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Die Stars zum Strahlen bringen

04. Februar 2010, von  Jennifer Withelm
Er hatte die Beatsteaks vor der Linse, Dave Gahan und Udo Lindenberg. Sven Sindt ist erst Anfang 30, aber ein Fotograf, dem die Stars vertrauen. Im Interview spricht er über seine Arbeit, sein Equipment und die Voraussetzungen, die man als People-Fotograf mitbringen sollte.
Sven Sindt (re.) mit Udo Lindenberg (Fotos: Sven Sindt).

Wie kann man als Anfänger Profifotograf werden?

 
Sven Sindt: Ein Studium ist nicht so wichtig, glaube ich. Ich persönlich habe schon sehr früh den Entschluss gefasst, Fotograf werden zu wollen. Man braucht dann relativ viel Vorlauf, bis man an den Punkt kommt, dass es funktioniert. Ich war damals mit etwa 17 Jahren auf einem Konzert von Depeche Mode. Dort wurden Tourbücher von Anton Corbijn verkauft. Corbijns Fotos haben mich so beeindruckt - das war für mich der Auslöser, dass ich das auch machen wollte. Dann habe ich erstmal befreundete Bands fotografiert, Kurse gemacht und mit dem Studium angefangen.

 

Wie war das, als du Dave Gahan von Depeche Mode fotografieren durftest?

 

Sven: Das war natürlich richtig gut, und als es dann so weit war, war ich auch nicht nervös, denn letztendlich steht da ein Mensch mit zwei Armen und zwei Beinen vor mir, wie immer. Wenn ich mir vor sechs Jahren vorgestellt hätte, dass ich mal Dave Gahan fotografieren werde, hätte ich es nicht geglaubt. Und als es dann so weit war, war es fast normal. Man hat rückblickend diesen Weg zwischen dem Traum vor vielen Jahren und dem Hier und Jetzt nicht mehr vor Augen. Das Shooting mit Dave Gahan ist ja nicht von heute auf morgen passiert.

 

Wie kam der Auftrag zustande?

 

Sven: Seine Plattenfirma ist auf mich zugekommen, und dann bin ich nach New York zum Shooting geflogen. Was ich gehört habe, waren alle recht zufrieden mit den Bildern, er auch. Es wurden daraus nicht nur eine Autogrammkarte und das Cover für ein iTunes-Special, sondern weltweit eingesetzte Pressefotos und Plakatierungen. Das ist dann eine große Ausbeute, zumal es bereits eine offizielle Fotosession gegeben hatte.

 

Dave GahanWie wirst du bezahlt? Du weißt ja vorher nicht, was aus den Bildern wird.

 

Sven: Das ist alles mit dem Shooting-Tag abgegolten. Nur bei Merchandising-Artikeln gibt es extra Geld.

 

Wenn ein Anfänger Fotograf werden will, geht der Weg dann unweigerlich über den Fotoassistenten, so wie du bei Olaf Heine Assistent gewesen bist?

 

Sven: Nee, glaube ich nicht. Der Weg ist auf jeden Fall sinnvoll, um zu sehen, wie es wirklich abläuft. Ich bin dadurch sehr viel in der Welt rumgekommen und habe einen ersten Einblick erhalten. Am Ende geht es jedoch um das innere Feuer für die Fotografie. Außerdem hilft es, Menschen zu finden, die einen unterstützen und an einen glauben. Das fängt beim Make-up an und hört beim Repräsentanten auf.

 

Was nimmst du zu einem klassischen Shooting mit?

 

Sven: Ich versuche immer noch, so viel wie möglich analog zu fotografieren. Ich habe im Grunde nur eine Hasselblad 6 x 6 cm Mittelformatkamera und ein 80 mm Objektiv, ab und zu noch ein 120 mm Makro-Planar, das ist gut für Porträts. Ich finde die analoge Fotografie schöner, und bei der digitalen Fotografie gucke ich immer automatisch auf das Display. Das lenkt mich von der eigentlichen Arbeit ab. Außerdem wollen alle gleich immer das Foto sehen. Das ist oft lästig und stört die Konzentration am Set. Dabei passiert mit den Bildern ja noch ganz viel am Computer.

