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Wirklichkeiten abbilden

10. September 2010, von  zeegaro
Fotografie ist eine vielfältige Kunst. Zwei der spannendsten Teilbereiche sind die Reportage und die Dokumentation. Was das ist, wie sie sich unterscheiden und wie sie in der Praxis zur Anwendung kommen, lest ihr in unserem Workshop zur Reportage-Fotografie.
Reisefotografie zählt zum Feld der Reportage (Fotos: Federico Stevanin, Sharron Goodyear/FreeDigitalPhotos.net).

Das Schöne an der Fotografie sind die vielfältigen Anwendungsgebiete. Einer spannenden und zugleich anspruchsvollen Kategorie möchten wir heute besondere Aufmerksamkeit schenken: der Reportage-Fotografie.

 

Landläufig verwendet man den Begriff der Reportage in allen berichtähnlichen Zusammenhängen, bei denen auf ein bestimmtes Thema der Schwerpunkt gesetzt wird. Tatsächlich handelt es sich aber um die zwei Teilbereiche Reportage und Dokumentation, die sich in der Praxis wesentlich unterscheiden, gerne aber in einen Topf geworfen werden.

 

Die Reportage

 

Eine Reportage befasst sich ausführlich mit einem Thema. Eine gelungene Reportage lebt von einem ausgewogenen Verhältnis aus Breite und Tiefe im journalistischen Sinne. Die Aneinanderreihung von Urlaubsfotos ist somit nur teilweise als solche zu betrachten, denn meist werden hier nur lose und willkürlich Ausschnitte wiedergegeben.

 

In professionellem Sinne hat eine Reportage immer einen journalistischen Anspruch, wobei es stark um eine umfangreiche, detaillierte und konkrete Berichterstattung geht. Diese Anforderungen erlauben in einer Reportage dem Fotografen ein höheres Maß an Individualität, sie ist sogar gewünscht. Ein Leser oder Betrachter soll auf ein Thema aufmerksam gemacht werden, indem durch Spannung Neugier erzeugt wird. Dabei spielt die subjektive Wahrnehmung des Fotografen eine ganz entscheidende Rolle, da eine Reportage durchaus emotional und interessant sein soll. 

 

Die Dokumentation

 

Im Gegensatz zur Reportage liegt der Schwerpunkt bei einer Dokumentation nicht auf der subjektiv-emotionalen Komponente, sondern auf rein sachlichen, faktischen und objektiven Aspekten. Auch hier wird ein Thema detailliert und umfangreich durchleuchtet, wobei das Ergebnis weder geschönt, emotional gefärbt noch unterhaltsam sein darf.

 

Leider wird in der medialen Welt gerne eine emotionalisierte Reportage als Dokumentation angepriesen, was irreführend und sogar bedenklich ist, denn einer Dokumentation haftet immer ein wissenschaftlicher Anspruch an, eine Reportage bietet wesentlich mehr Freiheiten und Interpretationsspielraum.

 

Hochzeitsfotografie als ReportageDie Praxis

 

In der Praxis finden sowohl die Reportage als auch die Form der Dokumentation wesentlich häufiger Anwendung als vermeintlich offensichtlich. Die Bereiche der Event- und Hochzeitsfotografie zählen auf eine Art und Weise ebenfalls zum breiten Feld der Reportage wie die klassische Reisefotografie und Image-Reportagen im Bereich der Werbung.

 

Speziellere Gebiete sind zudem die Forensik und weite Anwendungsgebiete der polizeilichen und/oder politischen Beweisführung. Man erinnere sich an die legendären Beweisfotos der damaligen Bush-Administration zur eindeutigen Untermauerung der Boshaftigkeit diverser Staaten. So leicht verschwimmen nunmal die Grenzen.


Der Autor

zeegaro, Jahrgang 1980, absolvierte eine klassische Ausbildung zum Fotografen, gefolgt von einer Ausbildung zum Eventmanager. Er assistierte namhaften Mode- und Werbefotografen und leitete ein renommiertes Mietstudio für Film- und Fotoaufnahmen in operativer Administration. Seit 2006 ist er als freischaffender Fotograf und Fotodesigner schwerpunktmäßig in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Gastronomie tätig, wobei er unter anderen Sir Peter Jonas, Henning Wehland, Patricia Petibon und Deichkind für Magazine und Verlage fotografierte. Neben People- und Porträtaufnahmen gehören Stillleben-Kompositionen und Unternehmenskommunikation zu seinen Kompetenzen und Leidenschaften. Sein erweiterter Kundenstamm besteht aus Soft- und Hardware-Firmen, Caterern, Handwerksbetrieben und Künstlern.