Deutsche POP - Ausbildung in Musik und Medien
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Jobcheck (15): Fotograf

10. Januar 2012, von  musicsupporter
Im fünfzehnten Teil unserer Serie über spannende Kreativberufe gibt Helge Strauss Einblicke in den Alltag als Fotograf. Der Kölner ist seit 30 Jahren selbstständig und lichtet am liebsten Musiker ab. Einsteigern wünscht er Durchhaltevermögen: "Es gibt sehr viele Fotografen, aber nur wenig gute."
Liebt seinen Beruf: der Fotograf Helge Strauss (Fotos: Helge Strauss).

Wie sieht dein Berufsalltag aus? Mein Alltag wird von mir selber gestaltet. Ich bin seit 30 Jahren selbstständig. Jeder Tag sieht sehr vielseitig und unterschiedlich aus: eine Mischung aus Werbeaufträgen, Videoproduktionen, Model-Shootings, Kunstausstellungen, Workshops, Musiker- und Band-Fotosessions. Ich bereite gerade eine Session für eine Girlband vor, zwei Ausstellungen sind geplant. Die Weltmesse der Fotografie, die "Photokina" in Köln, steht dieses Jahr wieder an, da trete ich auf der Bühne auf und mache Live-Shootings. Am liebsten fotografiere ich Musiker von Jazz über Klassik bis Pop und Heavy Metal. Bei der Cover-Fotografie kann man als Fotograf sehr gut seine kreativen Ideen einbringen. All diese Projekte plane und realisiere ich selber, und da ist ein Tag ganz schnell vorbei.

 

Auf welche Fähigkeiten kommt es an? Primär ist Einfühlungsvermögen wichtig, damit ich mich in die Welt des Kunden versetzen kann. Auch Zuverlässigkeit, um Termine einzuhalten (keine Selbstverständlichkeit in der Werbebranche). Das Wichtigste neben der Kreativität ist das technische Know-how, damit ich auch die verücktesten Ideen technisch perfekt umsetzen kann. Deshalb ist die beste Basis eine gute Ausbildung.

 

Was sind Sonnen- und Schattenseiten? Fotograf oder Fotodesigner ist nach wie vor ein Modeberuf. Man muss es lieben mit Menschen zusammenzuarbeiten und die Regie zu übernehmen, damit ein tolles Teamergebnis herauskommt wie die Titelseite eines Magazins oder ein CD-Cover. Oder man sieht Großplakate an jeder Ecke, die man fotografiert hat. Wer möchte das nicht? Der Weg dahin ist heute wesentlich schwieriger, weil meiner Meinung nach die Qualität der Fotografie nachgelassen hat und zu viel in der Postproduktion gemacht wird. Viele denken, mit einem digitalen Equipment kann ich das auch ohne gute Ausbildung. Die Preise werden von solchen Leuten kaputt gemacht.

 

Collage ArbeitsprobenWie bist du geworden, was du bist? Erst Handwerk und Studium, und dann fing es in der Garage mit einer Cover-Session an. Heute habe ich schon mehr als 3000 CD-Cover, Kalender, Buch- und Magazintitel geshootet, und es macht immer noch sehr viel Spaß. Verrückte Ideen zu haben und diese zu realisieren - auch ohne Auftraggeber.

 

Welche Tipps hast du für Einsteiger? Eine möglichst vielseitige Ausbildung in Fotografie und Design. Vor allem sollte man sich die Basics in Fotografie, Beleuchtugstechnik und Design aneignen. Bei guten Fotografen als Assistent/in arbeiten, schadet auch nicht. Außerdem und vor allem: sehr viel Durchhaltevermögen, denn es gibt sehr viele Fotografen, aber nur wenig gute, die den Magic Moment einfangen.     

 

 

 


Helge Strauss, Jahrgang 1955, arbeitet seit 30 Jahren als selbstständiger Fotograf, Regisseur und Künstler. An der Akademie Deutsche POP unterrichtet er im Fachbereich Bild am Standort Köln.