischung aus Handwerk, Idee, Innovation und Ästhetik erkennen. Anfangen sollte nur, wer wirklich Lust dazu hat, etwas anzufangen und schon Tage bis Monate Pro und Contra abgewogen hat. Als Grund-Equipment eigne sich ein helles Köpfchen mehr als gut.

 

In den sieben Jahren ihrer Selbstständigkeit hat sich auf den ersten Blick nicht viel verändert. Tobi baut sonntags immer noch persönlich den Stand auf dem Boxhagener Platz auf und ab. Trotz Zähneknirschens einiger Handelsvertreter will er das Gucken und Schwatzen am Sonntag nicht missen. "Wenn ich keinen Boxi mehr aufbauen dürfte, wüsste ich nicht, was dann wäre." In ihrer Werkstatt überlegen sich beide fast täglich, wie sie ihre neuesten Entwürfe aufs T-Shirt bekommen und wie sie das Geld verteilen, "das eigentlich nicht vorhanden ist", scherzt Martin.   

 

Yack-Fou-Shop in BerlinDer Verwaltungsaufwand steigt

 

Das Drumherum hat aber zugenommen. "Yack Fou" beschäftigen neben einer Festangestellten, zwei Minijobbern und bis zu fünf freien Mitarbeitern, einen Angestellten. Sie machen sich Gedanken über noch ausstehende Rechnungen, welche Motive sich gut verkaufen und welche nicht. Das Administrative nimmt mit den Jahren immer mehr zu. "Der Verwaltungsaufwand steigt seit 2003 unaufhörlich", stöhnt Tobias.

 

Am Anfang ihrer Selbstständigkeit waren beide mit ganz anderen Dingen konfrontiert. Vor allem waren sie nur auf sich allein gestellt: beim Finanzamt, beim Gewerbeamt, bei der Bank und bei Kulturförderungen. Institutionen gab es keine, die beide unterstützten und der finanzielle Aspekt machte beiden schwer zu schaffen. "Man verdient einfach erst einmal nicht so gut", berichten die beiden Designer. Da helfen nur ein langer Atem und die berühmte Durchhaltekraft. Von dem Gedanken des schnellen Geldes binnen Wochen haben sich Tobias und Martin rasch verabschiedet. Als hilfreich während ihrer Durststrecke erwiesen sich Glaube, Spaß und Zielstrebigkeit am Projekt. "Wenn man den Ist-Zustand schätzen lernt, dann nimmt man nicht all zu großen psychischen Schaden", bemerkt Martin lakonisch.

 

Vor jeder Designer-Karriere steht allerdings noch eine Entscheidung, die unzählige Behördengänge ersparen kann. Wer als selbstständiger Designer arbeiten möchte, holt sich eine Steuernummer beim Finanzamt und schreibt für die eigenen Arbeiten Rechnungen. Wer allerdings etwas verkaufen will, braucht einen Gewerbeschein, so wie "Yack Fou".

 

Als nächsten Schritt haben Tobias und Martin versucht, ihre Bekanntheit zu steigern und auf sich aufmerksam zu machen. Als Grundvoraussetzung erkannten beide, dass man einfach gut sein muss in dem, was man macht. Dazu gesellte sich die alte, aber wahre Erkenntnis, auf Qualität statt auf Quantität zu setzen. Lieber nur drei gut platzierte und gut gestaltete Visitenkarten verteilen, als massenhaft Schwarz-Weiß-Kopien beim Dönermann auslegen.  

 

T-Shirt-MotivEin gutes Design setzt sich überall durch

 

Und eines sollten angehende selbstständige Designer auch nicht vernachlässigen: Netzwerke aufbauen und pflegen. Das Internet erleichtert zwar Datentransport und Kommunikation, mit "Facebook" und "Xing" vernetzten sich "Yack Fou" allerdings nicht. Stattdessen: "Einfach an Leute halten, die man wirklich kennen gelernt hat. Die helfen dir und du hilfst denen", lautet Martins Devise. Branchentreffs und Vernissagen nützen laut "Yack Fou" mal mehr, mal weniger. Es hänge viel davon ab, wie gut man selber reden und Smalltalk halten kann. 

 

Für "Yack Fou" spielt auch die Urbanität eine Rolle. Neben dem massiven Input, der erst einmal verarbeitet werden müsse, würden sich immer schnell Gelegenheiten ergeben, seine Werke zu präsentieren. Leer stehende Räume und bezahlbare Mieten seien weitere Vorteile. Den typischen Berliner Flohmarkt schätzt Tobias ganz besonders: "Hier kommt nicht gleich einer vom Staat und sagt, Lizenz her oder so. Berlin hat gar nicht die Nerven, sich um so etwas zu kümmern."

 

Manchmal überfordere einen die Großstadt aber auch. Oft fehlt den beiden die Ruhe, die Reize zu verarbeiten und nicht nur reflexartig zu reagieren. In einem sind sich beide sofort einig: Ein gutes Design setzt sich überall durch. Von Berlin aus lasse sich zwar gut das Land und dann die Welt erobern, wie sie sagen, aber gerade als Designer müsse man aufpassen, dass man nicht zu sehr vom Berlin-Hype profitiere. "Wenn du nichts Gutes machst und dann nach Berlin ziehst, weil es da eh voll abgeht, dann wird das, was man macht, nicht besser, bloß weil man in Berlin ist, Netzwerke aufbaut und hip herum läuft. Man muss selbst was auf die Beine bringen", resümiert Martin.

 

Für "YackFou" scheinen sich die Durchhalteparolen, der Stress und auch die vielen Behördengänge und Verwaltungsarbeiten gelohnt zu haben. Am besten illustrieren das ihre Shirts, die nicht nur in den Straßen und Clubs von Berlin, sondern auch im Publikum von großen TV-Shows zu sehen sind. 


Kurzinfo: "Yack Fou" 

 

Das Berliner Designerduo "Yack Fou" besteht aus Tobias Herrmann und Martin Krusche, beide Ende 20. Tobias kommt aus Potsdam, Martin stammt aus einem 400-Einwohner-Dorf bei München. Vor sieben Jahren lernen sie sich im Studiengang "Kommunikationsdesign" an der FHTW Berlin kennen. Sie finden ihr Studium zu langweilig und drucken in einem Keller auf einem selbst gezimmerten Siebdrucktisch ihre ersten 20 selbst gestalteten T-Shirts. Der Tisch bricht zusammen, doch die Shirts bleiben, und die Idee reift. Mit Geld von der Oma und einem kleinen Stand am Boxhagener Platz starten "Yack Fou" ihre Karriere und stehen heute für innovative Shirt-Motive aus Berlin-Friedrichshain. 2010 ist aus "Yack Fou" eine Werkstatt mit Druckequipment gewachsen, ein Shop und ein paar Mitarbeiter. Dazu gibt es jede Woche einen Stand mit alten Kollektionen im Mauerpark und einen Stand mit aktuellen Entwürfen auf dem Boxhagener Platz. Ihr Portfolio beinhaltet bedruckte T-Shirts und Jacken, Schals, Buttons und Sticker, Beutel, Poster und Leinwände. Wobei das Hauptaugenmerk immer noch dem T-Shirt gilt. "Yack Fou" versteht das T-Shirt als tragbare Grafik und somit als Basis für gestalterische Experimente.

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