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Jobcheck (7): Kameramann

16. Februar 2011, von  musicsupporter
Im siebten Teil unserer Serie über spannende Kreativberufe gibt Franz Wanner Einblicke in den Alltag als Kameramann. Bilder zu entwerfen, hält er für eine vielschichtige und reizvolle Aufgabe. Für seinen Job empfiehlt er ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigensinn und Offenheit.
Franz Wanner beim Dreh zu "Loop Unlimited", Berlin 2010 (Foto: Stefan Roemer).

Wie sieht dein Berufsalltag aus? Das Feld, in dem ich arbeite, teilt sich in freie Arbeit und Auftragsarbeit. Beide Bereiche strukturieren sich in Entwicklungs-Prozess, Produktion und Präsentation. Arbeitstage können also sehr verschieden aussehen, je nachdem, in welchem Bereich und welcher Phase ich gerade arbeite. Ein Auftragsdreh als Kameramann kann mehrere Tage dauern und in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen und an verschiedenen Drehorten stattfinden, auch im Ausland. Das Spektrum reicht von Essayfilmen, Sport-DVDs, Messefilm, Videoclips, Korsakow-Filmen bis hin zu Dokumentationen. Zwischendurch gibt es viel zu organisieren: Kontakte pflegen, neue Technik und Equipment ausprobieren, sehen was die anderen machen.
 
Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Kommunikation mit den Leuten im Team schadet nicht. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Eigensinn und Offenheit kann helfen. Mit unregelmäßigen Arbeitszeiten muss man zurechtkommen, Feierabend ist nicht um 17 Uhr, sondern dann, wenn man alle Bilder für den Film zusammen hat. Das kann manchmal eine Stunde oder ein paar Tage später sein als geplant.

 

Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Schatten gibt es meist nur Tagsüber, bei Nachtdrehs nur, wenn der Mond scheint. Trotzdem könnte man Nachtdrehs auf der Schattenseite listen, in der Spalte "unstete Arbeitszeiten". Wenn man freiberuflich arbeitet, muss man mit der Unvorhersehbarkeit von Aufträgen umgehen können. Man kommt rum, erlebt viel und hat sehr viel Abwechslung, das kann amüsant und anstrengend sein. Bilder zu entwerfen und in Bildern zu erzählen - oder auch eine Erzählung in Frage zu stellen -, ist eine vielschichtige und reizvolle Aufgabe. Das menschliche Bedürfnis nach Bildern hält seit 30000 Jahren an. Es könnte sein, dass es sich in nächster Zeit nicht abrupt zurückbildet. Das bedeutet, es gibt genug zu tun in diesem Bereich, wahrscheinlich auch noch die nächsten paar Jahre.

 

Wie bist du geworden, was du bist? Zehn Prozent Inspiration, 90 Prozent Transpiration. Dazwischen drei Jahre handwerkliche Fotografenlehre und Diplom in Kamera und Schnitt an der Bayerischen Akedemie für Fernsehen. Anschließend habe ich fünf Jahre lang als Tontechniker und Kamera-Assistent gearbeitet, bevor ich Kameramann geworden bin. Parallel dazu habe ich an der Akademie der Bildenden Künste in München Kunst und Medientheorie studiert. Auch im Kunstfeld arbeite ich oft mit Fotografie, Film und Video. Mein primäres Arbeitsgerät ist die Kamera, aber auch der Arbeit nach dem Dreh kann ich viel abgewinnen. Meine eigenen Filme und Videos drehe und schneide ich meist selbst.

 

Welche Tipps hast du für Einsteiger? Nicht zu sehr auf Tipps von anderen zu hören; die eigenen Interessen sind meist verlässlicher als gute Ratschläge. Trotzdem den Weißabgleich nicht vergessen. Und sich vom Begriff der Kreativität nicht zu sehr beeinträchtigen lassen. Kreativität existiert nicht als Bereich, in den man einsteigen kann, sondern nur innerhalb eines selbst erzeugten, entlang eigener Interessen gespannten Rahmens. Der muss nicht immer rechte Winkel haben. Um sich diesen Rahmen zu schaffen und einen Einstieg zu finden, kann eine Ausbildung, durch die man eigene Sichtweisen und Fähigkeiten zuerst auf andere bezieht - zum Beispiel auf Dozenten und Kommilitonen - und dadurch lernt, sie zu differenzieren und zu entwickeln, sehr hilfreich sein.


Franz Wanner, Jahrgang 1975, ist bildender Künstler und Kameramann. Seit 2000 arbeitet er freiberuflich unter dem Künstlernamen Franz Wanner. Seine Filme und Videoarbeiten werden auf zahlreichen Ausstellungen und Festivals gezeigt. An der Akademie Deutsche POP entwickelt und unterrichtet er seit 2009 den Bereich Video. Er ist Dozent am Standort München in den Bereichen Bild, Ton und Kommunikation.