Der Prozess, beginnend mit der Aufnahme eines Fotos bis hin zum Endergebnis, lässt sich im sogenannten "Workflow" beschreiben. Was dieser ist und aus welchen Grundelementen er besteht, haben wir in den ersten beiden Teilen der Serie erfahren. Runden wir die Sache nun ab und beschäftigen uns mit der Königsdisziplin: dem Farbmanagement.
Farbmanagement
Auch in kreativen Bereichen müssen einige Aspekte geregelt, koordiniert, überprüft und somit gemanagt werden. Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf allen farblichen und kontrastspezifischen Aspekten. Dass die physikalischen Eigenschaften des Lichts dafür verantwortlich sind, welche Farbtöne wir wahrnehmen und in welcher Art und Weise sich diese zusammensetzen, wissen wir seit dem zweiten Teil der "Klicktipps". Der Farbraum (Gamut) wiederum gibt Auskunft über die Darstellungsmöglichkeit, quasi den Umfang des gesamten Licht- und somit Farbspektrums.
Um Farbabweichungen im "Workflow" zu vermeiden, nimmt das Farbmanagement eine entscheidende Rolle ein, denn dieses beschäftigt sich mit eben genau dieser Problematik. Den Kern bilden Überprüfung und Anpassung von Tonwerten und Kontrasten bei Verwendung unterschiedlicher Farbräume. Denn in der Realität führen leider viele - teilweise gerätespezifische - Faktoren dazu, dass zwischen einzelnen Arbeitsschritten erhebliche Qualitätsabweichungen entstehen. Das Farbmanagement ist somit eine Stufe der Qualitätskontrolle.
Profile
Wer halbwegs professionell arbeiten möchte, sollte von Beginn an mit sogenannten "Farbprofilen" arbeiten, also bereits bei der Aufnahme eines Fotos. Durch den Einsatz selbiger wird dem Zufall kaum Spielraum gegeben, was nicht nur den Amateur vom Profi unterscheidet, sondern auch die Weiterverarbeitung erheblich vereinfacht. Wichtig ist, dass man sich in den nächsten Schritten der Nachbearbeitung an dieses Profil hält bzw. mit/in ihm weiterarbeitet. Von einem Wechsel ist grundsätzlich abzuraten.
Ein Profil ist, vereinfacht gesagt, nichts anderes als eine mathematische Definition eines Farbraumes, der geräteunabhängig fungiert. So ist beispielsweise der Farbraum "Adobe RGB" sowohl auf PC-Systemen, am Mac und in Digitalkameras, mathematisch betrachtet, dasselbe.
Durch die Verwendung eines Profils kann ich mir sicher sein, dass die Farbe "XY" auch bei einem Wechsel des Mediums weiterhin exakt definiert ist. Wie gesagt, mathematisch. Dies ist insofern wichtig, da wir zwar die Farbe "XY" grundsätzlich auch genau als diese erkennen, die technischen Informationen zur Darstellung aber weit umfangreicher sind, wie etwa Sättigung, Farbtiefe (BIT-Tiefe) usw.
Kalibrierung
Klar, die Praxis weicht in vielen Belangen von der Theorie ab. Denn selbst, wenn rein technisch betrachtet der Farbton immer gleich ist, so beeinflussen eben doch die unterschiedlichen Darstellungsmedien den "Workflow". Deswegen bedient man sich der Kalibrierung, genauer gesagt: der Gerätekalibrierung. Jedes technische Gerät unterliegt Schwankungen und Abnutzungserscheinungen (zum Beispiel Spannung, LED- oder Röhrenmonitor etc.), zudem beeinflussen die Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz unser Wahrnehmungsvermögen.
Eine Kalibrierung versucht, diese Abweichungen möglichst gering zu halten und dadurch einen Standard zu gewährleisten. Vereinfacht gesagt, wird während des Kalibrierungsvorganges das Gerät hinsichtlich des Eingabefarbraumes und des dargestellten Farbraumes einer Überprüfung unterzogen. Abweichungen werden durch die Kalibrierung automatisch korrigiert. Das bedeutet, dass nach einer Kalibrierung jeder visuell durchgeführte Arbeitsschritt auch mathematisch korrekt ist.
Generell gibt es zwei verschiedene Methoden, eine Kalibrierung durchzuführen. Die häufigere und meist auch kostengünstigere ist die Software-basierte Kalibrierung. Hierbei wird oftmals mit einer sogenannten Kalibrierungsspinne gearbeitet, die einem Scanner nicht unähnlich ist. Die Druckvorlage oder der Monitor wird optisch abgetastet, überprüft und anschließend via Software abgeglichen und korrigiert.
Die Hardware-basierte Version ist gerätespezifisch, meist in Form von Monitoren oder Druckern. So garantiert bei einem Hardware-gesteuerten Monitor das Gerät an sich eine gleichbleibende Qualität. Korrekturen und Anpassungen werden ohne zusätzliche Software durchgeführt. Da diese Versionen aber sehr kostspielig sind, ist für den ambitionierten (Amateur-) Fotografen die Software-Lösung ausreichend.
Der Autor
zeegaro, Jahrgang 1980, absolvierte eine klassische Ausbildung zum Fotografen, gefolgt von einer Ausbildung zum Eventmanager. Er assistierte namhaften Mode- und Werbefotografen und leitete ein renommiertes Mietstudio für Film- und Fotoaufnahmen in operativer Administration. Seit 2006 ist er als freischaffender Fotograf und Fotodesigner schwerpunktmäßig in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Gastronomie tätig, wobei er unter anderen Sir Peter Jonas, Henning Wehland, Patricia Petibon und Deichkind für Magazine und Verlage fotografierte. Neben People- und Porträtaufnahmen gehören Stillleben-Kompositionen und Unternehmenskommunikation zu seinen Kompetenzen und Leidenschaften. Sein erweiterter Kundenstamm besteht aus Soft- und Hardware-Firmen, Caterern, Handwerksbetrieben und Künstlern.

