Den Grundstein für die Rockstarkarriere legen die meisten Bands bereits zu Schulzeiten. Einer fühlt sich zum Sänger geboren, andere bedienen lieber Saiteninstrumente. Fehlt nur noch jemand, der mittrommeln darf. Eine Schulband ist geboren. Blenden wir aber an dieser Stelle die rein musikalische Entwicklung der zukünftigen Stars aus. Irgendwann folgt der Zeitpunkt, an dem sich die junge Band präsentieren möchte, sei es als Konzertbewerbung, in der Tagespresse oder in Form eines Tonträgers. Nur wie? Durch ein Foto! Dummerweise begünstigt meist Vetternwirtschaft die Gründung einer Band, die dadurch aus Individualisten ohne klares Image besteht. Hier einige Ratschläge, wie sie trotzdem ansprechend dargestellt werden können.
Dynamik
Oft sind Styling und Auftreten der einzelnen Mitglieder von sehr unterschiedlicher Prägung. Zudem entscheiden die jeweiligen Gene und Lebensformen über die optische Wirkung einer Person. Gerade hier empfiehlt es sich für den Fotografen, auf einen harmonischen und zugleich dynamischen Bildaufbau zu achten. Platziert man beispielsweise eine eher robust gebaute Person sehr vordergründig, so wird ein eher bodenständiger Bandkumpane zwangsläufig schon optisch seiner Stellung beraubt. Wahre Größe zeigt sich bekanntlich im Können, und die Vermittlung von Professionalität ist ja Sinn eines Bandfotos.
Komposition
Selbst unentdeckte Rockstars verfügen früh über gewisse Allüren ihrer Vorbilder. Eine große Rolle spielt dabei die Instrumentierung innerhalb der Band. Auffallend ist zum Beispiel das extrovertierte Auftreten des Frontmanns. Als Übermittler der verbalen Botschaft einer Band zeichnen ihn meist auch ein ausgeprägtes Ego und Animationstalent aus. Diese Eigenschaften sollten sich im Bandfoto widerspiegeln. Denn mal ehrlich: Wen interessieren schon alle Schlagzeuger von Santana? Eben.
Der Vorwurf, an der Adelung der Sänger sei der Fotograf maßgeblich beteiligt, ist nur teilweise vertretbar. Vielmehr kommt er dem allgemeinen Auffassungsvermögen entgegen, denn man erinnert sich leichter an eine Person als an Dutzende. Der schnelle Zugang zur Band soll ja ermöglicht werden. An dieser Stelle ein kleines Rätsel: Wie heißen die Bandmitglieder von U2? Bono ist keine ausreichende Antwort.
Schärfe
Heben wir also den Frontmann in den Mittelpunkt. Dabei ist nicht zwingend die geometrische Mitte gemeint, sondern vielmehr die optische Anmutung. Ein sehr hilfreiches Mittel bei der Umsetzung ist der Einsatz von selektiver Schärfe (siehe Bild oben). Sie leitet das Auge zwangsläufig zum scharfen Punkt hin und vermittelt gleichzeitig eine räumliche Tiefe. Zudem lassen sich gewisse Schwächen innerhalb der Gruppe gut kaschieren. In der Entwicklung einer Band kommt es durchaus vor, dass sich ein Mitglied nun doch für die seriöse Karriere entscheidet. Handelt es sich nicht gerade um den Frontmann und somit das Aushängeschild der Band, kann das Foto auch bei wechselnder Besetzung oftmals weiterverwendet werden - ein weiterer Vorteil der selektiven Schärfe.
Perspektive
Ein weiteres Stilmittel und zugleich imageprägend ist die Wahl der Perspektive. Im Wesentlichen können dem Konsumenten drei Sichtweisen zugemutet werden. Die Frontalperspektive unterstreicht eher den bodenständigen Charakter, da sich die Band dem Betrachter auf gleicher Augenhöhe präsentiert (Jungs von nebenan). Die Vogelperspektive hebt den Betrachter wiederum über die Band, was zum einen tendenziell eine Unschuld und Leichtigkeit unterstreicht, zum anderen Platz für Interpretationen lässt (etwa Understatement, stille Wasser sind tief). Die Froschperspektive ist die protzige Variante der Darstellung einer Band. Die Künstler blicken auf einen herab, demonstrieren Selbstbewusstsein und Dominanz. Bescheidenheit soll diese Art jedenfalls nicht vermitteln (siehe Porträts von Hip-Hop-Künstlern und New-Metal-Bands). Meist ergibt sich die Wahl der Perspektive schon durch das Motiv. Es ist nicht gerade von Vorteil, eine in einem blühenden Kornfeld sitzende Studentenband mit friedlicher Aussage aus der Froschperspektive zu fotografieren. In diesem Sinne: auf zu neuen Perspektiven!
Der Autor
zeegaro, Jahrgang 1980, absolvierte eine klassische Ausbildung zum Fotografen, gefolgt von einer Ausbildung zum Eventmanager. Er assistierte namhaften Mode- und Werbefotografen und leitete ein renommiertes Mietstudio für Film- und Fotoaufnahmen in operativer Administration. Seit 2006 ist er als freischaffender Fotograf und Fotodesigner schwerpunktmäßig in den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Gastronomie tätig, wobei er unter anderen Sir Peter Jonas, Henning Wehland, Patricia Petibon und Deichkind für Magazine und Verlage fotografierte. Neben People- und Porträtaufnahmen gehören Stillleben-Kompositionen und Unternehmenskommunikation zu seinen Kompetenzen und Leidenschaften. Sein erweiterter Kundenstamm besteht aus Soft- und Hardware-Firmen, Caterern, Handwerksbetrieben und Künstlern.


