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Die Braut, die sich besaut

22. April 2010, von  Bernhard Blöchl
Alois Pribil provoziert. Der Fotograf aus Miesbach inszeniert besudelte Bräute: im Stall, im Dreck, im Wasser. "Trash My Dress" heißt sein Ausstellungsprojekt. Im Interview spricht er über Grenzen, Inspirationen, Kunst und Kommerz. Tipps für Einsteiger hat er auch zu bieten.
"Trash My Dress" (Fotos: Alois Pribil).

Er lässt Hochzeitskleider in Flammen aufgehen, inszeniert Bräute in der Baugrube, besudelt Seide mit Rotwein, Kuhmist oder Fingerfarben. "Trash My Dress" nennt Alois Pribil sein Projekt, mit dem der Fotograf aus Miesbach derzeit auf kleiner Ausstellungstour durch Deutschland ist (aktuelle Informationen unter http://www.trash-my-dress.de). 

 

Inspiriert von Kollegen aus den USA, die dasselbe tun, begann der Miesbacher, Jahrgang 1973, im Mai 2009 mit der Arbeit. Er trieb getragene Hochzeitskleider auf, bei Ebay zum Beispiel, um diese von Models vor seiner Kamera durch den Dreck ziehen zu lassen. Im Wald, im Wasser, auf Eisenbahnschienen. Zuletzt war Alois, der auch als Hochzeitsfotograf arbeitet, in Venedig, wo er ein weißes Kleid von maskierten Männern mit Sprühschaum und Konfetti verzieren ließ. "Die Herausforderung besteht darin, herauszufinden, wo meine Grenzen sind", sagt der freiberufliche Fotograf im Interview mit musicsupporter.de.

 

Alois PribilDu warst als Fotograf bei einer Tageszeitung festangestellt, inzwischen bist du selbstständig. Thema Kunst versus Kommerz: Welche Rolle spielen eigene Ausstellungen wie "Trash My Dress" in deinem Beruf, welche Rolle spielen Auftragsarbeiten? Sollte man sich spezialisieren?

 

Alois Pribil: Ausstellungen haben mir bisher immer eine neue Kundenschicht eröffnet und bedeuten für mich, meinen Namen wieder in Erinnerung zu rufen. Außerdem kann ich mit der öffentlichen Präsentation meine Kreativität einem breiten Publikum zeigen. Hier kommt Feedback zurück, das ist für meine Arbeit ziemlich wichtig. Bei Ausstellungen kann ich auch Experimente starten und habe dadurch einen Ausgleich zur Auftragsarbeit. Hier fordert der Kunde eine bestimmte Umsetzung, bei der Ausstellung oder bei eigenen Projekten kann ich machen, was ich will und was mir Spaß macht.

 

Was ist dein Arbeitsmotto?

 

Alois: Jeder Auftrag, egal ob hoch, niedrig oder gar nicht honoriert, wird mit dem gleichen Engagement fotografiert. Denn es steht ja immer mein Name dahinter, der soll für Qualität stehen.

 

Braut in der BaugrubeWarum bist du Fotograf geworden und was inspiriert dich?

 

Alois: Die Liebe zum Blick durch den Sucher hat mich vor mehr als zehn Jahren gefesselt und nicht mehr losgelassen. Was als Nebenjob bei einer Wochenzeitung begann, führte über die Festanstellung bei einer Tageszeitung bis hin zur kompletten Selbständigkeit. Ein Weg, den ich nicht bereut habe. Mich inspiriert alles! Der Blick in den Himmel, eine alte Mauer, Gesichter. Jeder Augenblick bietet ein wesentliches Detail, das sich lohnt, als Bild festgehalten zu werden.

 

Welche Tipps hast du für junge Kollegen, die auch Fotograf werden wollen?

 

Alois: Durchhalten und immer wieder an sich selbst arbeiten. Der Einstieg in den Beruf kann oft eine lange Durststrecke und viel Engagement bedeuten. Der Blick über die Schultern von Kollegen kann oft besser sein als jedes Fotohandbuch.

 

Welche Eigenschaften sollte man für diesen Beruf mitbringen?

 

Alois: Ein gutes Auge und den richtigen Blick für die Situation. Die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn der Blick fehlt.