 

Welches Equipment kommt außerdem zum Einsatz?

 

Sven: Blitzanlagen und so was leihe ich mir aus, oft arbeite ich aber nur mit dem verfügbaren Licht. Das ist alte Schule bei mir und ein bisschen Faulheit.

 

Hast du ein Markenzeichen, weswegen du gebucht wirst?

 

Sven: Nicht in dem Sinne, wie du es meinst. Ich möchte lieber etwas Spezielles aus den Menschen herausfiltern und ihnen nicht einen Stempel aufdrücken. Es gibt Fotografen, die geben zehn Bilder ab – bei mir ist die Auswahl größer. Manche sagen, dass es schlecht ist, wenn man zu viel Auswahl anbietet, aber ich sehe das anders. Da werden aus der Serie dann Plakate gedruckt, dann mal ein Single-Cover. Manchmal schreibe ich zu den Bildern dazu, welche ich am besten finde, dann hat der Kunde eine Empfehlung, aber auch mehr Auswahl.

 

Welchen Stellenwert misst du der Nachbearbeitung von Fotos bei?

 

BeatsteaksSven: Ich bearbeite meine Bilder mit Photoshop nach, da sitzt man schon mal zwei bis drei Tage lang dran. Im Gegensatz zur Beauty-Fotografie bügle ich die Gesichter aber nicht total glatt und retuschiere nicht jede Falte. Ich stelle Tonwerte ein, Farben und gebe ordentlich Schwarz dazu. Wenn etwas in der Zeichnung verloren geht, finde ich das nicht schlimm. Früher hat man das noch gelernt, dass alles sichtbar sein muss, zumindest noch eine Zeichnung zu sehen sein muss, aber wenn man auf einer schwarzen Jacke die schwarze Tasche nicht mehr sieht, habe ich persönlich gar kein Problem damit. (lacht)

 

Welche Vor- und Nachteile hat dein Job? Einer der Vorteile ist es zum Beispiel, die Helden deiner Kindheit zu treffen, wie zum Beispiel Dave Gahan.

 

Sven: Ja, natürlich. Ein Nachteil besteht darin, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich auch noch mit 55 eine Jungkapelle, die um die 20 ist, fotografieren werde. Man wird älter, und natürlich ist ein Risiko bei dieser Art der Fotografie dabei, ob das auf Dauer gut geht. Ein anderer Nachteil ist, gerade in letzter Zeit, dass die Bezahlung der Rechnungen manchmal länger auf sich warten lässt. Aber es gibt bei jedem Beruf Vor- und Nachteile, und ich bin absolut zufrieden, dass ich mit interessanten Menschen arbeiten kann.

 

Ist Offenheit gegenüber Menschen eine der Voraussetzungen, um in dem Beruf gut zu sein?

 

Sven: Auf jeden Fall. Und spontan muss man sein, das fängt schon als Fotoassistent an. Plötzlich sitzt du im Flieger, und die nächsten Tage werden sehr anstrengend. Ich war als Assistent des Autofotografen Holger Wild vier Wochen lang in Neuseeland, und wir haben jeden Tag ohne Unterbrechung von morgens um fünf bis abends um elf gearbeitet – das kann einen auch kaputt machen. Man braucht Durchhaltevermögen, und, was die eigene Fotografie betrifft, muss man machen, machen, machen! Und nett muss man sein! Man muss sich auf Situationen einstellen können und darf sich selbst als Fotograf nicht zu ernst nehmen. Man kann sich selbst nicht wichtiger nehmen als das Gegenüber, da entsteht nur schlechte Stimmung.


Das Interview in voller Länge erschien im music supporter 03/09. Erhältlich hier.  


Kurzinfo: Sven Sindt

 

  • 1976 geboren in Colchester/England
  • 1997 bis 1999 Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Fotografie
  • 1999 bis 2000 Fotoassistent bei Olaf Heine
  • zurück zum Studium, immer mehr eigene Aufträge, Abbruch Studium
  • seit 2005 repräsentiert von Frank Küppers/Upfront